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Bürgermeisterwahlen in Moskau Nawalny kämpft gegen den Kreml

Historischer Wahltag: Zum ersten Mal seit zehn Jahren dürfen die Menschen in Moskau ihren Bürgermeister wieder direkt wählen. Erstmals ist bei einer Wahl auch wieder echte Konkurrenz zugelassen.

Wie sich die Welt abschottet
US-Präsident Barack Obama Quelle: dpa
Ein Straßenhändler in Indien Quelle: REUTERS
Ein Bauer füttert seine Kühe Quelle: dpa/dpaweb
Abbau von Seltenen Erden in einer Mine in Ganxian Quelle: dpa
Die Christusstatue auf dem Corcovado Quelle: dapd
Mitarbeiter der Volkswagen AG im VW-Werk in Kaluga Quelle: AP
Arbeiter entladen importierten Reis von einem Schiff Quelle: REUTERS

Es ist der Tag der Entscheidung für Alexej Nawalny als Galionsfigur der russischen Protestbewegung und für den vom Kreml gestützten Technokraten Sergej Sobjanin. Die Stimmung an diesem Sonntag in Europas größter Stadt Moskau, die einen Bürgermeister wählen soll, ist gespenstisch. Der Himmel wolkenverhangen, die mächtigen Prospekte wie leer gefegt. Und das bei einem Urnengang, den viele historisch nennen. Nicht nur können die Moskauer erstmals seit zehn Jahren überhaupt wieder ein Stadtoberhaupt selbst wählen - vorher hatte das stets Kremlchef Wladimir Putin einfach festgelegt.
Es ist vor allem zum ersten Mal auch echte Konkurrenz zugelassen, mit dem erst 37-jährigen Nawalny. Der Anwalt und Blogger ist dem Kreml ein Dorn im Auge, weil er Putins System immer wieder als korrupt, hintertrieben und voller Willkür brandmarkt. Putin schien noch kurz vor der Wahl die Strafverfahren gegen Nawalny zu verteidigen: Wo „dieser Mann“ aufkreuze, gebe es Ärger, meinte der Kremlchef. Und bei seiner Stimmabgabe sprach er Nawalny indirekt aber deutlich die Eignung ab. „Großstädte benötigen keinen Politiker, sondern einen Menschen, der zu arbeiten versteht“, sagte Putin in die Mikrofone.
Doch der wortgewandte Charismatiker Nawalny, der mit seiner Frau Julia und den Kindern noch dazu eine Vorzeigefamilie abgibt, nimmt solchen Schimpf von Putin als Bestätigung, dass er richtig handelt. „Geht wählen - ändern wir Russland, fangen wir in Moskau an“, schrieb er am Sonntag in einem Blog.

Zahlen und Fakten zu Russland

Dass sich der vor allem bei jungen Menschen beliebte Populist erstmals einer Wahl stellt, gilt auch als Krönung seiner Führungsrolle in der immer noch heillos zerstrittenen Opposition. Nawalny hat wie kein anderer der insgesamt sechs Moskauer Kandidaten einen leidenschaftlichen Straßenwahlkampf geführt. Aber es war aus Sicht vieler Beobachter auch ein aussichtsloses Gefecht gegen die mächtigen Mühlenflügel des Kreml: Der 55 Jahre alte Amtsinhaber Sobjanin genießt den Rückhalt Putins, die uneingeschränkte Zuwendung der Staatsmedien - und den für viele Russen tadellosen Ruf eines disziplinierten Apparatschiks, der den Moloch Moskau am ehesten in eine gute Zukunft steuern kann.
Der Kreml überlässt auch bei dieser Wahl nichts dem Zufall. Sogar das Verteidigungsministerium leistet Schützenhilfe: Zu einem großen Stadtfest, auf dem Sobjanin sich am Vortag trotz des am „Tag der Stille“ verbotenen Wahlkampfes auf dem Roten Platz in Szene setzte, beschossen Flugzeuge den Himmel mit Chemikalien, um für gutes Wetter zu sorgen. Vor drei Jahren wurde der damalige Kremlfunktionär Sobjanin auf den Posten gehoben - nachdem der legendäre Bürgermeister Juri Luschkow nach fast 20 Dienstjahren in Ungnade gefallen war.
„Sobjanin ist ein erfahrener Beamter, er hat in den vergangen drei Jahren die wilden Kioske in der Stadt entfernen lassen, unsere Parks erneuert und neue Metrostationen eröffnet“, sagt der 83 Jahre alte Rentner Wassili. Er sieht in dem Bürgermeister noch die verlässlichste Wahl, dass es ihm und seiner Frau weiter gut geht.

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„Natürlich gibt es viele Probleme in der Stadt. Aber wir wollen kein Chaos wie in Syrien, wenn auf einmal irgendwelche Oppositionelle kommen“, meint er. Er und seine Frau hätten rund 26 000 Rubel (etwa 650 Euro) zum Leben - das sei genug. „Wir haben nicht mehr solche Ansprüche wie die jungen Leute“, sagt Wassili. Doch vor allem junge Moskauer setzen auf ehrliche Wahlen und einen Neuanfang mit Nawalny.
Schon vor der Wahl befürchteten viele, dass die Beteiligung niedrig bleiben könnte. Wohl auch deshalb forderte die einflussreiche Boulevardzeitung „MK“ in einem flehenden Appell zur Stimmabgabe auf: „Das gibt uns allen die Chance, ein Volk zu werden. Ein Volk, das die Machthaber endlich dazu bringt, es zu fürchten und zu achten“.

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