Bettina Röhl direkt Wo bleibt die Obama-Doktrin?

US-Präsident Barack Obama fährt im Nahost-Konflikt einen gefährlichen Schlingerkurs. Jetzt zeigt sich: Er ist ein Schönredner - aber kein Macher.

Obama ist in weltpolitischen Fragen mehr gefragt denn je. Quelle: AP

Dem begnadeten Rherotiker und Schnellredner Barack Obama mangelt es an politischer Substanz. Obama ist ein Schönredner, er ist kein Macher. In der Halbzeit seiner zweiten Regierungsperiode steht Obama vor einem großen Scherbenhaufen seiner Außen-und Weltpolitik.

Das wollen all die Obama-Unterstützer, die es immer noch reichlich gibt, hartnäckig nicht wahrhaben. Die Obama-Euphorie hat sich zwar erheblich abgekühlt, und der messianische Auftritt Obamas zieht auch nicht mehr so wie einst. Doch die Überheblichkeit, mit der die Obama-Unterstützer vor allem sich selbst attestierten, politisch unfehlbar auf der richtigen Seite zu stehen, verhindert einen klaren öffentlichen Blick auf Obamas Werk.

Friedensnobelpreis entwertet

Es waren Obamas Phantastereien von einer schönen neuen Welt, die einen arabischen Frühling und sogar kurz einen iranischen Frühling initiierten - oder mindestens entscheidend förderten. Einen arabischen Frühling, der per Saldo mehr Schaden angerichtet hat als Nutzen. Und zuvörderst einen iranischen Frühling 2009, der niedergeschlagen wurde, während Obama wegschaute. Am Ende seines ersten Amtsjahres hatte Obama den Friedensnobelpreis kassiert, der seitdem ein bisschen entwertet ist.

Noch Jahre nach Obamas Einzug ins Weiße Haus stand unter allen Obama-Unterstützern fest, dass für alles Böse der Amtsvorgänger George W. Bush verantwortlich sei. Inzwischen sind die unverbesserlichen, ewig bösen rechtskonservativen Kräfte in Amerika schuld. Sie hinderten Obama daran, die von ihm erhofften Wunder auch tatsächlich zustandezubringen. Obama ist zu einem Mister Do-little geworden.

Fakten zum Terror im Irak

Wer wenig tut und möglichst nichts entscheidet, kann keine Fehler machen. Das scheint Obamas Maxime geworden zu sein. Jetzt mehren sich in Amerika und in Europa die Stimmen - gerade aus dem politisch korrekten Lager -, die öffentlich sagen, dass man erstens die Terrorgruppe IS bekämpfen müsse und dass dafür zweitens Luftschläge nicht ausreichten. Deshalb raten sie zum Einsatz von Bodentruppen, den sie sogar für unumgänglich erklären.

IS auf europäischem Boden verbieten? Nein, das kommt für dieselben Leute offenbar nicht in Betracht. Aber die Amerikaner, denen man immer wieder die Rolle des Weltpolizisten vorgeworfen hat, sollen es jetzt im Nahen und Mittleren Osten und überall sonst an den Brennpunkten dieser Welt richten.

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