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Bettina Röhl direkt

Terrorismus: So macht Enthaupten Spaß!

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Opfer als Statisten der Mörder

Wo es keinen Toten gibt, kann es schlechterdings keinen vollendeten Mord geben, also braucht  man schon ein bisschen Futter oder, böse ausgedrückt, ein bisschen blutiges Fleisch, damit man wieder einen Mord und einen Mörder hat, über den man gruselig berichten kann, in dessen Tat  man als Voyeur hineinschauen kann und in dessen von ihm verursachten Leid man auch noch ein bisschen schwelgen kann. Und schließlich braucht man das Mordopfer auch, damit man sich, meist noch vor der Verurteilung des Mörders (um das Wort zu verwenden, das heute als Diskriminierung des Mörders verteufelt wird) um dessen Rehabilitation, Wiedereingliederung in die Gesellschaft, und dessen zweite Chance  (bei Wiederholungstätern auch dritte und vierte Chance) kümmern zu könnten.

Der Mörder, das wahre Opfer der gesellschaftlichen Verhältnisse, die Seele des Mörders, das wahre Opfer der traumatisierenden Kindheit und Jugend - ist der faszinierende Sympathieträger und das Opfer ist das unsympathische Wesen, das es nicht mehr gibt und das sich posthum womöglich noch in die Diskussion, ins Gespräch oder gar in die Öffentlichkeit drängt. Je bestialischer der Mord, je archaischer, desto faszinierender ist der Täter und wenn noch sexuell motivierte Gewalt hinzutritt, werden der Mord und der Mörder noch schlüpfriger, noch pikanter.

In Gender-Zeiten, in denen der weiße Mann die weiße Frau, will er nicht gegen das Diskriminierungsverbot verstoßen, eigentlich nicht einmal mehr still begehren darf, jedenfalls nicht als Mann, den es gar nicht mehr gibt (das biologische Geschlecht ist als bloße Einbildung der Geschichte gerade gesetzlich abgeschafft worden), hat ein besonders böser Vergewaltiger, gar, wenn er noch ein paar Frauen im Rausch ums Leben brachte, größte Chancen wenn nicht zu einem öffentlichen Sympathieträger, dann doch zu einem öffentlichen Hätschelobjekt und zu einer wahrhaft öffentlichen Person zu werden. Wie ein deutscher Strafrichter vor ein paar Jahren bemerkte: wenn Du keine Frau kriegst, musst du ein paar umbringen, dann hagelt es im Knast Heiratsanträge. Alles übertrieben, alles zu schwarz gesehen?

Staatliches Gewaltmonopol

Die westlichen Gemeinwesen haben als vielleicht wichtigste Werteentscheidung das staatliche Gewaltmonopol in ihr Verfassungsrecht geschrieben. Dieser Grundsatz ist zugleich eine Bewehrung des uneingeschränkten und uneinschränkbaren Gebotes "Du darfst nicht töten". Das heißt: Du darfst dir auch keine Legitimationen selber schnitzen, die dir das Töten erlauben oder gar abverlangen.

Du darfst auch nicht über andere Menschen richten und Ihnen einen Lynchtod verordnen. Du darfst auch keine Notwehrsituation fingieren oder vortäuschen oder eine tatsächliche Notwehrsituation überdehnt ausnutzen, um sich etwa eines Feindes zu entledigen.

Das Notwehrrecht ist keine Aufweichung des Tötungsverbotes, sondern die realistische und vernünftige Ergänzung in fest definierten Grenzen. Auch der historisch gesehen immer mal wieder beliebte und in Mode geratene Mord aus ideologischen oder religiösen Gründen ist nach der Werteentscheidung aller westlichen Verfassungen Mord.

Wer sich den dreißigjährigen Krieg in Europa anschaut, der oft etwa als Religionskrieg beschrieben wird, muss feststellen, dass in diesen drei furchtbaren Jahrzehnten des Mordens der Mord, oder besser gesagt, die Idee des Mordes, in sehr vielen Köpfen von sehr vielen Menschen eine aus allen Halteseilen heraus gefallene Bedeutung übernommen hatte.

Damals sollen nach Schätzungen elf Millionen Menschen im wesentlichen noch mit Mistforken zu Tode gebracht worden sein, was angesichts der damaligen Bevölkerungszahlen von deutlich weniger als 100 Millionen Menschen in den betroffenen Gebieten eine unvorstellbare Größenordnung ist.

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