Big-Mac-Index Das argentinische Burger-Mysterium

Argentinien Regierung manipuliert die Inflationsrate und hat selbst bei den Burgerpreisen die Hand im Spiel. Denn während der Preis für McDonald´s wichtigstes Menü um 26 Prozent zulegt, verbessert sich Argentinien auf wundersame Weise im Big-Mac-Index.

Argentiniens Präsidentin Cristina Fernandez de Kirchner versucht die Inflationsrate klein zu halten - mit umstrittenen Methoden. Quelle: REUTERS

Wer wissen möchte, wie hoch die Inflation in Argentinien ist hat ein Problem. Offiziell liegt die Preissteigerung bei knapp zehn Prozent, doch unabhängige Beobachter beziffern die Inflationsrate auf etwa 25 Prozent. Wirklich verlässliche Daten sind seit Monaten kaum zu bekommen.

Den Zahlen der Statistikbehörde INDEC glaubt in dem südamerikanischen Land fast niemand und selbst das angesehene britische Wirtschaftsmagazin „Economist“ weigert sich seit Jahresbeginn sogar, die INDEC-Zahlen abzudrucken. „Don´t lie to me Argentina“, betitelte der Economist seine Erklärung dazu - in Anlehnung an das bekannte Lied aus dem Musical Evita.   

Die Briten haben auch einen guten Beleg dafür, dass mit Argentiniens Zahlen etwas nicht stimmt: Den Big-Mac-Index. Seit 1986 vergleichen sie anhand des populärsten Burgers bei McDonald´s die weltweiten Kaufkraftunterschiede und belegen damit David Ricardos Theorie der Kaufkraftparitäten.

In Argentinien legte der Burgerpreis in der vergangenen Dekade im Jahresschnitt um 19 Prozent zu – die offizielle Inflationsrate betrug nur zehn Prozent. „Die Differenz ist weit größer als in jedem anderen Land“, schreibt der Economist.

Doch selbst diese Zahlen sagen noch nicht die ganze Wahrheit, denn es ist seit Monaten ein offenes Geheimnis, dass auch bei den argentinischen Burgerpreisen etwas faul ist. Mit dem Big Mac war ausgerechnet einer der beliebtesten und meistverkauften Burger von den leuchtenden Werbetafeln in Argentinien verschwunden. Eine Erklärung dafür könnte sein, dass die Burger-Kette dafür keine Werbung mehr nötig hatte, denn auch so verkaufte sich der Big Mac blendend.

Übt Argentinien Druck auf McDonald´s aus?

Kein Wunder, war der Preis dafür doch auch vergleichsweise günstig. Selbst die New York Times spekulierte daher darüber, dass die argentinische Regierung Druck auf McDonalds ausübe, um den Preis einzufrieren. Und auch wenn die Burgerkette offiziell immer eine Einmischung der Regierung in ihre Preisgestaltung zurückgewiesen hat, wäre das nicht ungewöhnlich. Schließlich berichten zahlreiche Unternehmer von Anrufen Guillermo Morenos, des mächtigen Strippenziehers im Wirtschaftsministerium, der gern persönlich Bedingungen für Importgenehmigungen stellt.

Nach Angaben argentinischer Medien ist der Big Mac Teil des Warenkorbs für die offizielle Inflationsrate, daher vermuteten diese hinter dem Big-Mac-Mysterium einen Versuch, die Zahlen klein zu halten und sogar die Position im Big-Mac-Index zu verbessern.

