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Boom & Bust

Mit Yuan-Aufwertung beginnt China eine neue Ära

Malte Fischer Quelle: Frank Beer für WirtschaftsWoche
Malte Fischer Chefvolkswirt WirtschaftsWoche, Redakteur Der Volkswirt

Die Entscheidung der chinesischen Regierung, die Dollar-Bindung zu lösen und den Yuan aufzuwerten, bringt dem Land viele Vorteile – und hat weitreichende Folgen für die Weltwirtschaft.

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WirtschaftsWoche-Redakteur Malte Fischer Quelle: Frank Schemmann für WirtschaftsWoche

Häufig haben die kleinen Ankündigungen die größte Wirkung. Das war auch am vergangenen Wochenende so, als die chinesische Zentralbank im Internet eine kleine Notiz veröffentlichte, in der sie eine größere Flexibilität des Wechselkurses der chinesischen Währung ankündigte. An den Finanzmärkten schlug die Nachricht wie eine Bombe ein. Seit Monaten schon hatten Anleger darauf spekuliert, China werde seine Währung Yuan wegen des immer größer werdenden Drucks aus den USA noch in diesem Jahr aufwerten.

Doch nachdem der schwache Euro die preisliche Wettbewerbsfähigkeit chinesischer Anbieter im Euro-Raum verschlechtert hatte, waren die Stimmen, die auf eine rasche Aufwertung des Yuan gegenüber dem Dollar setzten, leiser geworden.

Nicht zu stoppen

Währung China

Daher war die Überraschung am Wochenende groß. Zwar dämpfte die Zentralbank die Spekulation auf eine schnelle Aufwertung des Yuan, indem sie betonte, keine „exzessiven“ Kursänderungen zu tolerieren. Doch der Zug, den sie auf die Schiene gesetzt hat, ist nicht mehr zu stoppen. Ökonomen rechnen damit, dass die Pekinger Währungshüter zu dem System des „Crawling peg“ zurückkehren werden, das sie bereits von 2005 bis 2008 betrieben hatten.

Im Juli 2005 hatte die Zentralbank die feste Wechselkursbindung an den Dollar aufgegeben und den Yuan-Kurs an einen Währungskorb gebunden, in dem der Dollar allerdings ein hohes Gewicht hatte. Die zulässige Schwankungsbreite gegenüber dem Korb betrug zunächst 0,3, ab Mai 2007 dann 0,5 Prozent.

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    Den zentralen Referenzkurs legte die Zentralbank jeden Tag neu fest. Dabei orientierte sie sich an dem Endstand des Vortages. So wertete der Yuan schrittweise und kontrolliert auf. Angesichts der sich zuspitzenden Finanzkrise beendete die Zentralbank im Juli 2008 das System und kehrte zur festen Dollar-Bindung bei einem Wechselkurs von 6,83 Yuan je Dollar zurück. In der Phase des Crawling peg hatte der Yuan um rund 21 Prozent gegenüber dem Dollar aufgewertet (siehe Grafik).

    Experten rechnen damit, dass der Yuan durch die Rückkehr zur kontrollierten Aufwertung in diesem und den nächsten Jahren jeweils um zwei bis fünf Prozent an Wert gewinnen wird. Das mag vor dem Hintergrund der zweistelligen Veränderungsraten beim Wechselkurs von Euro und Dollar während der Euro-Krise läppisch erscheinen. Doch hier gilt: Der stete Tropfen höhlt den Stein.

    Das Timing für den währungspolitischen Schwenk vor dem G20-Gipel an diesem Wochenende war geschickt gewählt. Auf diese Weise hat sich China aus der Schusslinie der Amerikaner und Europäer gebracht, die das Land wegen des angeblich überbewerteten Yuan auf die Anklagebank setzen wollten und schon mit protektionistischen Gegenmaßnahmen gedroht hatten.

    Zweites Standbein

    Für die Regierung in Peking ist die Aufwertung des Yuan aber auch ein zentrales Element in der Strategie, das Wachstumsmodell der gesamten Volkswirtschaft umzukrempeln. Statt wie bisher vor allem auf billige Exportprodukte zu setzen, soll Chinas Wirtschaft in Zukunft mit einer veritabel expandierenden Inlandsnachfrage ein zweites Standbein erhalten und auf der Wertschöpfungsleiter weiter nach oben klettern.

    Ein stärkerer Yuan lässt die Importpreise sinken. Das bremst die Inflation, die zuletzt mit 3,1 Prozent den Zielwert der Zentralbank von 3,0 Prozent überschritt. Eine geringere Teuerungsrate wird im Zusammenspiel mit kräftiger steigenden Löhnen die Realeinkommen ankurbeln und den Konsum beleben. Zugleich geraten die Gewinne der Exporteure durch steigende Lohnkosten und den stärkeren Yuan unter Druck.

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      Das soll die Unternehmen dazu veranlassen, sich von der Herstellung billiger Massenwaren zu verabschieden und höherwertige Güter und Dienste anzubieten, für die sie höhere Preise verlangen können. Durch den Strukturwandel, der mit einer Einkommensumverteilung von Kapital zu Arbeit einhergeht, soll China von einem quantitativen auf einen qualitativen Wachstumspfad gelangen.

      Dazu passt, dass die Lockerung der Wechselkursbindung die Zentralbank in die Lage versetzt, sich stärker an den binnenwirtschaftlichen Erfordernissen zu orientieren. Statt die für China viel zu expansive Geldpolitik der US-Notenbank Fed nachzuahmen und so Preisblasen zu riskieren, können die Pekinger Währungshüter in Zukunft die Zinsen rechtzeitig erhöhen.

      Der Wandel von Chinas Wachstumsmodell hat enorme Konsequenzen für den Rest der Welt, vor allem für die USA. Denn mit dem Schrumpfen der Exportüberschüsse wird à la longue auch der Kapitalfluss aus dem Riesenreich in die USA abebben. Dann stellt sich die Frage, wer die Defizite in der Leistungsbilanz und im Staatshaushalt Amerikas finanzieren soll.

      Entweder die US-Regierung und Bürger schnallen den Gürtel bald enger und reduzieren so ihren immensen Kreditbedarf. Oder der Druck auf die US-Notenbank wird wachsen, als Käufer von Staatsanleihen die Lücke zu füllen, die die Chinesen hinterlassen. Die Konsequenzen wären fatal: Die Fed würde noch mehr Geld drucken, die Inflationsrisiken würden steigen – und der Dollar als Weltleitwährung wäre infrage gestellt.

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