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China Exporte und Importe stark brechen ein

Der Handel in China ist im Januar um zweistellige Beträge abgestürzt. Die Experten hatten zwar mit einem Einbruch gerechnet - die wirklichen Zahlen liegen aber nun zehn Mal höher als die Erwartungen.

An diesen Märkten kracht es
Mit Chinas Aktienmarkt fing alles an: Jahrelang propagierte die Regierung in Peking den Einstieg in Aktien – ganz offiziell in den Staatsmedien. Der kleine Mann sollte an der Börse investieren und den chinesischen Unternehmen zu Kapital verhelfen. Doch mit dem stagnierenden Wirtschaftswachstum kamen Zweifel auf. Die Börsen in Schanghai und Shenzhen brachen innerhalb weniger Wochen drastisch ein. Und das Virus China begann, sich auszubreiten. Quelle: dpa
So zog Chinas Schwäche zum Beispiel auch das deutsche Aktienbarometer nach unten. Viele exportorientierte Dax-Unternehmen, vor allem die Autobauer, haben gelitten. Weil am Donnerstag die USA zusätzlich mit guten Konjunkturdaten aufwarten konnten und die Zinswende damit näher zu rücken scheint, ließ der Leitindex am Freitag weiter Federn. Zum Handelsschluss notierte er gut 300 Punkte tiefer bei 10.124 Punkten. Auf Wochensicht verlor der Dax knapp acht Prozent oder 861 Punkte. Quelle: REUTERS
Die voraussichtlich schlimmste Woche des Jahres für Aktien hat am Freitag auch die Wall Street nicht verschont. Nach enttäuschenden Konjunkturdaten aus China lagen die wichtigsten Indizes in New York zur Eröffnung deutlich im Minus. Der Dow-Jones-Index lag mit 16.815 Punkten ein Prozent im Minus. Der breiter gefasste S&P-500 tendierte mit 2.016 Zählern ebenfalls fast ein Prozent tiefer. Quelle: AP
Nicht nur an den Börsen, auch bei den Währungen ging es zuletzt deutlich bergab. Anfang der Woche gab die chinesische Zentralbank überraschend den Yuan-Wechselkurs frei – woraufhin dieser um mehrere Prozent nach unten rauschte. Auch in den Folgetagen konnte die Regierung den Kurs nur mit Mühe über Devisenverkäufe stabilisieren. Grundsätzlich will Peking daran festhalten, den Referenzkurs für den Wechselkurs nach Angebot und Nachfrage zu bestimmen. Quelle: dpa
Nicht nur der Yuan, auch die Schwellenländerwährungen allgemein haben in dieser Woche stark gelitten. Die türkische Lira, zum Beispiel, erreichte einen historischen Tiefstand nach dem anderen. Der Grund: Investoren ziehen ihr Geld aus den Schwellenländern ab und investieren es eher wieder im Dollar und Euro-Raum. Viele Schwellenländer hängen am Tropf Chinas. Das Vertrauen der Investoren schwindet daher. Quelle: REUTERS
Nach unten ging es diese Woche auch für den Ölpreis. Zuletzt kostete ein Barrel Brent noch 45,90 Dollar, ein Barrell der Sorte WTI noch knapp über 40 Dollar. Experten gehen längst davon aus, dass der Preisverfall weitergeht. Der Grund: Die USA hat durch die Schieferölförderung in nur vier Jahren die eigene Ölproduktion nahezu verdoppelt. Das dadurch steigende Angebot will und kann die Opec auch mittelfristig durch eigene Produktionskürzungen nicht kompensieren. Quelle: dpa
Doch nicht nur der Ölpreis leidet: Auch die Aktien der großen Ölunternehmen Exxon Mobil, Chevron, Royal Dutch Shell und Petrochina sind zuletzt deutlich eingebrochen. Experten warnen Anleger derzeit vor einem Wiedereinstieg. Quelle: dpa

China hat im Januar deutlich weniger exportiert als erwartet. Die Ausfuhren gingen im Vergleich zum Vorjahresmonat um 11,2 Prozent zurück, wie die Zollverwaltung am Montag mitteilte. Die Importe brachen um 18,8 Prozent ein, nachdem er im Vormonat um 7,6 Prozent zurückgegangen war. Der Außenhandelsüberschuss belief sich auf 63,30 Milliarden Dollar. Analysten hatten im Schnitt mit einem Rückgang bei den Exporten um 1,9 Prozent und bei den Importen um 0,8 Prozent gerechnet.

