China Wie ein Detektiv vom Jäger zum Gejagten wurde

Jahrelang deckte Detektiv Peter Humphrey im Auftrag internationaler Firmen in China Korruption und Veruntreuung auf. Dann nahm er die falschen Leute ins Visier.

Korruption und Veruntreuung in China Quelle: Chris Gloag für WirtschaftsWoche, imago, Montage

Anfang 2013 erhält Mark Reilly, Chinachef des britischen Pharmaunternehmens GlaxoSmithKline, ein paar unangenehme E-Mails. Die Absender drohen ihm, Dokumente zu Bestechungspraktiken zu veröffentlichen. Auch ein Beweisvideo privater Verfehlungen liege ihnen vor. Viele vermuten hinter den E-Mails eine ehemalige Glaxo-Mitarbeiterin, die bis Dezember 2012 für „Beziehungen zur Regierung“ zuständig war. Mit der Drohung, die Dokumente anderenfalls zu veröffentlichen, soll sie von Reilly eine hohe Summe verlangt haben.

Reilly sieht sich als Opfer einer Kampagne. Er wendet sich an den Detektiv und Ermittler Peter Humphrey. Humphrey und seine Frau haben sich mit ihrer Firma ChinaWhys seit Jahren darauf spezialisiert, Korruption und Veruntreuung in China aufzudecken. Zu ihren Kunden zählen namhafte internationale Firmen, auch viele deutsche. Er soll belastendes Material über die Erpresserin finden.

So benehmen Sie sich in China richtig

Von hier an könnte die Geschichte einen erwartbaren Verlauf nehmen: Humphrey wäre der Erpresserin auf die Spur gekommen, hätte den Manager aus der Schusslinie gebracht, sein Honorar bekommen. Die Erpresserin wäre angeklagt worden, vielleicht hätten die Beteiligten auch Stillschweigen vereinbart.

Stattdessen wird Humphrey wenig später selbst festgenommen, angeklagt und für zwei Jahre in Shanghai ins Gefängnis gesperrt. Erst am 17. Juni dieses Jahres kommt er frei – und erzählt seine Geschichte.

WirtschaftsWoche: Herr Humphrey, Sie sind gerade aus der Haft entlassen, wohnen nun in einem Haus in Südengland. Warum wurden Sie überhaupt von den chinesischen Behörden inhaftiert?

Momentan kann ich keine Namen von Personen oder Unternehmen nennen. Aber: Ein europäischer Großkonzern beauftragte uns, eine Schmutzkampagne zu untersuchen. Der Chinachef des Unternehmens wurde erpresst. Jemand verlangte viel Geld, sonst würde er die Korruptionspraktiken dieses Unternehmens veröffentlichen. Die Vorgesetzten des Chinachefs wollten wissen, wer dahintersteckt.

Was geschah dann?

Wir konnten herausfinden, dass diese erpresserische Person selbst Dreck am Stecken hat. Wir schrieben einen Bericht und händigten ihn dem Chinachef des Unternehmens aus.

Obwohl über den Fall öffentlich berichtet wurde, nimmt Humphrey den Namen GlaxoSmithKline (GSK) nicht in den Mund, wohl auch, um eine spätere außergerichtliche Einigung mit dem Konzern nicht zu gefährden.

Kurz nachdem er und seine Frau im Sommer 2013 ihren Bericht abgegeben haben, durchsuchen chinesische Behörden die Büros von GSK. Der Konzern hatte über Jahre chinesische Ärzte und Krankenhäuser mit Geld und Geschenken dazu animiert, seine Medikamente zu verschreiben. Es flossen Bestechungsgelder in dreistelliger Millionenhöhe. GSK wird im September 2014 zu einer Strafe von drei Milliarden Yuan verurteilt, rund 430 Millionen Euro. Chinachef Mark Reilly erhält eine Bewährungsstrafe von drei Jahren.

Anstatt aber das Verfahren damit abzuschließen und dem Rechercheur im Stillen zu danken, erheben Shanghais Behörden Anklage gegen Humphreys Firma ChinaWhys. Der Vorwurf: illegaler Datenhandel.

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