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China Chinas Medienmacht und die Auslandspropaganda

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Die Zentrale des Quelle: dpa

Mit ihrer Offensive will Chinas KP aber auch ein Gegengewicht zur Berichterstattung ausländischer Medien über die Heimat bilden. Die sei einseitig negativ, finden viele Chinesen. Nach den ethnischen Unruhen in Tibet im März 2008 hatte es sogar Morddrohungen gegen ausländische Journalisten gegeben. „Ausländische Medien berichten über China viel zu einseitig“, klagt He Xiaoxiao, stellvertretende Chefredakteurin des Magazins „International Communications“ in Peking. Es sei etwa ungerecht, dass westliche Zeitungen den Nationalen Volkskongress als Gremium darstellten, das nur Entscheidungen der Partei abnickt. Mittlerweile, so meint sie, werde im Volkskongress durchaus kontrovers diskutiert.

Druck auf Journalisten

Bei ihrer PR-Offensive greifen die Machthaber in Peking mitunter zu eigenwilligen Mitteln. Hohe Vertreter des Außenministeriums haben zuletzt mehrfach versucht, westliche Diplomaten einzuspannen. Diese sollten Korrespondenten zu positiveren Beiträgen bewegen, so die Aufforderung. Auch beim China-Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Juli ermahnte Premierminister Wen Jiabao die deutschen Medien. 90 Prozent aller Chinesen hätten ein positives Bild von Deutschland, so der Regierungschef, umgekehrt gelte dies aber nur für 50 Prozent aller Deutschen. Die deutschen Medien sollten deshalb auch über die „Lichtseiten“ berichten – etwa den deutsch-chinesischen Jugendaustausch.

Doch bis es so weit ist, will Peking nicht warten – und treibt seine eigene Berichterstattung im Ausland voran. Im Sommer 2009 startete der Staatssender CCTV einen arabischen Kanal, der in 22 Ländern empfangen werden kann. Auch ein spanisches, französisches und russisches Programm haben die Chinesen an den Start geschickt. Im Juli ging der 24-Stunden-Nachrichtenkanal CNC World der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua auf Sendung. Er soll CNN und BBC Paroli bieten. Bislang strahlt Xinhua das englischsprachige Programm zwar nur in Asien aus, ab Oktober soll es über Satellit auch in den USA und Großbritannien zu empfangen sein.

Flankiert wird die mediale Attacke von einer breit angelegten Kulturoffensive. Im Mittelpunkt stehen dabei die Konfuzius-Institute, die mit Sprachkursen, Kulturevents oder Kalligrafieunterricht mehr Sympathie für China wecken sollen. Weltweit betreiben die Chinesen bereits rund 300 offizielle Niederlassungen dieser Art. Vor allem in Deutschland schießen Zweigstellen aus dem Boden, nicht nur in Metropolen wie Berlin, Hamburg, München, Düsseldorf und Frankfurt, sondern auch in kleineren Städten wie Trier, Erlangen, Duisburg, Freiburg und Heidelberg. Peking hat angekündigt, für die Kulturarbeit im Ausland zusätzliche drei Milliarden Dollar bereitzustellen.

Die kulturelle Expansion in Deutschland forciert Peking dabei mit kreativen Methoden. Eigentlich ist die Zahl der Kulturinstitute durch zwischenstaatliche Verträge beschränkt: Deutschland betreibt Goethe-Institute in Peking und Hongkong; die Chinesen haben dafür ein Kulturinstitut in Berlin. Um diese Restriktion zu umgehen, bedient China sich eines Tricks: Die Konfuzius-Institute schlüpfen hierzulande in die Rechtsform eines eingetragenen Vereins und arbeiten mit Universitäten vor Ort zusammen. Damit gelten sie nicht mehr als Kultureinrichtungen im Sinne der deutsch-chinesischen Verträge.

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