Chaos in Nahost Deutschland rät von Reisen nach ganz Ägypten ab

In Ägypten drohen neue heftige Unruhen. Das Auswärtige Amt hat seine Reisewarnung erweitert.

In Ägypten patrouilliert die Armee auf den Straßen. Die Muslimbrüder planen Märsche durch die Stadt. Quelle: AP

Die Bundesregierung rät angesichts der blutigen Unruhen in Ägypten von Reisen in das ganze Land ab. Das gelte auch für die bei deutschen Urlaubern beliebten Badeorte am Roten Meer, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes am Freitag in Berlin. "Aufgrund der aktuellen Lage und der unvorhersehbaren Entwicklungen müssen wir von Ägypten-Reisen dringend abraten." Für den Norden der Sinai-Halbinsel sowie die Grenzgebiete zu Israel gilt weiter eine Teilreisewarnung. In den Touristengebieten am Roten Meer könne derzeit noch von einer ruhigeren Lage gesprochen werden, sagte der Ministeriumssprecher. Die weitere Entwicklung im Land sei aber unkalkulierbar. Daher sei auch für Touristen für ganz Ägypten ausdrücklich der Rat formuliert worden, nicht zu reisen.

Schon zuvor hatte die Regierung von Reisen nach Kairo und einige Nil-Städte, darunter auch die Touristen-Hochburgen Luxor und Assuan abgeraten. Die Lage in dem nordafrikanischen Land hat sich nach der gewaltsamen Räumung von zwei Protestlagern der Muslimbrüder massiv verschärft, die dem gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi nahe stehen. Für Freitag werden weitere Massenproteste erwartet.

Zwei Tage nach der Räumung der Islamisten-Protestcamps wollen die Muslimbrüder und die radikalislamische Vereinigung Dschihad erneut gegen die vom Militär eingesetzte Übergangsregierung auf die Straßen gehen. Zum Schutz organisieren sich Bürgerwehren. Die Polizei hat Order, mit scharfer Munition auf Plünderer und Saboteure zu schießen.

Der Generalsekretär der Islamischen Partei, Mohammed Abu Samra, sagte dem Nachrichtenportal der Kairoer Tageszeitung „Al-Masry Al-Youm“, geplant seien friedliche Kundgebungen. Allerdings könne niemand garantieren, dass es nicht auch zu Gewalt und Brandanschlägen komme. Gerade die jungen Menschen seien sehr erzürnt. Die Demonstrationen sollen an allen Moscheen Kairos beginnen und am zentralen Ramses-Platz zusammentreffen, erklärten die Muslimbrüder auf Twitter.

In vielen Straßen der Hauptstadt fanden sich in der Nacht an den Hauseingängen sogenannte Bürgerwehren zusammen, um Plünderer abzuschrecken. Die Protestbewegung „Tamarud“, die die Massenkundgebungen gegen den inzwischen gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi organisiert hatte, rief die Bevölkerung über das Staatsfernsehen dazu auf, ihre Häuser, Moscheen und Kirchen selbst vor möglichen Attacken der Islamisten schützen. In mehreren Landesteilen gilt der Notstand. Die Polizei verhaftete vor Beginn der Proteste vier führende Mitglieder der Bruderschaft, wie das Nachrichtenportal youm7 meldete.

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Der seit Wochen schwelende Konflikt zwischen Islamisten und Mursi-Gegnern war am Mittwoch eskaliert, als Sicherheitskräfte zwei zentrale Protestlager der Muslimbrüder in Kairo gewaltsam räumten. Blutige Ausschreitungen forderten Hunderte Todesopfer. Die Regierung hatte am Donnerstag von 638 Toten und 4201 Verletzten gesprochen. Ein Mitarbeiter des Gesundheitsministeriums dementierte diese Zahlen in der Nacht und sprach von etwa 600 Toten. Der demokratisch gewählte Mursi war am 3. Juli durch das Militär gestürzt worden. Die Islamisten fordern seine Wiedereinsetzung.

Die Regierung in Kairo verteidigte ihr hartes Vorgehen gegen internationale Kritik und sprach von terroristischen Handlungen, die sich gegen Regierungsgebäude und lebenswichtige Einrichtungen richteten.

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