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Bruno Cavalier "In Frankreich ist keine Trendwende in Sicht"

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"Hollandes Ruf in der Wirtschaft ist ramponiert"

Wie kommen die Reformpläne in der Wirtschaft an; glauben die Unternehmen, dass unter Hollande eine Wende zum Guten möglich ist?

Die Umfragewerte von Hollande sind – wie bekannt – sehr schlecht. Er ist der unpopulärste Präsident seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Die Terroranschläge von Paris haben Hollande einen Sympathieschub beschert. Aber: In der Wirtschaft ist sein Ruf ramponiert. Ich glaube, dass viele Manager den Ankündigungen Hollandes skeptisch gegenüberstehen. Die Regierung hat sich bewegt und sich für eine wirtschaftliche Öffnung ausgesprochen. Aber: In allen Studien und Umfragen können wir noch keine Trendwende erkennen. Der Geschäftsklimaindex stagniert auf niedrigem Niveau. Dass es trotz der Reformankündigungen von Hollande keinen signifikanten Stimmungsaufschwung gegeben hat, werte ich als Zeichen, dass es wenig Vertrauen in den Regierungschef gibt. Das gilt vor allem für die Chefs von kleinen und mittelgroßen Unternehmen. Die Großkonzerne machen ihre Geschäfte weltweit, sie sind weniger abhängig vom Heimatmarkt – und weniger kritisch mit Hollande. Aber der Großteil der Unternehmer ist desillusioniert.

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Das heißt, die Investitionsbereitschaft und damit auch die Aussichten insgesamt für die Wirtschaft bleiben mau?

Schwer zu sagen. Es gibt Unternehmen und Branchen, die wenig Hoffnung machen. Die Industrie gehört dazu. Ein bisschen besser ist die Lage im Dienstleistungssektor und im Handel. Hier gibt es einen langsamen Stimmungsaufschwung, gepaart mit der vagen Ankündigung, Jobs könnten geschaffen werden.

Reicht das, um für Entspannung am Arbeitsmarkt zu sorgen?

Nein. Nicht zu diesem Zeitpunkt. Es dauert, bis sich eine Erholung auf den Arbeitsmarkt durchschlägt. Die Arbeitslosigkeit wird sehr hoch bleiben, vielleicht sogar noch leicht steigen in den kommenden Monaten. Die Reformagenda braucht Zeit. Aber: Die externen Faktoren sind gut! Der niedrige Euro, der niedrige Ölpreis und die lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank: Das schafft eine besonders günstige Ausgangslage für alle Volkswirtschaften in Europa. Das könnte zur Stabilisierung beitragen.

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Sie haben einen Faktor vergessen, der negative Auswirkungen auf Europas Volkswirtschaften haben könnte: die Unsicherheiten rund um Griechenland.

Die Neuwahlen in Griechenland schaffen Unruhen, das ist richtig. In Frankreich schaut man ganz genau auf die Entwicklung in dem Krisenland. Aber: Kaum einer in Frankreich rechnet mit einem Grexit, weil dieser schlicht nicht gewollt ist. Weder in Griechenland noch in Frankreich oder im Rest der Euro-Zone. Ich rechne nicht mit einem Einbruch der französischen Wirtschaft im Zuge der Griechenland-Turbulenzen oder Nachteile Frankreichs an den Anleihemärkten. Das Versprechen der EZB, bei stark steigenden Renditen auf den Märkten einzugreifen, schützt Frankreich.

Dennoch dürfte ein möglicher „Syriza“-Erfolg bei den Neuwahlen die Diskussion um die richtigen Wege aus der Krise neu entfachen, oder?

In Arbeit
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Ja. In Frankreich wird genau verfolgt, ob die Griechen tatsächlich all ihre Schulden bedienen oder sich in möglichen Verhandlungen mit den Euro-Partnern anderweitige Vorteile – etwa eine Streckung der Kredite – sichern. Die politischen Ränder in Frankreich haben offen ihre Sympathie mit „Syriza“ und deren Euro-Kurs geäußert. Die Regierung in Paris gerät bei einem Erfolg der Linken in Griechenland immer stärker unter Druck, sich von Europa zu emanzipieren, wie etwa der rechtsextreme Front National sagt, und bestehende Verpflichtungen außer Kraft zu setzen. Denn: Ein Großteil der Franzosen sieht nicht ein, warum das Land die Maastricht-Kriterien einhalten soll, statt in der Krise mit keynesianischer Politik gegenzusteuern. Ein etwaiger Wahlerfolg von „Syriza“ und mögliche Verhandlungserfolge mit den Geldgebern könnte diese Stimmung verstärken…

… und Präsident François Hollande doch noch von seiner Reformagenda abbringen?

Das halte ich nicht für ausgeschlossen. Klar ist: Die Regierung in Paris braucht Druck von außen. Wenn der nicht von den Bondsmärkten kommt, die EZB-Politik nimmt den Märkten hier ihre Wächterfunktion, wäre es gut, wenn die EU-Kommission mit Nachdruck auf die Einhaltung der Regeln pocht. Dann dürfte auch die Regierung an ihrem neuen, wirtschaftsfreundlichen Kurs festhalten.

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