Wie die Zahlen der Zollbehörde zeigten, sank der Export somit auf umgerechnet 177,5 Milliarden Dollar (rund 158 Milliarden Euro). Der Import schrumpfte sogar auf 114,2 Milliarden Dollar (rund 101 Milliarden Euro).

Die nächsten 15 Giganten aus China

Die Zahlen sind ein neues Zeichen für die Schwäche der zweitgrößten Volkswirtschaft der Erde. Die Exportzahlen spiegeln eine schwächere Nachfrage für Lieferungen von Produktionsgütern wider, während die globale Erholung der Wirtschaft weiterhin stolpernd vorangeht.

Ökonomen warten mit ihren Analysen zur Wirtschaftssituation in China zu Beginn des Jahres allerdings meist solange, bis Zahlen für den Februar erhältlich sind. Der Grund hierfür ist der Zeitpunkt des chinesischen Neujahrsfestes, der die Daten zum Jahresanfang verzerren kann.

Die Daten dürften trotzdem die Sorgen um eine weitere Konjunkturabkühlung in der Volksrepublik schüren. Die exportlastige Wirtschaft Chinas ist 2015 so schwach gewachsen wie seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr.

Trotz schwacher Daten deutliche Erholung an Asiens Börsen

An den Börsen zeichnete sich trotz der enttäuschenden Ergebnisse nach der Börsentalfahrt in der vergangenen Woche eine Erholung ab. Der Nikkei-Index stieg 7,2 Prozent höher auf rund 16.023 Punkten, nachdem er in der abgelaufenen Woche noch elf Prozent eingebüßt hatte. "Heute geht es allein um eine technische Erholung", sagte Takuya Takahashi vom Wertpapierhandelshaus Daiwa Securities. Investoren ignorierten Daten zum japanischen Bruttoinlandsprodukt, das im Schlussquartal 2015 stärker schrumpfte als erwartet.

Für gute Stimmung sorgte, dass die Wall Street am Freitagabend dank steigender Finanzwerte deutlich höher geschlossen hatte. Daher legten zum Wochenstart auch zahlreiche andere Börsen in Fernost kräftig zu. Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans notierte 2,3 Prozent fester.

Anders sah es an den Märkten in Shanghai und Shenzhen aus, die jeweils 0,6 Prozent schwächer schlossen. Da sie vergangene Woche wegen der chinesischen Neujahrsfeiern geschlossen waren, hatten die Anleger hier nun noch die jüngsten Turbulenzen zu verdauen. Zudem sorgten chinesische Konjunkturdaten für einen Dämpfer. So gingen im Januar sowohl die Aus- wie die Einfuhren deutlich zurück.

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Kursstützend hingegen wirkte, dass die chinesische Zentralbank den Mittelwert des Yuan um 0,3 Prozent höher festsetzte. In einem am Wochenende veröffentlichten Interview hatte der Notenbankchef gesagt, man dürfe nicht zulassen, das Spekulanten die Stimmung am Markt bestimmen.

Die Ölpreise. US-Leichtöl kostete mit 29,27 Dollar je Barrel 0,6 Prozent weniger. Der Preis für die Nordseesorte Brent gab 0,4 Prozent nach auf 33,24 Dollar.

Am Devisenmarkt profitierte der Dollar von US-Konjunkturdaten, die auf ein Anziehen des Konsums hindeuteten. Ein Euro kostete 1,1215 Dollar nach 1,1253 Dollar am späten Freitagabend.

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