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Corona Impfkampagne in China: Ärmel hoch für die Kinder

China will bis Jahresende vier Fünftel der Bevölkerung gegen Corona impfen. Die Vorbereitungen für massenhafte Kinderimpfungen laufen bereits.

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Moderna strebt so wie Pfizer eine Freigabe für Kinder ab zwölf Jahren an, und beide führen Studien mit noch jüngeren durch - bis zum Alter von sechs Monaten. Quelle: dpa

In China müssen womöglich bald Zehntausende Mädchen und Jungen ihre Ärmel hochrollen. Wenn die Volksrepublik ihr vorläufiges Ziel, bis zum Jahresende 80 Prozent der Bevölkerung gegen das Coronavirus zu impfen, erreichen will, sind die Kinder als nächstes dran.

In einem ersten Schritt ließen die Behörden in der vergangenen Woche den Impfstoff des heimischen Herstellers Sinovac für Drei- bis 17-Jährige zu. Am Freitag folgte das Vakzin von Sinopharm. Einen Starttermin für die Impfungen hat die Nationale Gesundheitskommission allerdings noch nicht bekanntgegeben.

Kindern sind die schlimmsten Folgen der Pandemie zwar weitgehend erspart geblieben, da sie sich weniger leicht anstecken als Erwachsene und im Fall einer Infektion meist weniger schwere Symptome zeigen. Experten warnen aber, dass sie dennoch das Virus übertragen können.

Sie weisen darauf hin, dass Länder, die durch ihre Impfkampagnen eine Herdenimmunität anstreben, Kinder miteinbeziehen sollten. „Die Impfung von Kindern ist ein wichtiger Schritt vorwärts“, sagt der Virologe Jin Dong-yan von der Medizinischen Fakultät der Universität von Hongkong.

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    Allerdings ist das angesichts von Impfskepsis und Impfstoffknappheit womöglich leichter gesagt als getan. Selbst in Ländern, die über genügend Impfstoffe verfügen, haben manche Regierungen Probleme, Erwachsene von der Sicherheit und Notwendigkeit des Immunisierung zu überzeugen – obwohl Studien beides belegen. Und solche Bedenken können sich vergrößern, sobald es um die Jüngsten der Gesellschaft geht.

    Ständige Impfkommission bremst Kinderimpfungen in Deutschland

    Hinzu kommt die Frage der Zulassung. Die USA, Kanada, Singapur und Hongkong erlauben die Nutzung des Pfizer-Impfstoffes mittlerweile für Kinder ab zwölf Jahren. Auch die EU-Arzneimittelbehörde gab grünes Licht, doch in Deutschland etwa bremste die Ständige Impfkommission (Stiko) und empfahl Impfung nur für Kinder und Jugendliche mit Vorerkrankungen.

    Die Ankündigungen zu Sinovac und Sinopharm könnten den Weg dafür freimachen, dass deren Präparate an Kinder weltweit verimpft werden. Die beiden Vakzine sind bereits in Dutzenden Ländern von Brasilien bis Indonesien im Einsatz.

    In Thailand etwa macht Sinovac einen Großteil der Impfstofflieferungen aus. Gesundheitsminister Anutin Charnvirakul begrüßte die Nachricht von der Notfallzulassung für Kinder in China. „Sobald es zugelassen wird, sind wir bereit, das Vakzin für alle Altersgruppen zur Verfügung zu stellen“, sagte Anutin am Montag.

    Auch andere Impfstoffhersteller bemühen sich um den Zugang zu jüngeren Menschen. Moderna strebt so wie Pfizer eine Freigabe für Kinder ab zwölf Jahren an, und beide führen Studien mit noch jüngeren durch - bis zum Alter von sechs Monaten.

    Ein weiteres Hindernis für die Impfung von Kindern besteht darin, dass viele Länder noch nicht genug Dosen für die gefährdetere erwachsene Bevölkerung haben. Thailand beispielsweise hat bisher erst vier Prozent der Bevölkerung geimpft, und die Nachfrage von Erwachsenen ist bei weitem höher als das Angebot.

    Zweifel an Wirksamkeit der chinesischen Impfstoffe ist groß

    „Angesichts der Impfstoffknappheiten sollten momentan alle verfügbaren Vakzine nach Alter und Risiko der Menschen priorisiert werden“, sagt Jerome Kim, Leiter des Internationalen Impfinstituts in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul. „Es ist wirklich wichtig, diese Impfstoffe dorthin zu bringen, wo sie jetzt benötigt werden.“

    Vielerorts zweifeln Menschen auch an der Wirksamkeit der chinesischen Mittel im Vergleich zu den westlichen Konkurrenten. Während die Effizienzquoten wegen unterschiedlicher Bedingungen nicht direkt vergleichbar sind, haben sich die westlichen Impfstoffe im Realitätstest als sehr wirksam erwiesen zur Verhinderung von Infektionen.

    Das Serum von Sinovac zeigt eine hohe Effektivität zur Vermeidung von schweren Krankheitsverläufen und Krankenhausaufenthalten. Sinopharm hat relativ wenige Daten veröffentlicht. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat für beide Vakzine eine Notfallzulassung zur Verwendung bei Erwachsenen ab 18 erteilt.

    Das ebnete den Weg für einen Einsatz in globalen Programmen zur Verteilung von Impfstoffen an ärmere Länder. Ob sie die Stoffe auch für jüngere Menschen freigeben könnte, hat die WHO bislang nicht erkennen lassen.

    Impfstoffe werden häufig getrennt für Erwachsene und Kinder freigegeben, weil jüngere Immunsysteme anders reagieren könnten. Nach Angaben von Experten gelten Vakzine aus inaktivierten Viren wie die chinesischen allgemein als sicher für Kinder.

    Kinder seien gut vor dem Virus geschützt

    Denn diese Technologie sei seit langem erprobt, etwa bei verpflichtenden Kinder-Impfprogrammen, und habe nur ein geringes Risiko gezeigt. Der Impfexperte Nikolai Petrovsky von der Flinders-Universität in Australien stellt Kinderimpfungen mit dem Präparat von Sinovac dennoch in Frage. Die Impfstoffe seien zwar vermutlich sicher für Minderjährige, erklärt er. Allerdings seien diese vor dem Virus ohnehin relativ gut geschützt, und es sei noch nicht erwiesen, dass das Vakzin Übertragungen verhindere.

    „Ohne einen solchen Nachweis müssen wir fragen, warum wir die Kinder impfen“, sagt Petrovsky. China hat 1,4 Milliarden Einwohner, muss also 560 Millionen Menschen impfen, um seine angestrebte Impfquote von 40 Prozent im Juni zu erreichen.

    Für das 80-Prozent-Ziel müssen 1,12 Milliarden Menschen die Spritze bekommen haben. Das wird schwierig ohne die Impfung vieler der insgesamt 254 Millionen Kinder unter 14 Jahren.

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