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China Die Fabrik der Welt hat sich verändert

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ARCHIV - Das Hinweisschild am Quelle: ZB

„Auch die Kinderarbeit scheint in China wieder auf dem Vormarsch zu sein“, sagt Jan Eggert, Generalsekretär der Foreign Trade Association in Brüssel, einer Organisation, die sich um die Einhaltung von Sozialstandards kümmert. Der deutsche Discountwahn trägt somit zur Verschlechterung der Zustände in chinesischen Fabriken bei.

Aber daneben gibt es auch noch das andere China: Dass geschäftlicher Erfolg und Ausbeutung nicht zwingend zusammengehören, beweist Robin Xiao mit seinem Friseurlieferanten Charm Beauty. Seit kurzem läuft das Geschäft wieder besser. Hatte er 2008, als der Umsatz um 30 Prozent einbrach, noch jeden fünften seiner damals 500 Mitarbeiter entlassen müssen, konnte er in den vergangen Wochen wieder 20 neue Arbeiter einstellen.

Neues Design aus China

Dabei lebt das Unternehmen ausschließlich vom Export. In Amerika, Deutschland, Frankreich und Großbritannien sitzen Xiaos wichtigste Abnehmer. Den chinesischen Heimatmarkt meidet der Unternehmer ganz bewusst. „Die Gefahr, dass meine Produkte hier kopiert werden ist viel zu groß“, sagt Xiao. Nicht nur ausländische Unternehmen haben in China mit Urheberrechtsverletzungen zu kämpfen.

Wer wissen will, warum Charm Beauty der Krise getrotzt hat, muss etwa 9000 Kilometer Richtung Westen reisen, nach Viersen bei Düsseldorf. Dort steuert Godehard Gerhardy die Einkaufsstrategie in China. Gerhardy ist Geschäftsführer bei Europas größtem Friseurausstatter KMS. Wer einen Friseur besucht, sitzt mit großer Wahrscheinlichkeit auf einem Stuhl von KMS. Dazu verkauft das Unternehmen Lockenwickler, Bürsten, Kämme, Haartrockner, auch Färbemittel und Spülungen. Für rund fünf Millionen Euro kaufen die Rheinländer jedes Jahr in China ein.

„Charm Beauty hat schon früh über den Tellerrand hinausgeblickt“, lobt Gerhardy. Die Firma produziere nicht einfach nach Vorgabe aus Deutschland, sondern komme mit eigenen Ideen. Chef Xiao hält sich ein Team aus 15 Designern, die ständig an neuen Entwürfen für neue Friseurstühle oder Waschbecken arbeiten.

Außerdem hat der Chinese schon früh auf hohe Qualitätsstandards gesetzt. Etwa 15 Prozent seiner Beschäftigten arbeiten in der Qualitätssicherung. In einem Teil einer Fabrikhalle stehen mit Gewichten beschwerte Frisierkommoden, daneben senkt sich eine gewaltige Presse auf die Sitzfläche eines Stuhls. Xiao lässt regelmäßig Stichproben nehmen und unterzieht die Möbel Dauertests. Die Investitionen zahlen sich aus: Charms Gewinnmarge lag über die Jahre selten unter acht Prozent.

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