China Schwächstes Wachstum seit 24 Jahren

Erstmals seit Ende der Neunzigerjahre verfehlt China ein Jahresziel: Das BIP stieg 2014 um 7,4 Prozent. Damit ist die Wirtschaft so langsam gewachsen wie seit mehr als zwei Jahrzehnten nicht mehr.

Chinesische Näherinnen bei der Arbeit. Das Wirtschaftswachstum in China hat sich verlangsamt. Quelle: REUTERS

Chinas Wirtschaft ist 2014 so langsam gewachsen wie seit 24 Jahren nicht mehr. Der Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts (BIP) schwächte sich auf 7,4 Prozent ab von 7,7 Prozent im Jahr zuvor, wie das Statistikamt in Peking am Dienstag mitteilte. Damit verfehlte die Regierung erstmals seit 1999 ihr Jahresziel knapp. Sie hatte ein Plus von 7,5 Prozent angepeilt.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) senkte zugleich seine Prognose für dieses Jahr und rechnet mit einer weiteren Abkühlung auf 6,8 Prozent. Experten erwarten nun weitere Konjunkturhilfen. Dem Exportweltmeister macht die globale Wirtschaftsflaute zu schaffen. Zudem leidet die zweitgrößte Volkswirtschaft der Erde unter einer schwächelnden Binnennachfrage, Überkapazitäten in der Industrie und einem sich abkühlenden Immobilienmarkt.

Zehn interessante Fakten über China
Täglicher Griff zur ZigaretteUngesunder Rekord: In jeder Sekunde werden 50.000 Zigaretten in China angezündet. Das berichtet die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Die Zahl der Raucher ist in den vergangenen Jahren immer weiter gestiegen. Inzwischen zünden sich 66 Prozent der männlichen Chinesen täglich mindestens eine Zigarette an. Bei den Frauen raucht nur jede Zwanzigste täglich. Quelle: rtr
Künstliche TannenbäumeKlar, China ist ein großes Land. Fast jeder fünfte Mensch lebt in dem Riesenreich, China ist die zweitgrößte Volkswirtschaft der Erde. Doch in einigen Statistiken liegt das Land überproportional weit vorne. So ist das Riesenreich nicht nur der größte Textilproduzent, sondern auch weltweit führend in der Herstellung von künstlichen Tannenbäumen. 85 Prozent alle unechten Tannenbäume – so National Geographic – stammen aus China. Texte: Tim Rahmann Quelle: dpa
SchweinereichIn China leben nicht nur die meisten Menschen, sondern auch die meisten Schweine. 446,4 Millionen Eber und Säue lebten 2008 im Reich der Mitte, so die UN. Damit leben dort mehr Schweine als in den 43 nächst größten Ländern, gemessen an der Zahl der Tiere, zusammen. Zum Vergleich: In Deutschland werden aktuell rund 26,7 Millionen Schweine gehalten. Quelle: dpa
Geisterstädte im ganzen LandIn China wurde in den letzten Jahren massiv gebaut – auch in ländlichen Gegenden. Doch die Landflucht ließ vielerorts Geisterstädte entstehen. Mehr als 64 Millionen Wohneinheiten stehen im ganzen Land leer. Auch das größte Einkaufszentrum der Welt, … Quelle: dpa
McDonald’s allein auf weiter Flur… die "New South China Mall", hat reichlich Gewerbeflächen zu vermieten. 1500 Geschäfte finden dort Platz, 70.000 Käufer sollten täglich nach Dongguan pilgern. Doch die Realität sieht anders aus: 99 Prozent der Flächen sind unbenutzt, berichtete die britische Zeitung "Daily Mail". Nur ein paar Restaurants befinden sich in dem Gebäude, unter anderem Mc Donald’s. Quelle: AP
Bauboom geht weiterDennoch bauen die Chinesen fleißig weiter. Die Folge: Kein Land verbaut mehr Zement als China. 53 Prozent der weltweiten Nachfrage stammt aus dem Reich der Mitte, so Michael Pettis, China-Experte und Ökonom der Peking-Universität. Quelle: dpa
Barbie ist zu sexyWenn in China gerade nicht gebaut wird, werden in den zahlreichen Fabriken Güter produziert. Neben Textilien vor allem Spielwaren. Rennautos, Barbie-Puppen und Kuscheltiere: Fast 80 Prozent der deutschen Spielwaren stammen aus China. Vor Ort selbst sind Barbie-Puppen übrigens kein Verkaufsschlager. Für die Chinesen ist die kurvige Blondine zu sexy. Dort verkaufen sich vor allem niedliche Puppen. Quelle: AP
Rasantes WachstumChina hat Japan 2010 als zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt abgelöst. Sein Bruttoinlandsprodukt beträgt 2011 fast 7,3 Billionen US-Dollar, das sind etwa 5.417 Dollar pro Chinese. Die Chinesen sind damit heute etwa viermal so reich wie vor zehn Jahren. Die Wachstumsraten, die vor 2007 jahrelang weit über 10 Prozent lagen, haben sich etwas abgeschwächt, blieben aber auch in den Krisenjahren der Weltwirtschaft beeindruckend. 2011 waren es 9,24 Prozent. Für das laufende Jahr erwartet der Internationale Währungsfonds 7,83 Prozent. Quelle: AP
Alles unter KontrolleWer in chinesische Firmen investiert, investiert in der Regel auch in den chinesischen Staat. Denn die meisten großen chinesischen Aktienunternehmen sind staatlich kontrolliert. Dazu zählen etwa der größte einheimische Ölkonzern PetroChina und die Bank of China. Auch das Management der Konzerne ist mit der politischen Führung eng verwoben. Wirklich privat geführte Unternehmen haben es oft schwer, da die Staatsunternehmen privilegiert werden. Quelle: rtr
Millionen ChristenChristen haben es in dem traditionell konfuzianistisch geprägten und seit 1949 kommunistisch - also atheistisch - regierten Land schwer. Offiziell sind es - Stand 2008 - etwa 19 Millionen. Tatsächlich dürften es aber sehr viel mehr sein und mit wachsender Tendenz. Manche Autoren schätzen bis zu 80 Millionen. Erstaunlich ist der Zulauf vor allem angesichts des Verbotes jeglicher Missionierung nach der kommunistischen Machtübernahme und der brutalen Christenverfolgung im Rahmen der Kulturrevolution in den 1960er Jahren. Quelle: AP

