Coronavirus Demonstranten behindern immer noch Grenzverkehr in Kanada

LKW-Fahrer haben sich von der Brücke bei Detroit zurückgezogen, doch Demonstranten versammeln sich an Zufahrten. Premier Trudeau verspricht, die Grenzübergänge würden geöffnet.

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Premierminister Justin Trudeau hat bisher keinen Militäreinsatz geplant. Quelle: Reuters

Der Verkehr über die tagelang von Lastwagenfahrern blockierte Ambassador-Brücke zwischen Kanada und den USA bleibt eingeschränkt. Die mit der Corona-Politik der kanadischen Regierung unzufriedenen Trucker zogen ihre Fahrzeuge zwar zurück.

Doch Demonstranten versammelten sich in der Nähe und behinderten den Verkehr auf den Zufahrtsstraßen. Auch in Ottawa und anderen Teilen Kanadas gab es Proteste.

Die Ambassador-Brücke verbindet Windsor in Kanada und Detroit in den USA. Über sie verläuft eine der wichtigsten Transportrouten zwischen beiden Ländern.

Besonders betroffen von der Blockade waren Automobilhersteller und -zulieferer. Am Freitag ordnete ein Richter in Kanada an, die Blockade zu beenden.

Am Samstag begann die Polizei, die Brücke zu räumen. Am späten Abend (Ortszeit) harrten noch etwa 180 Demonstranten bei frostigen Temperaturen nahe der Brücke aus. Die Polizei errichtete Betonsperren.

Demonstranten behindern weitere Grenzübergänge

Auch im Westen des Landes behinderten Protestierer den Grenzverkehr. Der Grenzübergang in Surrey in British Columbia sei aber nicht blockiert, betonten die Behörden. In den Provinzen Alberta und Manitoba blieben zwei Übergänge geschlossen.

In der Hauptstadt Ottawa schwoll die Zahl der Demonstrantinnen und Demonstranten nach Polizeiangaben auf rund 4000 an. In der Stadt haben Impfgegner seit Ende Januar ein Protestlager aufgeschlagen.

Sie spielen laut Musik und erhalten jeweils an den Wochenenden Verstärkung. Die Polizei erklärte am Abend, viele Demonstranten verhielten sich kriminell und aggressiv. Wegen Sicherheitsbedenken seien die Einsatzmöglichkeiten der Polizei beschränkt.

Die frühere Ministerin Catherine McKenna kritisierte die Versammlung als illegale Besetzung. Dagegen müssten Stadt-, Provinz- und Bundesregierung gemeinsam einschreiten. „Es ist unerträglich. (...) Reißt Euch jetzt einfach zusammen“, forderte sie.

Premierminister Justin Trudeau sagte, die Grenzübergänge könnten und würden nicht geschlossen bleiben. „Alle Optionen liegen auf dem Tisch“, erklärte sein Büro.

Trudeau lehnt Militäreinsatz ab

Der Regierungschef von Ontario, Doug Ford, hat wegen der Demonstranten am Freitag sogar den Notstand ausgerufen. Allen, die Straßen oder Brücken blockieren, könnten dadurch Strafen von 100.000 kanadischen Dollar und bis zu einem Jahr Haft drohen.

Andererseits haben Bundes- und Provinzpolitiker erklärt, sie könnten der Polizei keine Befehle erteilten. Einen Einsatz des Militärs hat Trudeau bislang abgelehnt.

Die Polizei in Ottawa erklärte, sie habe ein gemeinsames Kommandozentrum mit Provinz und Bundespolizei eingerichtet. Sie wartete auf Verstärkung, um die Blockade zu beenden.

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