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China verkauft Dollar-Anleihen Kapital flieht aus China

China hat seine immensen Fremdwährungsreserven massiv abgebaut, um den Renminbi zu stützen. Das hat Folgen: Es erhöht die Renditen von US-Staatsanleihen und die Gefahr einer Deflation.

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Die Aufwertung der chinesischen Währung. Quelle: dpa

Den Grundstein für Chinas Aufstieg gelegt haben die Wirtschaftsreformen von Deng Xiaoping Ende der Siebzigerjahre, also etwa Privatisierungen, Liberalisierungen oder Deregulierungen. Die Reformen haben dazu geführt, dass sich das Wirtschaftswachstum beschleunigt. Das wiederum hat ausländisches Kapital angezogen und für Aufwertungsdruck auf die chinesische Währung gesorgt. Um die Exportwirtschaft zu stützen, hat sich die People’s Bank of China gegen diese Aufwertung gestemmt. Sie hat permanent inländisches Geld gedruckt und dafür Fremdwährungen gekauft. Das führte zur Schöpfung von Liquidität im heimischen Banken- und Kreditsystem und hat den Konjunkturboom noch befeuert. Bis Mitte 2014 hatte China 3993 Milliarden Dollar Währungsreserven aufgebaut.

Jetzt ist der Boom vorbei, in China sind keine großen Renditen mehr zu holen, die Immobilienmärkte in den Metropolen sind überhitzt, den Anlegern an den Festlandbörsen steckt der Crash von 2015 noch in den Knochen, Kapital will das Land verlassen.

Devisenschwund in China und Dollar in Yuan

Chinesen hatten zudem viele Kredite in Dollar aufgenommen, weil die Zinsen im Dollar-Raum niedriger waren als in Renminbi, offiziell mindestens 1000 Milliarden Dollar. Weil der Dollar aufwertet, verteuern sich diese Kredite. Deshalb fließen jetzt Gelder aus dem Renminbi in den Dollar und die chinesische Währung gerät unter Abwertungsdruck. Damit die Abwertung nicht aus dem Ruder läuft und sich dadurch die Kapitalflucht nicht weiter verstärkt, hat Peking vor zwei Jahren damit begonnen, Teile seiner Währungsreserven zu verkaufen. Um den rasanten Aderlass der Reserven zu stoppen, ließ Peking Mitte 2015 eine gewisse Abwertung zu. Doch offenbar ist die Kapitalflucht so groß, dass weiter massiv interveniert muss. Insgesamt sind Währungsreserven geschrumpft auf aktuell 3052 Milliarden Dollar.

Verkauft werden aber nicht Münzen oder Banknoten, sondern vor allem Fremdwährungsanleihen. Der liquideste Teil der chinesischen Währungsreserven steckt in US-Staatsanleihen. Zuletzt gemeldet wurde für Ende September ein Volumen von 1157 Milliarden Dollar, in der Spitze waren es 1317 Milliarden Dollar.

Wenn China in großem Stil verkauft, dann könnte das die US-Renditen tendenziell weiter nach oben schieben. Das wirkte wie eine quantitative Straffung.

Für die Weltwirtschaft bedeutet eine Abwertung der chinesischen Währung einen preisdrückenden Effekt für handelbare Güter. China ist der größte Exporteur der Welt. Keine gute Nachrichten, gerade für Volkswirtschaften, deren Produkte mit denen Chinas konkurrieren. So gesehen könnte immer noch Deflation und noch nicht Inflation die größere Bedrohung für die Weltwirtschaft sein.

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