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Börse nach der US-WahlWarum Anleger trotz Trump cool bleiben sollten

Nach dem Brexit waren die Märkte jetzt besser auf eine Überraschung vorbereitet. Trump hat sie nicht kalt erwischt. Nur Anfänger schichten um.Frank Doll, Malte Fischer, Stefan Hajek, Sebastian Kirsch und Christof Schürmann 20.11.2016 - 12:57 Uhr

Aktiendepot: Märkte waren nach Brexit-Schock auf Trump-Wahlsieg vorbereitet.

Foto: REUTERS

Paul Markham wollte ausgeruht in diesen Tag starten. Der Fondsmanager mit dem kantigen Kopf und dem kurzen grauen Haar hielt es nicht für nötig, sein Team zur Nachtschicht zu verdonnern. Zwar saß Markham am Mittwoch bereits um sechs Uhr am Schreibtisch im Londoner Büro. Aber statt umgehend auf die Nachrichten zu reagieren, beobachtete er entspannt, wie Trump den Sieg einfuhr.

Valium? Nein. Sein Rezept beschreibt Markham so: „Wir haben in den Wochen immer wieder diskutiert, welche Branchen profitieren können, wenn Trump gewinnt oder Clinton gewinnt.“ Schließlich entschieden sich die Geldverwalter dazu, möglichst weit gestreut zu investieren, um beide Varianten abzudecken. „Wir hatten“, sagt Markham, „auch gar keine andere Wahl: Trump hat nie wirklich erläutert, wie sehr er die USA von anderen Märkten abschotten will.“

Nullsummenspiel im Dax

Wer als Anleger so entspannt wie der Brite sein wollte, musste in Deutschland nur lang genug schlafen an diesem 9. November: Sah es am frühen Morgen noch nach einem Mini-Crash aus, als in Tokio das Börsenbarometer Nikkei mit fünf Prozent im Minus schloss, kam vom Dax schnell Entwarnung: Er robbte sich nach spürbaren Verlusten gegen 11 Uhr schon wieder an die Nulllinie heran, beendete den Tag sogar im Plus. Verluste in Einzeltiteln, wie etwa bei den Banken, glichen Gewinne bei anderen Aktien aus.

Die Ausschläge einzelner Branchen, die unterm Strich zu einem Nullsummenspiel führen, bestätigen das, was Investoren sowieso kennen: Hin und Her macht Taschen leer, lautet ihr Spruch für diese Fälle. Karsten Friebe, Leiter Aktienresearch beim größten deutschen Vermögensverwalter Flossbach von Storch (FvS), ist „nur aufgestanden, weil meine kleine Tochter um halb vier Uhr morgens schrie, und da habe ich mir die ersten Ergebnisse angeschaut“. Gehandelt haben sie bei FvS mit ihren rund 25 Milliarden Euro Kundengeldern deshalb nicht.

Siemens-Chef Joe Kaeser

"Gebt ihm eine Chance", sagte der Manager am Donnerstag auf "CNBC" zur Wahl Donald Trumps. "Wir müssen schauen, was wir zusammen machen können. Lasst es uns positiv angehen." Der Siemens-Chef gratulierte Trump zum Wahlsieg und erhofft sich aufgrund der von Trump in Aussicht gestellten Erneuerung der US-Infrastruktur neue Aufträge. "Die USA sind unser größter Einzelmarkt", betonte Kaeser auf "Bloomberg TV". "Wir bieten gerne unsere Zusammenarbeit und unsere Stärke an."

Foto: AP

Oliver Bäte, Vorstandsvorsitzender der Allianz

"Dieser Wahlausgang bestätigt, wie groß der Anteil der Amerikaner ist, der sich enttäuscht vom Establishment abgewendet hat. Die Riesenherausforderung für Trump besteht nun darin, die auseinanderstrebenden gesellschaftlichen Strömungen wieder zusammenzuführen", sagt Oliver Bäte, Vorstandsvorsitzender der Allianz.

