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Chinesischer Wirtschaftsexperte Qin Hui "Alles ist möglich"

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Wie kann Peking also im Einzelnen die Binnennachfrage ankurbeln, worauf ja die ganze Welt hofft?

Da gibt es viele Ansatzpunkte. Wir können Schritt für Schritt die sozialen Dienstleistungen erhöhen: Die Renten, die Krankenversicherung, die Arbeitslosenversicherung. Ein Beispiel: Bis vor der Krise hat die Regierung nicht zugegeben, dass es Arbeitslosigkeit unter Wanderarbeitern gibt. Die Einstellung war: Wenn wir euch brauchen, kommt ihr. Wenn wir euch nicht brauchen, dann geht ihr eben aufs Land zurück. Jetzt räumt die Regierung ein, dass es das Problem der Arbeitslosigkeit bei Wanderarbeitern gibt. Dann kann man auch darauf reagieren mit einer Arbeitslosenversicherung. Solche Ansätze können die Binnennachfrage stützen.

Derzeit verlassen sich die Chinesen nicht darauf, dass der Staat für sie sorgt,  und sparen lieber selbst.

Auch dort braucht das Volk mehr Freiheit, bei Finanzdienstleistungen. In den USA war diese Freiheit zu groß, in China ist sie viel zu gering. Auf dem Land gibt es fast überhaupt keine Finanzdienstleistungen. In den USA gab es Exzesse, weil bei Finanzdienstleistungen alles möglich ist. In China gibt es Exzesse, weil bei Finanzdienstleistungen überhaupt nichts möglich ist.

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    Chinesische Sparer können ihr Geld nur zur Bank tragen, oder die geringe Zahl chinesischer Aktien kaufen, Auslandsinvestitionen sind nicht erlaubt. Bei der sozialen Absicherung hoffen westliche Beobachter auf Pekings Pläne für ein Krankenversicherungssystem. Was halten sie von den Bemühungen?

    Die Pläne für eine Krankenversicherung sind noch ganz am Anfang. Es ist zu früh um zu beurteilen, ob sie Erfolg haben werden oder nicht. Derzeit diskutieren darüber noch die unterschiedlichsten Behörden – ob ein Krankenversicherungssystem kommt, steht noch nicht fest.

    Um die Folgen der Finanzkrise zu bekämpfen, hat der Staat in China noch mehr investiert als ohnehin schon, vor allem in Infrastruktur. Das alte Entwicklungsmodell auf Basis staatlicher Investitionen hat das noch gestärkt. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass China dennoch jetzt sein Wirtschaftsmodell ändert und stärker auf die Binnennachfrage setzt?

    Alles ist möglich. Ich halte nichts davon, über die Wahrscheinlichkeit zu diskutieren. Es kommt darauf an, dass wir es tun.

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