Wo der Burger und das Leben teuer sind
Big-Mac-Index 2012: Wo der Burger und das Leben teuer istEr ist ein Sinnbild für den Niedergang kulinarischer Sitten, für Globalisierung, für die Amerikanisierung aller Lebensbereiche: Der Big Mac der US-Amerikanischen Fast-Food-Kette McDonald's. Das britische Wirtschaftsmagazin "The Economist" bedient sich dieses Hamburgers um die weltweiten Kaufkraftunterschiede nachzuzeichnen - im Big-Mac-Index. Weil McDonald’s mit 32.000 Restaurants in über 115 Ländern vertreten ist, gibt es fast überall Big Macs. Und da die beliebten Hamburger der Fast-Food-Kette durch strenge Franchise-Verträge fast überall auf der Welt gleich aufgebaut sind, bieten sie durch die unterschiedlichen Thekenpreise in den verschiedenen Ländern eine gute Grundlage um die Kaufkraftunterschiede der Staaten zu vergleichen.   Ein Beispiel: Die McDonald’s-Kunden in Pakistan müssen für ihren Big Mac weniger bezahlen, als in den USA. Also ist die Kaufkraft des Dollars in Pakistan höher als die Kaufkraft des US-Dollars in den USA selbst. Da der Preis des Big Macs in Dollar umgerechnet in Pakistan niedriger ist, können Kunden dort grundsätzlich also mehr Hamburger kaufen. Das britische Wirtschaftsmagazin "The Economist“ stellte 1986 zum ersten Mal den Big-Mac-Index auf. Laut dem aktuellen Index beträgt der Preis des Hamburgers in den USA durchschnittlich 4,20 Dollar, also 3,3 Euro (Stand: 11. Januar). Ein Überblick, wie sich die Big-Mac-Preise in anderen Staaten vom McDonald’s-Heimatmarkt unterscheiden. Quelle: dpa
Teurer als in den USA ist ein Big Mac in den 17 Ländern der Eurozone. Durchschnittlich kostet der Hamburger in der europäischen Währungsunion 3,49 Euro (4,43 Dollar). Laut dem Big-Mac-Index ist der Euro also gegenüber dem Dollar um rund sechs Prozent überbewertet. Vor gut einem Jahr war der Preisunterschied deutlich größer, die Überbewertung der Gemeinschaftswährung lag bei 21 Prozent. Doch der Eurokurs ist im Zuge der europäischen Staatsschuldenkrise in den letzten Monaten deutlich gefallen; Mitte Januar erreichte die Gemeinschaftswährung im Vergleich zum Dollar sein 16 Monats-Tief. Für die exportabhängigen Volkswirtschaften der Länder der Eurozone ist dies keine schlechte Nachricht: Schließlich können Exportwaren dadurch auf dem Weltmarkt billiger angeboten werden also noch vor einem Jahr. Tendenziell sollten nun mehr Waren verkauft werden. Quelle: dapd
Am billigsten ist der Big Mac laut Index in Indien. 84 Rupien kostet der Hamburger in dem Schwellenland im Schnitt, also umgerechnet 1,62 Dollar. Hierzulande sind das 1,27 Euro (Stand: 11. Januar 2012). In Indien ist der Big Mac also 61 Prozent billiger als in den USA. Der Preisunterschied zwischen den Hamburgern, lässt auf einen ebenso hohen Wertunterschied zwischen den Währungen schließen: Demnach ist die Rupie nicht einmal halb so viel wert wie der US-Dollar – so der Big-Mac-Index. In Indien lassen sich somit grundsätzlich mit der US-Währung mehr Big Macs erwerben, als das mit dem US-Dollar in Amerika möglich ist. Seit 1996 gibt es McDonald's in Indien (im Bild: Die Ersteröffnung in Neu-Dehli). Das asiatische Land ist übrigens der einzige Staat, in dem der Big Mac mit Hühnerfleisch belegt ist. Hintergrund: Für die mehrheitlich hinduistische Bevölkerung sind Kühe heilig - und Rindfleisch deshalb tabu. Auch der Name ist anders. Das Äquivalent zum Big Mac heißt in Indien Maharaja Mac. Quelle: AP
Reisende, die mit der US-Währung zahlen, profitieren von einem niedrigen Big-Mac-Preis im Reich der Mitte: In China kostet der Hamburger durchschnittlich 15,4 Yuan, also umgerechnet 2,44 US-Dollar. Das macht einen Unterschied von 42 Prozent zum Big-Mac-Preis in den USA. Quelle: AP
Ebenfalls knapp ein Drittel weniger als in den USA müssen Big-Mac-Käufer in Russland für den Standard-Burger durchschnittlich hinlegen. Zwischen Sankt-Petersburg und Nowosibirsk kostet der Hamburger im Schnitt 81 Rubel, das sind 2,55 Dollar - ein Minus von 39 Prozent. Das spricht für eine deutliche Unterbewertung der russischen Währung. In einer McDonald's-Filiale in Sankt-Petersburg (hier im Bild) bekamen 30 Veteranen aus dem Zweiten Weltkrieg am historischen Tag des Sieges des 9. Mai 1999 eine Runde Burger geschenkt. Quelle: AP
Auch in Mexiko (die historische Kathedrale in der Hauptstadt Mexico D.F. im Bild) können sich ausländische Reisende mit weniger Dollar einen Big-Mac gönnen. Hier kostet ein Hamburger 37 Pesos, das sind 2,70 Dollar. Quelle: AP
In den Vereingten Arabischen Emiraten (im Bild: Dubai) kostet der Big Mac 12 Dirhams, ungefähr 3,27 Dollar. Quelle: REUTERS

Doch den niedrigen Preis kann der Fastfood-Riese offensichtlich nicht halten: McDonald´s hat nun den Preis des Big Mac Menüs von 21 Pesos auf 26,50 Peso (4,70 Euro) angehoben – ein Anstieg von satten 26 Prozent.

„Moreno verliert die Schlacht gegen McDonalds“, schreiben argentinische Zeitungen. Doch dabei täuschen sie sich wohl. Denn während sich das Menü mit Pommes und Getränk massiv verteuert, sinkt der Preis des einzelnen Burgers erstaunlicherweise sogar, von 21 (4,68 Dollar) auf 19 Pesos (4,23 Dollar oder 3,37 Euro). Und dieser ist für den Big Mac Index maßgeblich. Während Argentinien im letzten Index noch Rang sieben belegte, sinkt das Land mit einem Dollarpreis von 4,23 pro Burger nun sogar unter den Schnitt im Euroraum (4,43 Dollar) und liegt etwa auf US-Niveau (4,20 Dollar).

Und die Burgerpreise im Rindfleischparadies zeigen noch andere Anomalitäten. Denn selbst nach dem 26-prozentigen Preisanstieg ist auch das Big Mac Menü verblüffend günstig. Während der Doppelburger mit Pommes und Getränk nun 26,50 Peso kostet, muss man für andere Menüs 36 bis 46 Peso zahlen. Und selbst für ein Kindermenü verlangt McDonald´s 32 Peso (5,68 Euro). Hierzulande kostet das Happy Meal meist 3,79 Euro, das Big Mac Menü 5,99 Euro.

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