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Chefstratege der Société Générale "Die Euro-Zone wird zusammenbrechen"

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Die Finanzmärkte haben jetzt Großbritannien und das Pfund Sterling im Visier. Die Aussichten auf eine politische Blockade nach der nächsten Wahl haben die Lage verschlimmert. Wird Großbritannien den Internationalen Währungsfonds erneut um Hilfe rufen müssen, wie schon 1976?

Glaube ich nicht. Großbritannien ist nicht Mitglied der Währungsunion und hat deshalb den Vorteil, dass es die Abwertung seiner Währung zulassen kann. Die wäre gut für die Exportwirtschaft. Mittelfristig wird die Pfund-Schwäche daher anhalten. Die Finanzmärkte sind schizophren: Sie verlangen jetzt drastische Maßnahmen zum Abbau des Haushaltsdefizits, aber sobald das geschieht, dürfte die britische Wirtschaft erneut in die Rezession trudeln – und das würde den Märkten auch nicht gefallen. In den Neunzigerjahren haben wir am Beispiel Japans erlebt, dass ein Rückfall in die Rezession und die dann folgenden Gegenmaßnahmen letztlich zu einem noch schlimmeren Defizit führen.

Kann es sein, dass Großbritannien seine Schulden nicht zurückzahlen kann? Die Ratingagenturen haben schon mit Abstufung  gedroht.

Großbritannien steht eigentlich nicht schlechter da als andere. Ich glaube, dass im Grunde alle Regierungen pleite sind. Wir hätten nie in diesen Schlamassel geraten sollen, der auf wirtschaftlichen Blasen und der Illusion von einem falschen Wohlstand beruhte. Die Notenbanken in den USA und Großbritannien sahen tatenlos zu. Nun ist es zu spät. Es gibt keinen Ausweg. Ob man nun auf einen strengen Sparkurs setzt oder nicht, macht eigentlich keinen Unterschied mehr. Denn die Situation ist schon viel zu schlimm. Die Defizite sind zu groß, als dass man sie über fiskalpolitische Gegenmaßnahmen in den Griff bekommen könnte.

Was wird also passieren?

Ich rechne damit, dass wir in zehn Jahren zweistellige Inflationsraten sehen werden. Die Regierungen werden die Notenpresse wieder anwerfen und versuchen, sich langfristig über eine ansteigende Inflation aus der Schuldenkrise zu retten. Für die Politiker ist das die einfachste Option, einfacher jedenfalls als schmerzliche Sparprogramme. Das wahrscheinlichste Szenario ist daher eine Hyperinflation mit Teuerungsraten von bis zu 30 Prozent.

Das klingt bedrohlich.

Ich kann mich noch gut an Großbritannien in den Siebzigerjahren erinnern: Hausaufgaben bei Kerzenschein, die Drei-Tage-Woche...

Was raten Sie Anlegern?

In den nächsten ein bis zwei Jahren sind Staatsanleihen wahrscheinlich noch eine gute Anlage, aber wenn ich eine Zehnjahresperspektive einnehme, sind sie eine Katastrophe – und zwar weltweit. Ich war seit 13 Jahren einer der größten Aktien-Skeptiker, aber jetzt glaube ich, dass sie langfristig einen viel besseren Schutz gegen die Inflationsgefahren bieten als in den Siebzigerjahren. Allerdings sollten die Anleger noch warten, bevor sie einsteigen. Denn noch sind Aktien noch zu teuer – gemessen an dem Preis, den Anleger für die Gewinne der Firmen bezahlen.

Mit Ihren Aussagen ecken Sie bei Regierungen und Notenbanken kräftig an. Wie lange kann sich Ihr Arbeitgeber den Querdenker Albert Edwards noch leisten?

Ich mache diesen Job seit 23 Jahren und hatte Glück, dass meine Arbeitgeber – sowohl Dresdner Kleinwort als auch die Société Géné-rale jetzt – mir immer die Freiheit ließen, meine Ansichten klar kundzutun. Oft dauert es länger als gedacht, bis unsere Prognosen sich bewahrheiten. Es gibt Analysten, die haben häufiger recht, aber nur, weil sie sagen, was alle sagen. Obwohl ich oft danebenlag, wurde mein Team in den letzten vier Jahren in schöner Regelmäßigkeit als bestes Analystenteam in der City ausgezeichnet. Ich denke, Investoren schätzen klare, originelle Aussagen. 

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