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China Chinas Medienmacht und die Auslandspropaganda

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Kanzlerin Merkel und Quelle: dpa

Doch hat Pekings globale Propagandaschlacht angesichts der strengen Zensur und mangelnder internationaler Erfahrung der Medienindustrie überhaupt Aussicht auf Erfolg? Eine Reihe chinesischer Blätter wagte sich in den letzten Jahren durchaus bis an die Grenze des Erlaubten. Unter ihrer charismatischen Chefredakteurin Hu Shuli hat etwa das Wirtschaftsmagazin „Caijing“ immer wieder über Korruption und Wirtschaftskriminalität berichtet. Nach Meinungsverschiedenheiten mit dem Verlag über den Kurs der Zeitschrift hat die Journalistin den Verlag allerdings verlassen. Bei ihrem neuen Arbeitgeber, der Zeitschrift „Century Weekly“, will Hu weiterhin mit investigativen Berichten Leser gewinnen. Reporter der Zeitungen „Southern Metropolis Daily“ und „Southern Weekly“ aus dem südchinesischen Guangzhou berichten darüber hinaus regelmäßig über Gesundheits- oder Umweltskandale.

Strenge Zensurvorschriften

Ein Vertreter der neuen Generation chinesischer Journalisten ist Yang Rui. Der 47-Jährige moderiert beim Staatssender CCTV eine wöchentliche Talkshow. „Wir haben keine Kultur, die zwanglos mit Kritik umgeht“, klagt Yang , „das muss sich ändern.“ Viele seiner Redakteure hätten die Zensur-Schere im Kopf. Gleichzeitig findet der Talkmaster, westliche Medien würdigten Chinas Fortschritte nicht ausreichend. Yang: „Der Westen schaut mit Angst und Neid auf China.“

In der Praxis ist allerdings auch er strengen Zensurvorschriften der KP unterworfen. Jeden Montag verschicken die Behörden ausführliche Anweisungen an sämtliche Medien. Dort listen die Behörden detailliert auf, über welche Themen mit welchem Tenor berichtet werden muss – und welche Themen die Medien komplett auszublenden haben. Bei den jüngsten Streiks in japanischen Fabriken etwa gaben die Behörden nach wenigen Tagen den Befehl, die Berichterstattung herunterzufahren. Auch ausländische Medien werden bisweilen Opfer der chinesischen Zensur. Bringen etwa CNN oder BBC kritische Beiträge zu den ethnischen Konflikten in Tibet oder der Uigurenregion Xinjiang, ist in China der Bildschirm plötzlich schwarz – die Behörden schalten die Sender vorübergehend ab. Tageszeitungen wie die chinesischsprachige Ausgabe der „Global Times“ erfinden auch schon mal Zitate, wenn dies der Richtung eines Beitrags dient. Trotz einiger Fortschritte haben Chinas Medien ein massives Glaubwürdigkeitsproblem.

Dem staatlichen Koloss CCTV laufen aber auch aus anderen Gründen vor allem die jüngeren Zuschauer weg. Musikgalas und Historienschinken, in denen die Helden der Revolution bejubelt werden, gelten als antiquiert. In den Hauptnachrichten des Senders verliest ein stocksteifes Sprecherduo oft minutenlang Beschlüsse des Politbüros. Im Internet haben chinesische Jugendliche darum Kampagnen gestartet mit Titeln wie „Sag Nein zu CCTV, sag Nein zu Gehirnwäsche“.

Chinakenner sehen die Erfolgschancen der globalen Medienoffensive denn auch skeptisch. „Solange die Fragen zur Zensur nicht befriedigend beantwortet sind“, sagt Willy Wo-Lap Lam, Chinaexperte der Jamestown Foundation in Washington, „werden Chinas Staatsmedien kaum ein globales Publikum finden.“

Da helfe auch das viele Geld nicht.

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