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Chance für Frauen und Minderheiten Biden ordnet die Fed-Spitze neu

Fed-Gebäude. Quelle: dpa

Joe Biden will die Führungsspitze der US-Notenbank Fed neu ordnen. Dabei setzt er auf mehr Diversität und Weiblichkeit. Ob Fed-Chef Powell das Feld räumen muss oder eine zweite Amtszeit bekommt, ist noch umstritten.

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Die US-Notenbank Fed kann mit der anstehenden Neuformierung der Führungsspitze weiblicher und diverser werden. Womöglich wird das Direktorium erstmals in der fast 108-jährigen Geschichte der Fed mehr Frauen als Männer umfassen. Selbst wenn US-Präsident Joe Biden mit Fed-Chef Jerome Powell einen Vertreter der weißen Mehrheitsgesellschaft im Amt belassen sollte, dürfte er bei der Neubesetzung anderer Führungsposten die Chance für mehr Diversität ergreifen. Beobachter erwarten, dass zumindest für die beiden Vizeposten und einen noch vakanten Direktoriumssitz Frauen und Vertreter von Minderheiten infrage kommen. Die beiden derzeitigen Vizechefs waren wie Powell vom damaligen Präsidenten Donald Trump ins Amt gebracht worden.

Dieser hatte mit einer ungeschriebenen Regel gebrochen, wonach Fed-Präsidenten eine zweite Amtszeit gewährt wird, wenn sie diese anstreben. Doch entschied sich der Republikaner im Weißen Haus dafür, mit Janet Yellen die erste Frau an der Spitze der Fed nicht für weitere vier Jahre auf dem Posten zu belassen. Der links-progressive Flügel der Demokratischen Partei um die Kongressabgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez hat Biden aufgefordert, nun auch Powell keine zweite Amtszeit zu gewähren. Sein Mandat läuft im Februar aus. Kritiker werfen Powell vor, zu stark die Interessen der Wall Street im Blick zu haben und bei der Finanzregulierung zu lasch zu agieren.

Doch wird Powell für seine Führungskraft in der Corona-Krise von vielen Ökonomen ein gutes Zeugnis ausgestellt. Er hat zudem ausgezeichnete Drähte in die Politik und genießt parteiübergreifenden Rückhalt im Kongress. Auch Yellen, die inzwischen unter Biden Finanzministerin ist, steht Medienberichten zufolge hinter Powell. Biden könnte daher auch mit Blick auf die hauchdünne Mehrheit im Senat, der die Fed-Personalie bestätigen muss, dazu neigen, dem 68-Jährigen eine zweite Amtszeit zu gewähren. Dabei dürfte auch eine Rolle spielen, dass sich viele Investoren auf dessen Bestätigung eingestellt haben. Eine überraschende Neubesetzung könnte Unsicherheit an den Finanzmärkten schüren, zumal die Fed derzeit den schrittweisen Ausstieg aus der im Pandemiejahr 2020 eingeführten Krisenpolitik vorbereitet.

Biden achtet auf mehr Diversität

Zugleich dürfte Biden offen dafür sein, bei den Vizeposten Frauen beziehungsweise Vertreter von Minderheiten zum Zuge kommen zu lassen. Diversität sei bei der Stellenbesetzung ein wichtiges Kriterium, sagte eine mit der Sache vertraute Person. Offiziell hält sich das Weiße Haus jedoch noch bedeckt. Derzeit sitzen im sechsköpfigen Direktorium mit Michelle Bowman und Lael Brainard nur zwei Frauen. Die Stellvertreterposten des Fed-Chefs sind noch fest in männlicher Hand. Doch dies könnte sich bald ändern. Die Amtszeit des Fed-Vizechefs Randal Quarles läuft im Oktober aus, die seines Kollegen Richard Clarida im Januar.

Als heiße Anwärterin auf einen dieser Posten gilt die langjährige Direktorin Lael Brainard, die manche Experten allerdings auch für die Nachfolge Powells auf dem Zettel haben. Wie aus dem Terminkalender Brainards hervorgeht, traf sie sich zu Jahresbeginn mit dem vom gewählten Präsidenten Biden zusammengestellten Team für Finanzaufsichtsfragen. In Medienberichten wurde sie daraufhin als mögliche Kandidatin für den Fed-Vizechefposten mit Zuständigkeit für die Bankenaufsicht gehandelt, den derzeit noch Quarles innehat.

Für einen der Vize-Posten wird auch die afroamerikanische Ökonomieprofessorin Lisa Cook von der Michigan State University gehandelt, die sich als Wissenschaftlerin mit Fragen der Ungleichheit ethnischer Gruppen beschäftigt hat. Auch mit dem Chefökonomen des Gewerkschaftsdachverbands AFL-CIO, William Spriggs, könnte Biden in Sachen Diversität punkten: Seit 15 Jahren sitzt kein Afroamerikaner mehr im Direktorium.

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Mit Sarah Bloom Raskin könnte dort auch eine weitere Frau neben Bowman und Brainard Platz nehmen: Für die Ökonomin wäre es eine Rückkehr an alte Wirkungsstätte, da sie bereits von 2010 bis 2014 dort vertreten war. Sie hat sich insbesondere mit einem Fokus auf Themen wie Verbraucherschutz und Vermögensungleichheiten profiliert. Mit einer Entscheidung für mehr Diversität kann Biden der Notenbankspitze laut der früheren Fed-Ökonomin Claudia Sahm ein neues Gesicht geben: „Es ist eine riesige Chance.“

Mehr zum Thema: Die Fed und die EZB gehen getrennte Wege. In den USA bereiten führende Notenbanker die Märkte auf ein Ende der super-lockeren Geldpolitik vor. Das hat Folgen für das transatlantische Zins- und Währungsgefüge. Ein Kommentar.

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