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ChinaQin Gang: Ein Verschwundener von vielen

Der abgesetzte chinesische Außenminister Qin Gang ist seit über einem Monat nicht mehr gesehen worden. Damit reiht er sich ein in eine lange Liste chinesischer Politiker, Unternehmer und Prominenter.Jörn Petring 26.07.2023 - 14:28 Uhr

Peng Shaui, Jack Ma, Qin Gang, Guo Guangcheng, Fang Bin, Meng Hongwei

Foto: imago images, REUTERS, AP, , Getty Images, Illustration: Marcel Reyle

Auch einen Tag nach der spektakulären Entmachtung des chinesischen Außenministers Qin Gang gibt es noch immer keine offizielle Erklärung, was mit dem chinesischen Diplomaten geschehen ist.

Bei der täglichen Pressekonferenz des Pekinger Außenministeriums sagte eine Sprecherin am Mittwoch erneut, sie habe „keine Informationen“ zu dem Fall.

Seit mehr als vier Wochen schweigt die Führung über das Schicksal des 57-Jährigen, der zuletzt am 25. Juni gesehen wurde.

Klar ist seit Dienstag nur, dass Qin Gang seines Amtes enthoben wurde. Sein Vorgänger Wang Yi wurde vom Ständigen Ausschuss des Volkskongresses erneut zum Außenminister bestimmt. Doch wo ist Qin Gang?

Ist der nun Ex-Minister krank? Hat er eine außereheliche Affäre? Wird wegen Korruption gegen ihn ermittelt? Gibt es gar einen Machtkampf an der Spitze? Die Gerüchteküche brodelt seit einem Monat, doch Peking denkt nicht daran, für Aufklärung zu sorgen, obwohl der Fall des Außenministers dem internationalen Ansehen Chinas schadet.

Qin Gang

Foto: REUTERS, imago images, Getty Images, Illustration: Marcel Reyle

Das Drama um Qin Gang ist natürlich besonders, weil es sich auf höchster politischer Ebene, ganz nah am Zentrum der Macht, abspielt. Doch der Außenminister ist keineswegs der erste prominente Chinese, der plötzlich von der Bildfläche verschwunden ist.

Einer der bekanntesten Fälle der vergangenen Jahre ist der ehemalige chinesische Interpol-Chef Meng Hongwei, der 2018 während einer China-Reise verschwand. Zwei Jahre später verurteilte ihn ein chinesisches Gericht wegen der Annahme von Bestechungsgeldern zu 13 Jahren Haft. Die letzte Nachricht an seine Frau, bevor der Kontakt abbrach, war ein Messer-Emoji. Schon damals kostete der Fall China weltweit Ansehen. Peinlich für die Chinesen war, dass sie ihren ersten eigenen Interpol-Chef zurückpfeifen mussten.

Meng Hongwei

Foto: imago images, Getty Images, Illustration: Marcel Reyle

Alles andere als mit Ruhm bekleckerte sich Peking zuletzt auch mit der chinesischen Tennisspielerin Peng Shuai. Sie hatte im November 2021 im sozialen Netzwerk Weibo einen hochrangigen chinesischen Politiker des sexuellen Missbrauchs beschuldigt. Der Post wurde kurze Zeit später gelöscht. Peng bestritt später, die Vorwürfe erhoben zu haben. Die staatliche Zensur hatte jede Debatte darüber im chinesischen Internet geblockt.

Danach wurde auch Peng wochenlang nicht mehr gesehen. Ihre Rückkehr in die Öffentlichkeit wurde dann von den staatlichen Medien inszeniert. Zunächst tauchte ein Video auf, in dem sie beteuerte, es gehe ihr gut. Später wurden Bilder von einem Jugendtennisturnier veröffentlicht, das von Peng besucht wurde.

Peng Shaui

Foto: imago images, Getty Images, Illustration: Marcel Reyle

Weniger Glück haben viele chinesische Menschenrechtsaktivisten und Blogger. Wenn sie verschwinden, tauchen sie oft erst wieder auf, wenn bekannt wird, dass Ermittlungen eingeleitet wurden. Dann folgen in der Regel lange Haftstrafen.

So erging es auch Fang Bin. Nach drei Jahren Haft wurde der chinesische Blogger im Mai freigelassen. Er hatte nie ein Verbrechen begangen. Der Bürgerjournalist war im Februar 2020 festgenommen worden, nachdem er Videos von Leichensäcken und überfüllten Krankenhäusern in der zentralchinesischen Metropole Wuhan ins Internet gestellt hatte. Damit war er einer der ersten, der über die katastrophalen Zustände in der Stadt kurz nach Ausbruch der Pandemie berichtete. Seine dramatischen Videos vermittelten der Welt einen ersten Eindruck von der Schwere der Viruserkrankung.

Fang Bin

Foto: imago images, , Getty Images, Illustration: Marcel Reyle

Wie sich immer wieder zeigt, sind auch die Superreichen vor dem Zorn Pekings nicht sicher. Der Fall des Internet-Milliardärs Jack Ma, der vor zwei Jahren selbst für einige Zeit untertauchte, weil er der chinesischen Führung zu forsch entgegengetreten war, ist bei weitem nicht der spektakulärste.

Jack Ma

Foto: imago images, REUTERS, Getty Images, Illustration: Marcel Reyle

2015 hatte beispielsweise das Verschwinden des Milliardärs Guo Guangchang für Aufsehen gesorgt. Nutzer sozialer Netzwerke hatten damals beobachtet, wie er am Flughafen von Shanghai von Polizisten abgeführt wurde. Erst Tage später tauchte er wieder auf. Seine Investmentgruppe Fosun erklärte damals, der Milliardär habe die Polizei bei den Ermittlungen unterstützt.

Guo Guangcheng

Foto: imago images, Getty Images, Illustration: Marcel Reyle

Zwei Jahre später verschwand der Investmentmanager Xiao Jianhua. Er wurde aus dem Hongkonger Four Season Hotel entführt und von dort aufs chinesische Festland gebracht. Aufgrund von Veruntreuungsvorwürfen gingen Teile von Xiaos Tomorrow Group in staatliche Hände über.

Im März 2020 verschwand auch der Immobilienunternehmer Ren Zhiqiang, nachdem er den chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping einen „Clown“ genannt hatte. Ren wurde später zu 18 Jahren Gefängnis verurteilt.

Noch unklar ist das Schicksal des bekannten Investmentbankers Bao Fan. Es handelt sich noch um einen ganz frischen Fall. Auch Bao war im Februar plötzlich verschwunden. Seine an der Hongkonger Börse notierte Firma China Renaissance musste mitteilen, dass sie ihn nicht erreichen könne.

Später berichteten chinesische Staatsmedien, dass er von der Zentralen Disziplinarkommission der Kommunistischen Partei festgehalten werde. Bis heute ist er nicht wieder aufgetaucht.

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