"Wir werden ein längere Phase der Unsicherheit erleben, bis sich das Regierungsprogramm Trumps kristallisiert. Ich rechne mit einer eher expansiven, stimulierenden Fiskalpolitik, aber auch mit der Neigung zu einer protektionistischen Handelspolitik mit weitreichend negativen Auswirkungen auf die Weltwirtschaft. Der Präsident wird wohl TTIP einstellen. Doch steht zu hoffen, dass irgendwann ein neuer Anlauf zur stärkeren Marktintegration zwischen der EU und den USA erfolgt.

Trumps dringendste Aufgabe ist es, den amerikanischen Traum vom Land der unbegrenzten Möglichkeiten wieder zu beleben. Helfen würden dabei die Modernisierung der Infrastruktur, Verringerung des klaffenden Wohlstandsgefälles plus Maßnahmen des sozialen Ausgleichs und deutlich gerechtere Bildungschancen für alle Amerikaner. Dann könnte es ihm auch gelingen, die Gräben, die dieser beispiellos laute und rohe Wahlkampf aufgeworfen hat, wieder zuzuschütten. Und es wäre der richtige Ansatz, um die Enttäuschten und Zurückgelassenen in die gesellschaftliche Mitte zurückzuholen und mit ihrem Land und seinen tragenden Ideen zu versöhnen. Außenpolitisch ist Trump noch ein unbeschriebenes Blatt. Das schafft zusätzliche Unsicherheit."

Foto: REUTERS

Olaf Berlien, Vorstandsvorsitzender von Osram

"Ich glaube, dass die meisten Leute nicht damit gerechnet haben." Die Prognosen hätten das Ergebnis nicht abgebildet, so Berlien. Er betont: "Trump ist demokratisch gewählt." Es gelte jetzt den Blick nach vorne zu richten und darüber nachzudenken, wie das Land geeint werden kann.

Die Folgen für Osram selbst seien gering, sagt der Vorstandsvorsitzende. "Auf unser Geschäft hat es keine Auswirkungen, denn wir fertigen in den USA für die USA."

Foto: dpa

Werner Baumann, Vorstandsvorsitzender von Bayer

„Nach einem intensiven Wahlkampf warten auf den neuen US-Präsidenten wichtige Herausforderungen. Zum Beispiel kommt es jetzt darauf an, die Partnerschaft zwischen den USA und der EU weiter zu stärken. Gerade der Ausbau unserer Handelsbeziehungen ist für den Wohlstand auf beiden Seiten des Atlantiks von entscheidender Bedeutung", sagt Baumann, der gerade mitten in der Übernahme des US-Agrarkonzerns Monsanto steckt. Die Übernahme ist die größte in der Geschichte der deutschen Wirtschaft.

Bayer will mit der Übernahme von Monsanto ein zweites Standbein zu seinem Pharmageschäft aufbauen, mit dem Bayer ebenfalls sehr stark in den USA ist. "Ein weiterer Schwerpunkt sollte sein, das Gesundheitssystem in den USA so weiterzuentwickeln, dass mehr Patienten Zugang zu neuen und innovativen Therapien erhalten", so Baumann.

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Peter Terium, Vorstandsvorsitzender von Innogy

"Ich bin ein großer Freund von Wettbewerb und fairem Wettkampf – aber diesen US-Wahlkampf empfand ich persönlich als sehr hart und stellenweise auch als unerträglich. Jetzt herrscht Klarheit. Wir Europäer brauchen ein starkes Amerika an unserer Seite, denn die globalen Probleme lösen wir nicht allein", sagt Terium über den Wahlkampf. Doch er hofft weiter auf eine Energiewende in den USA: "Was die Energiewelt betrifft, glaube ich nicht, dass der Ausgang der US-Wahl große Auswirkungen etwa auf die Entwicklung hin zu erneuerbaren Energien hat. Das UN-Abkommen von Paris verpflichtet ja jede US-Regierung zum Klimaschutz. Und eine Revolution geht nie vom König aus. Die zahlreichen Initiativen für erneuerbare Energien oder auch Elektromobilität, die es in den USA auf regionaler und lokaler Ebene gibt, lassen sich nicht einfach so von Washington aus stoppen. Und im Silicon Valley ist es der Business Community ohnehin weitgehend egal, wer an der Ostküste im Weißen Haus regiert."