Im vierten Quartal zeichnete sich allerdings eine gewisse Stabilisierung ab. Die Wirtschaft wuchs mit 7,3 Prozent etwas stärker als von Experten mit 7,2 Prozent erwartet. Sie hielt damit das Niveau des dritten Quartals und der letzten drei Monate 2013, als sie jeweils auch das schwächste Quartalswachstum seit Anfang 2009 verzeichnete. Zudem stiegen Industrieproduktion und Einzelhandelsumsätze im Dezember mit 7,9 beziehungsweise 11,9 etwas stärker als gedacht.

Xi will Chinas Binnenkonsum stärken

Die Statistikbehörde räumte ein, dass die Wirtschaft Schwierigkeiten habe. Das Wachstum werde aber in einem vernünftigen Rahmen bleiben. Präsident Xi Jinping betonte wiederholt, dass er die Wirtschaft nach Jahren des Booms umbauen wolle: Er setzt dabei auf eine Stärkung des Binnenkonsums und will Ausfuhren und Einfuhren ausgewogener sowie die Wirtschaft insgesamt umweltschonender gestalten.

Dies bedeutet nach Ansicht von Regierungsberatern allerdings auch einen Abschied von den hohen Wachstumsraten der Vergangenheit, die über Jahre zweistellig waren. Bei dem für europäische Verhältnisse immer noch utopisch anmutenden Wachstum hat die Regierung vor allem im Auge, das Milliardenvolk ausreichend mit Arbeitsplätzen zu versorgen und soziale Unruhen zu vermeiden.

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Experten rechnen damit, dass die kommunistische Führung nun ihr Wachstumsziel für 2015 auf rund sieben Prozent herabsetzt, aber auch zu neuen Konjunkturhilfen greift, zumal sich Staatsvertreter zuletzt zunehmend unzufrieden mit dem Verlauf des zweiten Halbjahres gezeigt haben. Dies führte bereits dazu, dass die Zentralbank im November überraschend erstmals seit mehr als zwei Jahren die Zinsen senkte. Mit weiteren Zinssenkungen und Hilfen für die Banken zur Ankurbelung der Kreditvergabe an die Unternehmen wird gerechnet.

Trotz der Konjunkturabkühlung lobte der IWF den Umbau der chinesischen Wirtschaft. Es sei zu begrüßen, dass China seine Wirtschaft ausgewogener gestalten wolle. Dies spiegele sich allerdings in einer Abschwächung der Konjunktur wider, die sich vor allem auf die asiatischen Handelspartner auswirken werde.

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