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Besuch in Pearl Harbor Abe gedenkt der Opfer des japanischen Überfalls

Japans Ministerpräsident Shinzo Abe wird mit Barack Obama in Pearl Harbor der Kriegstoten gedenken. Dieser Besuch gilt als Gegenleistung für Obamas Visite in Hiroshima. Eine Entschuldigung ist aber nicht geplant.

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Tokio räumt ein, dass der Angriff ohne vorherige Kriegserklärung auf dem Gewissen Japans lastet. Quelle: AFP

Pearl Harbor 75 Jahre nach dem japanischen Überraschungsangriff auf Pearl Harbor besucht erstmals ein Ministerpräsident des Landes die offizielle Gedenkstätte auf Hawaii. Shinzo Abe wird sich dort am Dienstagabend mitteleuropäischer Zeit mit US-Präsident Barack Obama treffen, der vor einem halben Jahr als erster amerikanischer Staatschef offiziell Hiroshima besuchte.

Am Abend (Ortszeit) sind eine Kranzniederlegung und Reden Abes und Obamas vorgesehen. Eine Entschuldigung für den in den USA bis heute traumatisch nachwirkenden Angriff ohne Kriegserklärung wird nicht erwartet. Pearl Harbor führte umgehend zum Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg. Auch Obama hatte sich in Hiroshima nicht für die US-Atombombenabwürfe auf die japanische Großstadt Hiroshima und Nagasaki entschuldigt, die 140 000 Menschen den Tod brachten und den Zweiten Weltkrieg beendeten.

Vor Abe hatten bereits andere japanische Regierungschefs Pearl Harbor besucht, nicht aber die offizielle Gedenkstätte, die über dem Wrack der „USS Arizona“ errichtet wurde. Die japanische Regierung bestätigte die 1956 und 1957 erfolgten Besuche erst diese Woche, nachdem eine auf Hawaii erscheinende japanischsprachige Zeitung darauf hingewiesen hatte.

Schon die Besuche Abes und Obamas an den Stätten des ehemaligen Feinds, an denen die tiefsten Wunden des Krieges geschlagen wurden, werden als großer Schritt zur Versöhnung gewertet. „Dieser Besuch, und der Besuch des Präsidenten in Hiroshima davor, wäre vor acht Jahren nicht möglich gewesen“ sagte Obamas Asien-Berater Daniel Kritenbrink. „Dass wir heute hier sind, ist das Ergebnis jahrelanger Bemühungen auf allen Ebenen von Regierung und Gesellschaft.“

Tokio räumt ein, dass der Angriff ohne vorherige Kriegserklärung auf dem Gewissen Japans lastet. „Es gibt dieses Gefühl der Schuld unter Japanern, wenn Sie wollen ein 'Pearl Harbor Syndrom', dass wir etwas sehr Unfaires gemacht haben“, erklärt ein Diplomat der japanischen Botschaft in Washington, Tamaki Tsukada.

Die japanische Regierung hatte erst diesen Monat darauf beharrt, dass vor dem verheerenden Angriff auf die US-Pazifikflotte eine Kriegserklärung gegen die USA beabsichtigt war. Sie sei wegen bürokratischer Pannen nicht rechtzeitig erfolgt. US-Präsident Franklin D. Roosevelt erklärte am Tag danach Japan den Krieg - ebenso wie Japan den USA und Großbritannien.

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