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Matthias Wissmann, Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA)

„Was die Wahl von Trump für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in den USA konkret bedeutet, ist noch nicht vollständig erkennbar. Als Präsident der größten Volkswirtschaft trägt er große Verantwortung für sein Land, aber auch für die Weltkonjunktur und die internationalen Beziehungen. Es ist zu hoffen, dass viele seiner Ankündigungen dem Wahlkampf geschuldet waren und dass sein Regierungshandeln selbst durch einen moderateren Kurs geprägt sein wird", sagt Matthias Wissmann, oberster Interessensvertreter der deutschen Autobranche.

Er hofft, dass Trump von seiner ablehnenden Position gegen TTIP abrückt: "Mehr Protektionismus oder zusätzliche Handelsbarrieren würden den Vereinigten Staaten ebenso schaden wie ihren Handelspartnern. Deswegen ist TTIP von besonderer Bedeutung. So hoffen wir, dass es auch mit Donald Trump weitere Impulse für die TTIP-Verhandlungen gibt."

Eines zeige die Wahl in den USA ganz deutlich, so Wissmann: "Der Wettbewerb der großen Industrienationen wird härter, das Ringen um industrielle Produktionsstandorte nimmt zu. Es steht zu befürchten, dass die USA unter ihrem neuen Präsidenten ebenso wie China vor allem auf ihre eigene Wirtschaft schauen – zu Lasten internationaler Beziehungen und Handelsströme."

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Dieter Zetsche, Vorstandschef Daimler

"Nach den Brexit-Prognosen und dem Ausgang der Wahl in Großbritannien war ich gewarnt vor Prognosen. Das Ergebnis in USA habe ich so aber nicht erwartet. Ich versuche mich offen zu halten. Dass jetzt aber eine gehörige Portion Skepsis da ist, ist klar."

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Harald Krüger, Vorstandschef BMW

"Es ist viel zu früh, das zu bewerten. Aber klar ist: Wir brauchen einen offenen Welthandel. Wir leben von offenen Märkten."

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Matthias Müller, Vorstandschef Volkswagen

"Wir sind in einer spezifischen Situation. Ich hoffe, dass sich das Wahlergebnis nicht noch nachteilig auf VW auswirkt. Wir verhandeln seit Monaten mit den US-Behörden (über den Dieselskandal, Anm. d. Red.) und wollen das alsbald zu einem gedeihlichen Ende bringen. Wir warten nun gespannt, wie die Behörden Anfang des Jahres neu besetzt werden."

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Karl-Heinz Streibich, Vorstandsvorsitzender der Software AG

„Ich bin zuversichtlich, dass der zukünftige Präsident der USA die wirtschaftliche Partnerschaft mit Deutschland und der ganzen Welt fortführen wird. Die Vergangenheit hat klar gezeigt, dass insbesondere die amerikanische Wirtschaft, wie auch Gesellschaft, vom freien und globalen Handel profitierte", sagt Karl-Heinz Streibich.

Die Software AG ist Deutschlands zweitgrößter IT-Konzern nach SAP. Das Unternehmen erwirtschaftet rund 31 Prozent des Jahresumsatzes in US-Dollar.

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Frank Appel, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Post DHL

„Unser Unternehmen ist in den USA auf Wachstumskurs und wir möchten diese Entwicklung auch nach der US-Wahl fortsetzen. Unser Ziel ist es, globalen Handel weiter voranzutreiben und wir sind überzeugt, dass die USA dabei auch zukünftig eine konstruktive Rolle spielen werden. Unser Hauptfokus liegt darauf, unseren Kunden auch in Zukunft den qualitativ hochwertigen Service zu bieten, der weltweit zum Markenzeichen von DHL geworden ist.“

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Lutz Goebel, Präsident des Verbandes der Familienunternehmer

"Ein Black Tuesday für den Welthandel."

