Branche zittert China droht mit Strafzöllen auf europäische Autos

Als hätte die europäische Autoindustrie nicht schon genug Probleme - nun will China Vergeltung für die Strafzölle auf Solarmodule und nimmt den Automarkt ins Visier.

Wovor die EU heimische Unternehmen schützen will
Die EU droht der mächtigen Solarbranche Chinas mit Strafzöllen. Im September 2012 eröffnete die EU-Kommission ein Antidumping-Verfahren zu Einfuhren chinesischer Hersteller. Wegen des hohen Wertes der Importe von 21 Milliarden Euro pro Jahr ist der Fall beispiellos. Die von der EU-Kommission vorgelegten Vorschläge sehen Zölle in Höhe von 37 bis 68 Prozent auf Solarpaneele vor. Wer kooperiert und seine Zahlen plausibel darlegt, wird mit einem geringen Satz belegt. Schon ab dem 5. Juni 2013 könnten die Zölle in Kraft treten. Chinas Hersteller protestieren gegen die Abgabe und werfen der EU Protektionismus vor. Quelle: dpa
Chinesische Fahrräder dürfen seit bald 20 Jahren nicht ungestraft über europäische Straßen rollen. Im September 1993 verhängte die EU Strafzölle gegen Kompletträder aus Vietnam und China. Zunächst lag der Zoll bei rund 30 Prozent, später wurden Fahrräder aus China mit 48,5 Prozent Anti-Dumpingzoll belegt, Räder aus Vietnam mit 34,5 Prozent. Im Sommer 2010 lief der Strafzoll gegen Fahrräder aus Vietnam aus. Chinesische Hersteller müssen nach wie vor blechen, die EU verlängerte die Anti-Dumping-Maßnahme im Oktober 2011 um weitere fünf Jahre. Gebracht hat es wenig, wie eine Untersuchung der EU zeigt. Die europäische Fahrradproduktion ging weiter zurück, die Gewinnspanne blieb unzureichend.
Einer der jüngsten Strafzölle der EU richtet sich gegen chinesisches Hochglanzpapier. Seit Mai 2011 müssen europäische Druckereien, die ihre Kataloge auf China-Papier drucken wollen, vier bis zwölf Prozent Aufschlag an die Zollbehörden zahlen. Dazu kommen zwischen acht und 35,1 Prozent an Anti-Dumping-Zoll. Experten der Europäischen Kommission schätzen, dass chinesisches Hochglanzpapier durch diese Strafzölle in Summe um 20 bis 39 Prozent teurer wird. Das gilt für die nächsten fünf Jahre. Seit 2004 baut China seine Papier-Produktionskapazitäten jährlich um rund 26 Prozent aus. Europas Papierwirtschaft schrumpft derweil. Spürbar positive Effekte hat der Zoll auf die deutschen Papierhersteller bisher keine. Quelle: dpa
Lederschuhe aus China und Vietnam....... belegt die EU 2006 mit einem Strafzoll. Doch statt wie üblich den Bannstrahl fünf Jahre lang über die Dumping-Latschen zu legen, galt die Regelung zunächst nur bis 2008. Das griff den italienischen Schuhhändlern zu kurz und sie liefen - selbstverständlich auf nicht chinesischem Schuhwerk - Sturm. Damit gerieten sie allerdings zwischen die Fronten. Die Schuhzollfrage spaltete Europa. In Süd- und Osteuropas sowie in Frankreich, wo es noch eine heimische Schuhproduktion gab, forderten die Regierungen Schutzmaßnahmen. Deutschland, dessen Schuhindustrie bereits überwiegend in Asien produzierte, lehnte die Zölle entschieden ab. Am Ende der Debatte hielt die EU an den Strafzölle bis 2011 fest. Seit April vergangenen Jahres wird keine Abgabe mehr verlangt. Quelle: REUTERS
Für Glasfaser aus China gilt seit März 2011 ein Strafzoll von 13,8 Prozent. Glasfasern werden in der Baubranche, der Autoproduktion und der Windkraftindustrie verarbeitet. Vertreter aus dem letztgenannten Industriezweig sind mit der Regelung nicht zufrieden.
Der SchraubenkriegAn dieser Abgabe hat sich die EU die Zähne ausgebissen. Im Januar 2009 verhängte die Kommission Strafzölle von bis zu 85 Prozent gegen Schrauben und Bolzen made in China. Peking setzte sich zur Wehr. Die Klage bei der Welthandelsorganisation WTO in Genf hatte Erfolg. Die WTO urteilte, dass die EU Exporteure aus der Volksrepublik benachteilige und damit gegen internationales Handelsrecht verstoße. Sie rügte die EU. Mehr kann die WTO aber nicht tun, ein Zwang den Strafzoll zurückzuziehen besteht für die WTO-Mitglieder nicht. Peking nahm die Sache daraufhin selbst in die Hand und konterte mit Zöllen auf Schrauben aus Europa. Die Abgabe liegt bei 6 bis 26 Prozent und gilt für fünf Jahre. Quelle: obs
Dass die EU keine Bananen mehr aus Latein- und Mittelamerika haben wollte, nahmen die deutschen Fruchthändler ihr ganz schön krumm. Die Verordnung trat 1993 in Kraft und sollte Produzenten in europäischen Übersee-Departements wie den französischen Antillen vor sogenannte Dollarbananen schützen. 1500 DM Strafzoll mussten deutsche Importeure Mitte der 90er Jahre auf eine Tonne Bananen aus Lateinamerika löhnen. Sogar Bundeskanzler Helmut Kohl - im allgemeinen mehr mit Birnen als Bananen in Verbindung gebracht - schaltet sich ein und sagte den Fruchthändlern seine Unterstützung zu. Ohne Erfolg. Der

