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China Zentralbank wertet Yuan erneut ab

Die chinesische Zentralbank hat die Landeswährung am Mittwoch erneut auf Talfahrt geschickt. Der Yuan fiel auf ein Vierjahrestief. Die asiatischen Börsen rutschen ins Minus, der DAX stürzt ab.

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Chinas Zentralbank hat den Yuan mit einem erneuten Eingreifen auf Talfahrt geschickt Quelle: REUTERS

Chinas Zentralbank hat den Yuan (Renminbi) mit einem erneuten Eingriff noch weiter auf Talfahrt geschickt. Analysten sind der Ansicht, dass ein schwächerer Yuan vor allem der Exportindustrie des Landes helfen wird. Die Ausfuhren Chinas waren im Juli um 8,3 Prozent im Vergleich zum Juli des Vorjahres eingebrochen.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) nannte die Abwertung des Yuan einen „willkommenen Schritt“, weil der Markt eine größere Bedeutung bei der Bestimmung des Wechselkurses erhalte. Auch die EU-Kommission in Brüssel sprach nach dem überraschenden Politikwechsel der chinesischen Zentralbank von einer „positiven Entwicklung“.

Unklarheit herrscht nun darüber, ob noch weitere Abwertungsschritte folgen. Die Zentralbank schrieb zwar am Mittwoch in einer Stellungnahme: „Momentan gibt es keine Basis dafür, die Abwertung des Wechselkurses fortzusetzen.“ Allerdings hatten die Geldwächter schon bei der Intervention am Vortag betont, dass es sich um eine „einmalige Maßnahme“ handele.

Die Bank setzte am Mittwoch den Referenzkurs auf 6,3306 Yuan je US-Dollar fest - ein Abschlag für die chinesische Währung von weiteren 1,6 Prozent im Vergleich zum Vortag. Bereits am Dienstag hatte die Bank den Referenzkurs um 1,9 Prozent gesenkt und damit den Yuan im Verhältnis zum Dollar auf den niedrigsten Stand seit drei Jahren geschickt.

Die fünf großen Gefahren für Chinas Wirtschaftswachstum

Die Sorgen um die Geschäfte der deutschen Wirtschaft mit China haben den Dax auch am Mittwoch schwer belastet. Zwischenzeitlich fiel der deutsche Leitindex sogar unter die markante Schwelle von 11 000 Punkten. Am Mittag notierte er noch 2,31 Prozent im Minus bei 11 032,27 Punkten und verlor damit fast so stark wie am Vortag. Auch an anderen Weltbörsen ging es bergab.

Die Reaktionen an der Börse

Für den MDax der mittelgroßen Werte ging es um weitere 2,63 Prozent auf 20 279,36 Punkte nach unten und der Technologiewerte-Index TecDax verlor 2,19 Prozent auf 1720,18 Punkte. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 fiel um 2,57 Prozent auf 3512,65 Punkte zurück.

Nach der erneuten Abwertung der chinesischen Währung Yuan rutschten die asiatischen Börsen am Mittwoch durchweg ins Minus gerutscht. Die Talfahrt des Yuan zusammen mit einer enttäuschenden Industrieproduktion im Juli schürten die Sorgen um den Zustand der chinesischen Wirtschaft. Der Sammelindex Stoxx 600 Asia/Pacific sank um 1,84 Prozent auf 169,71 Punkte und baute damit seine Vortagesverluste aus. Ein schwächerer Yuan macht chinesische Produkte im Ausland wettbewerbsfähiger, verteuert umgekehrt aber ausländische Produkte für chinesische Käufer.

Der CSI-300-Index mit den 300 wichtigsten Unternehmen vom chinesischen Festland gab bis zum Handelsschluss um 1,24 Prozent auf 4016,11 Punkte nach. In Shanghai sank der Leitindex um 1,06 Prozent auf 3886,32 Punkte.

An der Börse in Hongkong, an der auch ausländische Anleger ohne Beschränkungen handeln können, ziehen sich die Investoren nach Angaben eines Marktteilnehmers zurück. Wegen der Yuan-Abwertung würden auch Aktien und Anleihen in dieser Währung immer stärker an Attraktivität verlieren, sagte ein Börsianer. Der Hang-Seng-Index notierte zuletzt bei minus 2,40 Prozent auf 23 911,46 Punkten.

Vor allem die Aktien von Fluggesellschaften gaben stark nach. China Southern Airlines teilten mit, dass jede Abwertung des Yuan um 1 Prozent den Jahresgewinn um umgerechnet 122 Millionen US-Dollar belaste. Die Fluggesellschaft muss Schulden in Dollar begleichen.

Der Nikkei-225-Index in Tokio baute seine Vortagsverluste ebenfalls weiter aus und ging mit einem Minus von 1,58 Prozent auf 20 392,77 Punkten aus dem Handel. Die erneute Yuan-Abwertung drückte vor allem die Kurse von Unternehmen nach unten, die Geschäfte mit China machen.

Der australische Leitindex ASX 200 schloss mit einem Minus von 1,67 Prozent auf 5382,08 Punkte. Der Australische Dollar sackte im Kielwasser der Yuan-Abwertung auf ein Sechsjahrestief ab. Für den indischen Sensex-Index ging es zuletzt um 0,43 Prozent auf 27 7745,99 Punkte nach unten.

Noch immer wird der Yuan längst nicht so frei wie andere Währungen gehandelt, weshalb der täglich neu festgelegte Mittelwert von großer Bedeutung ist. Die Zentralbank hatte am Dienstag angekündet, den Mechanismus ändern zu wollen, mit dem der tägliche Referenzkurs des Yuan festgelegt wird. Ausgehend von diesem Fixpunkt lässt die Zentralbank Handelsschwankungen von zwei Prozent nach oben und unten zu. Während das Institut den Referenzkurs bislang selbst festlegte, soll sich der Kurs künftig am Schlussstand des Vortrages orientieren. Der Einfluss der Marktkräfte soll also gestärkt werden.

Peking hofft mit dem Schritt, seine Chancen auf eine Aufnahme in einen Korb von internationalen Reservewährungen des IWF zu verbessern. Darin sind bisher der US-Dollar, der Euro, das britische Pfund und der japanische Yen enthalten.

Fast im Gleichschritt mit dem starken US-Dollar hatte der Yuan in den vergangenen zwölf Monaten im Vergleich zu vielen internationalen Währungen kräftig an Wert gewonnen. Zum Euro war der Yuan innerhalb eines Jahres um knapp 20 Prozent gestiegen.

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