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Bettina Röhl direkt Ist Putin der moralische Blitzableiter des Westens?

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Der Abschuss der Boeing wurde letzte westmoralische Gewissheit

Wie war das noch gleich am 11.September 2001. Damals zerstörten Islamisten das World Trade Center in New York. Die herrschende Westlinke war sich bald einig, dass der böseste vom bösen, George W. Bush war, dass der Kapitalismus selbst Schuld hatte, und dass die Islamisten nur getan hatten, was sie tun mussten. Es dauerte nicht lange bis Bush von durchaus prominenter Seite mal mit Osama Bin Laden, mal mit Saddam Hussein verglichen wurde.

Wo deutsche Unternehmen in Russland aktiv sind
E.On-Fahnen Quelle: REUTERS
Dimitri Medwedew und Peter Löscher Quelle: dpa
Dem Autobauer bröckelt in Russland die Nachfrage weg. Noch geht es ihm besser als der Konkurrenz. Martin Winterkorn hat einige Klimmzüge machen müssen - aber theoretisch ist das Ziel erreicht: Volkswagen könnte in Russland 300.000 Autos lokal fertigen lassen. Den Großteil stellen die Wolfsburger in ihrem eigenen Werk her, das 170 Kilometer südwestlich von Moskau in Kaluga liegt. Vor gut einem Jahr startete zudem die Lohnfertigung in Nischni Nowgorod östlich Moskau, wo der einstige Wolga-Hersteller GAZ dem deutschen Autoriesen als Lohnfertiger zu Diensten steht. Somit erfüllt Volkswagen alle Forderungen der russischen Regierung: Die zwingt den Autobauer per Dekret dazu, im Inland Kapazitäten aufzubauen und einen Großteil der Zulieferteile aus russischen Werken zu beziehen. Andernfalls könnten die Behörden Zollvorteile auf jene teuren Teile streichen, die weiterhin importiert werden. Der Kreml will damit ausländische Hersteller zur Wertschöpfung vor Ort zwingen und nimmt sich so China zum Vorbild, das mit dieser Politik schon in den Achtzigerjahren begonnen hat. Die Sache hat nur einen Haken: Die Nachfrage in Russland bricht gerade weg - nicht im Traum kann Volkswagen die opulenten Kapazitäten auslasten. 2013 gingen die Verkäufe der Marke VW um etwa fünf Prozent auf 156.000 Fahrzeuge zurück. Wobei die Konkurrenz stärker im Minus war. Hinzu kommt jetzt die Sorge um die Entwicklungen auf der Krim. VW-Chef Martin Winterkorn sagte der WirtschaftsWoche: "Als großer Handelspartner blicekn wir mit Sorge in die Ukraine und nach Russland." Er verwies dabei nicht nur auf das VW-Werk in Kaluga, sondern auch auf die Nutzfahrzeugtochter MAN, die in St. Petersburg derzeit ein eigenes Werk hochfährt. Der Lkw-Markt ist von der Rezession betroffen, da die Baukonjunktur schwächelt. Quelle: dpa

Das ist vielleicht etwas schwarz gezeichnet, aber es trifft den Kern dessen, was nach der anfänglichen Empörung aus der Sache heraus kam. Letzte Woche beschwor nun der besagte Spiegel Ground Zero-Phantasien, die voll im Trend liegen: Der Abschuss der Boeing MH17 wurde zur letzten westmoralischen Gewissheit, dass Putin ab sofort mit allen nicht kriegerischen Mitteln und mit jedem finanziellen Engagement zu bekämpfen sei.

Nochmal zur Westlinken: Sie unterstützte bekanntlich den sozialistischen Kampf palästinensischer Terroristen gegen Israel, die für ihren Kampf von der damaligen Sowjetunion (und mit Unterstützung der DDR) mit Kalaschnikows ausgestattet wurde. Die Kalaschnikow wurde in den siebziger Jahren zum Kampfsymbol der palästinensischen Terroristen, aber eben auch der fanatischen Westlinken gegen den verhassten Westen. In dieser Tradition agiert der damals überengagierte Spiegel auch jetzt wieder, mit dem einzigen Unterschied, dass die blumig-schwülstige und in übelster Scholastik verfasste "Beweiskette", dass Putin gleichsam die Boeing abschießen ließ oder mindestens der hauptverantwortliche Waffenlieferant wäre, diesmal - anders als damals -  gegen den Waffenlieferanten gerichtet ist.

Moral, die nicht der Moral verpflichtet ist, sondern situativ dem eigenem Mainstream-Standing  nutzbar gemacht wird, ist alles nur nicht Moral. Schlimm genug, dass Putins Expansionspolitik die Grundsätze der Moral und des Völkerrechtes missachtet. Die Auseinandersetzungen in der Ukraine zwischen Vertretern der russischen Minderheit und der ukrainischen Regierung fordert Tote und Verletzte. Dies bislang glücklicherweise nicht in einem Ausmaß wie etwa die von der westlichen Politik de facto weitgehend ignorierten Bürgerkriege in Afrika, Asien oder teilweise Lateinamerika.

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Hier liegt das Augenmerk auf der zur Schau getragenen moralischen Entrüstung des Westens, der global und allumfassend operiert und zwischen mörderischen oder gar völkermörderischen Konflikten einerseits und jetzt der Putinschen Expansionspolitik, die zu intolerablen Auseinandersetzungen in der Ostukraine geführt hat, in moralisch nicht nachvollziehbarer Weise differenziert.

Es scheint "moralisch" verlockend zu sein in einer panwestlichen, konzertierten Moralaktion Putin mit im Zweifel wirkungslosen Sanktionen zu konfrontieren und dabei sogar von eigenen finanziellen Folgeschäden zu schwärmen. Auch wenn die öffentliche Meinung auf Putin-Konflikt gebürstet ist, dies ist keine gekonnte und auch keine moralische Politik.

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