WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Chiphersteller Ex-Infineon-Chef in Shanghai willkommen

Seite 3/3

Grace Semiconductor im Vergleich zum Wettbewerb Quelle: Bloomberg, eigene Recherche

„Die Chipproduktion liegt traditionell in der Nähe der Entwicklungsabteilungen der Elektronikkonzerne“, erklärt BCG-Experte Nettesheim, „und die sitzen in der Mehrzahl immer noch nicht in China.“ Im Vergleich mit den Konkurrenten in Taiwan, Südkorea und Japan haben die Chinesen aber einen Kostenvorteil. Grace kann für ein Drittel der Kosten der ausländischen Wettbewerber produzieren. Und den Vorteil will Schumacher künftig bei der Auftragsfertigung ausspielen: Anstatt selbst die Speicherchips zu entwickeln und zu vermarkten, soll sich der chinesische Halbleiterhersteller auf die Fertigung für internationale Elektronikkonzerne konzentrieren. Damit will Schumacher Grace gemessen an der Profitabilität langfristig zum erfolgreichsten Halbleiterhersteller nach dem taiwanischen Konkurrenten TSMC machen.

Schumacher ist auch zuversichtlich, dass er nicht wie so viele westliche Manager an den intransparenten Entscheidungsstrukturen in China und den ständigen Einmischungen von Partei und Regierung ins Management scheitern wird.

Kein Job-Hopper

So wechselte der frühere Chinachef von General Motors, Phil Murtaugh, der vor zwei Jahren zum chinesischen Autohersteller SAIC gegangen war, entnervt schon nach kurzer Zeit zu Chrysler. Ähnlich erging es dem Amerikaner Lonnie Dounn, Chief Credit Officer der Bank of China, der schon nach einem Jahr dort wieder sein Büro räumte.

„Ich war nie ein Job-Hopper“, sagt Schumacher und lacht, „wahrscheinlich bin ich bei manchen meiner Arbeitgeber viel zu lange geblieben.“ Als Manager gefällt ihm China sehr. „Entscheidungen werden hier im Unternehmen schnell getroffen, es gibt keine Hierarchien und keiner ist dogmatisch“, sagt Schumacher. „Wenn wir heute merken, dass eine Idee falsch war, können wir sie morgen ändern.“

Mit dem Kapitel Infineon hat Schumacher inzwischen abgeschlossen. „Ich bin mit meiner Zeit bei Infineon im Reinen. Ich blicke nicht zurück im Zorn“, sagt er. Die Porsche, die sie ihm so so oft vorgehalten haben, bleiben jetzt die meiste Zeit in der Garage. Schumacher fehlt in seinem neuen Job die Zeit. „Früher kam ich maximal fünfmal im Jahr zum Fahren“, sagt er, „heute vielleicht noch zweimal.“

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%