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Bettina Röhl direkt Wo bleibt die Obama-Doktrin?

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Obama ist Mister Konzeptlos

Auch Obama wollte seinen Krieg. Deswegen hatte er seinen Libyenfeldzug unternommen: Chirurgisch sauber aus der Luft. Trotzdem erzeugte dieser Krieg wesentlich mehr Tote und Verletzte sowie eine wesentlich instabilere Lage als das Gaddafi-Regime selber oder eine westliche Gaddafi-Politik sie je erzeugt hätten. Hätte der Westen ein Konzept gehabt, wie eine Politik gegenüber den Staaten des Maghreb, des Nahen und Mittleren Ostens aussehen könnte, dann wäre der Welt viel Leid erspart geblieben.

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Zugegeben, all die Gaddhafis, Mubaraks und Assads waren und sind weder Engel noch Demokraten im westlichen Sinn. Aber bis jetzt hat es den historischen Anschein, dass die alten Regime keinen schönen, aber einen relativ stabilen Frieden in der Region garantierten.

Und man muss feststellen, dass die vom Westen wesentlich mitverursachten Umbrüche in den Regionen wesentlich mehr Leid und auch vor allem Tod gebracht haben, als es beim Fortbestand der alten Regime denkbar gewesen wäre.

Die westlichen Medien haben sich in Selbstbeweihräucherung ergangen und ihre große Yasmin-Revolution schwelgerisch gefeiert. Dies allerdings auf eine tragisch-peinliche Weise zu früh.

Die Realität war vorhersehbar und sie wurde auch von einigen wenigen vorher gesehen - wie es auch einige wenige gab, die gegen den Mainstream vor der maßlosen Überschätzung Obamas gewarnt hatten. Und was macht Obama seit vielen Wochen? Er spielt Golf, legt die Hände in den Schoß und denkt.

Der gern als der mächtigste Mann der Welt bezeichnete US-Präsident ist gut beraten, wenn er nachdenkt. Aber er ist vorrangig zum Handeln da, zum richtigen Handeln. Das gleichzeitige Denken gehört zum Handeln. Und das Handeln eines Politikers erschöpft sich auch in Krisenzeiten nicht darauf, mit bärenstarken Gesetzen oder gar mit bärenstarken Waffen herumzufuhrwerken.

Politisches Handeln besteht auch darin, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zur richtigen Sache das Richtige zu sagen - und dann diesen Worten Taten folgen zu lassen.

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Obama indes ist konzeptlos. Und seine Nato-Partner richten sich in dieser Konzeptlosigkeit ein. Sie gaukeln den Menschen vor, dass außerhalb Europas und im Westen alles bestens in Ordnung wäre.

Die Europäer haben sich bequem in ihrer Appeasementpolitik eingerichtet. Dickbräsig und breitbeinig tragen sie auf ihren Fahnen vor sich her, dass sie ihre Armeen zusammengeschrumpft und eingedampft haben, weshalb in Krisensituationen die Lage faktisch gesehen ganz einfach ist: Entweder die mit dem berühmten politisch-korrekten Antiamerikanismus befehdeten Amerikaner tun was - oder es passiert gar nichts.

Kein Wunder, dass in einer Situation nun doch wieder nach dem großen gehassten und geliebten Bruder von jenseits des großen Teiches gerufen wird. Peinlich nur, dass die George W. Bush-Hasser, die den Abzug aller amerikanischen Truppen aus dem Irak oder aus Afghanistan wollten, jetzt diejenigen sind, die genau das verlangen.

In Krisensituationen geht es indes nicht um Rechthaben. In Ausnahmesituationen geht es sogar weniger um Recht und Völkerrecht. Stattdessen geht es um eine übergeordnete, der Menschlichkeit verpflichtende Vernunft.

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