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Bettina Röhl direkt Wo bleibt die Obama-Doktrin?

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Großkotzige und dämliche Stimmen

Ein Beispiel: Die gleichermaßen großkotzigen wie dämlichen Stimmen, die sich nach der Ermordung von Osama bin Laden echauffierten, Obama habe das Recht und die westlichen Werte verletzt - diese Stimmen haben ihre persönliche Wichtigtuerei höher bewertet als die Sache. Obamas Maßnahme gegen Bin Laden war ein Akt der Menschlichkeit verpflichteten Vernunft.

Die größten Ölreserven der Welt
Eine Frau trocknet Wäsche auf einer Erdöl-Pipeline Quelle: ASSOCIATED PRESS
Libyen Quelle: REUTERS
Logo von Rosneft Quelle: ITAR-TASS
Ölraffinerie in den Vereinigten Arabischen Emiraten Quelle: AP
Ktar Quelle: REUTERS
Kuwait Quelle: REUTERS
Irak Quelle: REUTERS

Man kann und darf Menschenleben nicht gegen Menschenleben aufrechnen. Dieses Diktum kann in Fällen, in denen Nichtstun das größte Übel ist, nicht dazu führen, dass eine Abwägung unterbleibt.

Wenn es die Wahl zwischen Pest und Cholera gibt, dann ist es richtig alles dafür zu tun, dass die erste Alternative real wird.

Doch jetzt windet und wendet sich der Westen hin und her - und schweigt lauthals heraus, wie schön es wäre, wenn man nun doch wieder Assad als Verbündeten gegen die im Westen gefürchteten IS-Kämpfer hätte. Zu Kreuze kriechen in Damaskus will natürlich niemand. Aber alle sind auf eine sehr beredte Art schweigend froh, wenn Assads Luftwaffe in Syrien Orte bombardiert, in denen IS-Anhänger vermutet werden.

Die zahlreichen Konflikte auf der Welt, bei denen das Massensterben von Menschen an der Tagesordnung ist, interessieren zur Zeit in den westlichen Hauptstädten so gut wie Niemanden, abgesehen von ein paar besonderen Horrornachrichten - im Sudan, in Nigeria, Mali oder Somalia. Dafür hat man sich auf Putin als letzte Inkarnation allen Übels und größte Weltkriegsgefahr geradezu eingeschossen.  

Das große Rassismusspiel im Westen

Dass der Ukrainekonflikt in seiner Bedeutung maßlos überschätzt und permanent hochgeredet und aufgepeitscht wird und trotzdem noch weit beherrschbarer scheint als das Geschehen außerhalb Europas, ist völlig aus dem Blick geraten. Als wenn Russland die Ukrainer versklaven wollte oder zu einem neuen Genozid ansetzte. Stichwort Stalin: Die Genozide der Welt ablaufen werden verkannt. Sie lässt man geschehen. Der Rassismus grassiert - und das kompensiert der politisch-korrekte Mainstream im Westen mit einem großen Rassismusspiel, bei dem in Heckenschützenmanier die Fingerzeiger ihre Mitmenschen traktieren und dabei immer neue Verwerfungen erzeugen.

Ja, Putin muss zu einer vernünftigen Ukrainepolitik bewegt werden. Aber vor allem muss die Obama-Doktrin her.

Inzwischen ist irgendein Konzept aus dem Weißen Haus besser als gar keins. Und zum Konzept gehört auch immer eine Werteentscheidung, zu der man steht.

Mal einen Luftangriff fliegen, mal vierhundert Soldaten zum Schutz der Botschaft in Bagdad entsenden oder mal Anti-Isis-Kämpfer-Einheiten ausbilden wollen, ohne zu erklären, was der Luftschlag sollte oder warum man überhaupt eine Botschaft in Bagdad unterhält - das ergibt keinen Sinn.

Eine Präsidentendoktrin muss eben auch sagen, wer der Feind ist und warum. All das müsste erklärt und nicht einfach tumb ausgesessen werden. Und zwar in einer Weise, die in sich logisch und nachvollziehbar ist. IS beispielsweise auf deutschem oder amerikanischem Boden frei agieren zu lassen, aber gleichzeitig deren Bekämpfung zu fordern, ist ein Widerspruch in sich.

Die westlichen sozialen Netzwerke von IS nutzen zu lassen, ist ebenfalls ein Widerspruch zu dem gleichzeitig angekündigten  "Kampf" in Syrien oder im Irak. George W. Bush hat vor 13 Jahren versäumt, die politische Erklärung seines Tuns zu liefern und die Menschen im Westen mitzunehmen. Er hat überhaupt keine intellektuelle oder moralische Leitlinie formuliert. Er hat auf seine Art gehandelt, immerhin. Aber ihm fehlte das Konzept - sowohl gegenüber den Gegnern als auch zur Überzeugung seiner Landsleute.

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