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Ulrich Grillo, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie

Grillo hat den neuen US-Präsidenten Donald Trump davor gewarnt, die amerikanische Wirtschaft abzuschotten. „Die Vereinigten Staaten müssen weiter auf offene Märkte setzen. Alles andere wäre Gift für die US-Wirtschaft“, sagte Grillo. Die USA seien einer der wichtigsten Partner Europas, um den weltweiten Handel zu gestalten. Die deutsche Wirtschaft werde weiter für ein faires Handelsabkommen TTIP mit guten Regeln für Europa und die USA werben. Trump hatte TTIP im Wahlkampf als „größte Gefahr“ für US-Unternehmen kritisiert.

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Thilo Brodtmann, Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA)

„Mit großer Sorge blickt die Maschinenbauindustrie daher auf das Wahlergebnis in den Vereinigten Staaten. Der künftige US-Präsident Donald Trump hat im Wahlkampf eine Kehrtwende in der amerikanischen Handelspolitik angekündigt und will Zölle und andere Handelshemmnisse wieder aufbauen. Zwar rechnet der VDMA derzeit noch nicht mit einer Anhebung der Einfuhrzölle auf deutsche Maschinenbauprodukte. Aber die protektionistischen Vorschläge von Donald Trump würden sich direkt auf das Investitionsklima in den USA auswirken und damit auch auf die Maschinenimporte aus Deutschland", sagt Brodtmann.

„Natürlich respektieren wir dieses demokratische Wahlergebnis. Donald Trump würde aber, falls er seine angekündigten Maßnahmen als Präsident tatsächlich umsetzt, vor allem seinem eigenen Land schaden. Falls die größte Wirtschaftsmacht der Welt einen protektionistischen Kurs fährt, wird das rund um den Globus zu spüren sein. Wir können nur hoffen, dass er seinen Worten keine entsprechenden Taten folgen lässt."

Foto: WirtschaftsWoche

Jörg Schneider, Finanzvorstand des Rückversicherers Munich RE

"Die USA sind nicht nur die größte Volkswirtschaft, sondern auch der wichtigstes Versicherungsmarkt der Welt. Und zwar nicht nur gemessen am Umsatz, sondern auch seiner Innovationskraft", sagt Jörg Schneider, Finanzvorstand der Munich RE. "Wir hoffen, dass es jetzt schnell Klarheit über die wirtschaftspolitische Ausrichtung gibt. Für Munich Re ist die globale Diversifikation ein wesentliches Unternehmensmerkmal. Protektionismus schadet jeder wirtschaftlichen Entwicklung, deshalb hoffen wir auf ein Bekenntnis der USA zum freien Handel. Was die Kapitalmärkte angeht, sehen wir im Moment erhebliche Volatilitäten. In jüngster Zeit – nach dem Brexit-Votum – hat sich aber auch gezeigt, dass die Märkte sich wieder schnell beruhigten. Das bleibt abzuwarten."

Foto: dpa

Steven Holland, Vorstandsvorsitzender Brenntag

Der weltgrößte Chemie-Händler Brenntag sieht nach Trumps Wahlsieg auch Chancen. Es sei mit einem wirtschaftsfreundlicheren Umfeld zu rechnen. "Wenn er sein Versprechen einlöst und für Wirtschaftswachstum sorgt, wird das wie jeder makro-ökonomische Aufschwung zum Vorteil von Brenntag sein", sagte Steven Holland, Vorstandsvorsitzender von Brenntag.

Gerade in seinem wichtigen Markt USA hat das Unternehmen derzeit mit einer schwachen Nachfrage aus der Industrie zu kämpfen. Durch den Ölpreisverfall halten sich Kunden in der Öl- und Gasbranche der USA seit Längerem zurück.