Der Handelsstreit der EU mit China könnte Europas Autobauern auf dem weltgrößten Absatzmarkt schaden. Außer Strafzöllen auf europäischen Wein erwäge die Regierung in Peking auch zusätzliche Zölle auf den Import von Autos aus Europa, befürchtet der Verband der europäischen Fahrzeughersteller ACEA.

Damit sei zu rechnen, falls die EU-Kommission nicht von ihrer gegenwärtigen Handelspolitik gegenüber China abweiche und die Strafzölle auf chinesische Solarmodule zurücknehme. Wenn es keine Verbesserung des politischen Klimas gebe, dann werde China voraussichtlich "Vergeltung" bei Fahrzeug-Einfuhren üben, sagte ein ACEA-Sprecher am Freitag in Brüssel.

Nach Angaben des Verbands ging beim Handelsministerium in Peking eine Beschwerde über unzulässige Beihilfen ein, mit deren Hilfe europäische Autobauer ihre Fahrzeuge in China unter Wert verkauften. Die Regierung habe daher ein Prüfverfahren für Strafzölle auf europäische Oberklasse-Wagen angekündigt. Erste Strafzölle könnten ab September erhoben werden, im Visier stünden Autos mit einem Hubraum von mehr als zwei Litern.

Dieses vor allem von deutschen Herstellern wie Audi, VW, BMW, Daimler und Porsche dominierte Marktsegment machte zuletzt laut des deutschen Herstellerverbands VDA acht Prozent des chinesischen Automarkts aus. Die Mehrheit der Autokäufer erwirbt hingegen kleinere Pkw mit einem Motorhubraum zwischen 1,1 bis 1,6 Liter.

Insgesamt wurden in China im vergangenen Jahr 13,2 Millionen Pkw verkauft - zwanzig mal mehr als im Jahr 2000. Zum Vergleich: In Europa fielen die Verkaufszahlen 2012 mit gut zwölf Millionen Neuwagen auf den tiefsten Stand seit 1995. Der Autoexport aus Europa nach China brummt: 2011 gingen laut ACEA knapp 545.000 Pkw im Wert von mehr als 17 Milliarden Euro nach China, knapp ein Fünftel der europäischen Autoausfuhren in alle Welt.

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