Foto: dpa

Wer wie der Fondsmanager aus London oder der fürsorgliche Vater unabhängig von politischen Entscheidungen einer simplen Strategie folgt, der kann Marktchancen nutzen und Risiken begrenzen. Die WirtschaftsWoche hat die Strategie mehrfach vorgestellt, zuletzt nach dem Brexit. Mit einem vernünftigen Mix aus Aktien, Anleihen, Gold und Tagesgeld (Anteil 30, 30, 25 und 15 Prozent) erzielten Investoren trotz eines an Turbulenzen reichen Börsenjahres bisher ein Plus von 7,4 Prozent. Am Morgen des Trump-Triumphs, als vom mexikanischen Peso über die Goldman-Sachs-Aktie bis hin zum Kaffeepreis viele Assets abstürzten, verlor das Mischdepot gerade einmal 0,5 Prozent.

Mit der Beteiligung an Unternehmen haben Anleger – in 15-Jahres-Zeiträumen gedacht – seit gut 50 Jahren kein Geld mehr verloren; gemessen jeweils zum Einstiegspunkt Jahresende. Auch wer sich im Frühsommer nicht scheute, in die Brexit-Hysterie hinein Aktien zu kaufen, liegt bisher vorne. Dabei zahlt sich aus, auf heimische Papiere zu setzen, die wenig von politischen Entscheidungen im Ausland beeinflusst sind, etwa der Onlinebroker Comdirect oder die breit aufgestellte Siemens. Im Durchschnitt brachten die sieben Aktien im WirtschaftsWoche-Depot seit dem Sommer 6,5 Prozent Kurszuwachs, nur ein Papier – Beiersdorf – liegt leicht im Minus.

Dass der Wahlsieg Trumps die Finanzmärkte dennoch nicht kalt lässt, hat vor allem damit zu tun, dass er Fragezeichen hinter den künftigen Kurs der US-Notenbank Fed setzt. Bisher taxierten Profis wie Markham und Friebe die Wahrscheinlichkeit, dass die Währungshüter um Fed-Chefin Janet Yellen die Leitzinsen Mitte Dezember anheben, auf 70 Prozent. Nach dem Sieg Trumps ist die Wahrscheinlichkeit auf rund 30 Prozent gesunken. Die Fed, so das Kalkül der Börsianer, wolle nicht noch Öl ins Feuer der Unsicherheit gießen.

Für einen geldpolitischen Kurswechsel aber spricht, dass die Zeiten niedriger Inflation zu Ende gehen. Der Arbeitsmarkt für qualifizierte Arbeitskräfte droht schon jetzt heiß zu laufen, der Lohnanstieg beschleunigt sich. Auch wenn Trump tatsächlich Importzölle einführt, treibt das die Inflation. Die Ökonomen der Bank Sal. Oppenheim schätzen, dass die Strafzölle auf Einfuhren aus China und Mexiko die US-Importe um 15 Prozent verteuerten und die Inflation um drei Prozentpunkte steigen ließen.

Bei aller Unsicherheit cool bleiben

Trotz Unsicherheit über die Geldpolitik: Investorenlegenden wie Dr. Doom bleiben cool. Gemeint ist Marc Faber. Der Mann, der stets muskulös wie ein alter Boxer daherkommt, zuckt mit den Schultern angesichts des Wahlausgangs. Strategiewechsel? Fehlanzeige. Faber steckt ein Viertel seines Vermögens in Immobilien, vor allem in dividendenstarke Real Estate Investment Trusts (REITs) in Singapur und Hongkong sowie in Liegenschaften in Vietnam und Thailand. Ein Viertel legt er in Unternehmenspapieren an. Ein weiteres Viertel steckt in Anleihen und Bargeld. Den Rest hat er gebunkert in Edelmetallen: Gold, Silber und Platin. Für den Notfall. Auch ein Börsenguru weiß ja nie, was kommt.

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