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"Cumhuriyet"-Beilage "Charlie Hebdo" als Beilage in türkischer Zeitung

Die Zeitung „Cumhuriyet“ traut sich, „Charlie Hebdo“ in der Türkei nachzudrucken - und trickst dabei die Polizei aus.

In der linksnationalistischen Zeitung „Cumhuriyet“ wurden vier Seiten der neuen Ausgabe von „Charlie Hebdo“ als Beilage nachgedruckt. Quelle: dpa

Kaum war die neue „Cumhuriyet“ aus der Druckpresse heraus, rief die Zeitung auch schon die türkische Polizei auf den Plan. Die Redaktion wagte es am Mittwoch als einzige in der mehrheitlich muslimischen Türkei, in einer eigenen Beilage Teile der neuen Ausgabe von „Charlie Hebdo“ auf türkisch zu veröffentlichen.

Die Polizisten ließen die Lastwagen mit den druckfrischen Zeitungen erst passieren, als sie sich vergewissert hatten, dass die Mohammed-Karikatur vom „Charlie Hebdo“-Titel nicht publiziert wurde. Sie hatten anscheinend nicht gründlich genug gesucht.

Zwar fand sich die Karikatur - auf der ein weinender Prophet Mohammed ein Schild mit der Aufschrift „Je suis Charlie“ hält - nicht in der vierseitigen „Cumhuriyet“-Beilage. Auch andere Mohammed-Karikaturen sind dort nicht abgedruckt. Dafür veröffentlichte die Redaktion den „Charlie Hebdo“-Titel in kleinerer Form in Kommentarspalten auf zwei Seiten anderswo im Blatt.

Die Karikaturen für "Charlie Hebdo"
Karikatur von 2006: Ein Rahmen um ein weißes Stück Papier. Überschrift: "Please enjoy this culturally, ethnically, religiously, and politically correct cartoon responsibly. Thank You." Quelle: Twitter
Ein Terrorist schießt auf einen Bleistift, der entzwei bricht. Doch ein Spitzer spitzt den abgebrochenen Stift wieder an. Dieser radiert mit seinem Radiergummi den gezeichneten Terroristen weg. Quelle: Twitter
Ein Flugzeug fliegt auf zwei nebeneinander stehende Bleistifte zu. Das Bild erinnert an die Anschläge auf die Zwillingstürme des World Trade Centers im September 2001. Quelle: Twitter
Ein von hinten gezeichneter Terrorist hat einen Zettel auf dem Rücken, auf den ein Bleistift schreibt: "You lost!" ("Du hast verloren!") Quelle: Twitter
Eine Zeichnung der Zeitschrift Charlie Hebdo. Aus der Titelseite der Zeitung erhebt sich eine Hand mit Feder, die dem Betrachter den Mittelfinginger zu zeigen scheint. Quelle: Twitter
Ein Gewehr und ein Stift nebeneinander. Auf dem Gewehr: "Murderous assault on french satirical newspaper". Auf dem Stift: "Free Expression". Bildunterschrift: "But the Pen Will Endure" Quelle: Twitter
Ein Terrorist mit Krummsäbel hat einer Person (T-Shirt: "Charlie Hebdo") den Kopf abgeschlagen. Aus dem Hals streckt sie dem Terroristen noch die Zunge entgegen. Bildunterschrift: "Onsterfelijk" Quelle: Twitter

Den ermordeten „Charlie Hebdo“-Machern hätte die Finte sicherlich gefallen. Die linksnationalistische „Cumhuriyet“, die zu den Kritikern der islamisch-konservativen Regierung gehört, spielt dabei allerdings mit dem Feuer.

Die ultrakonservative Zeitung „Yeni Akit“ schäumte, der Nachdruck sei „eine große Provokation“. Das Blatt veröffentlichte für seine mehrheitlich islamistische und mutmaßlich empörte Leserschaft auch gleich Namen und Fotos der beiden Kommentatoren, in deren Spalten die Karikatur erschien. Auch die entsprechenden Kommentarspalten fotografierte „Yeni Akit“ ab, die Zeichnung des Propheten Mohammed verpixelte die Redaktion. Sicherheitshalber riegelte die Polizei die Umgebung des „Cumhuriyet“-Verlagsgebäudes in Istanbul ab.

Schließlich leben unbequeme Journalisten in der Türkei unter Umständen gefährlich, wie etwa der „Spiegel“-Korrespondent Hasnain Kazim im vergangenen Jahr erfahren musste. Nach Morddrohungen und mehr als 10.000 Hassnachrichten verließ er vorübergehend das Land. Westliche Korrespondenten genießen dabei den Schutz ausländischer Regierungen. Für kritische türkische Journalisten gilt das nicht.

Zwar stellte Präsident Recep Tayyip Erdogan die Türkei vergangene Woche als internationales Vorbild für die Pressefreiheit dar. Die Organisation „Freedom House“ allerdings stuft die Medien in der Türkei als „nicht frei“ ein. Im vergangenen Monat wurden zahlreiche Journalisten und angebliche Regierungskritiker festgenommen, was scharfe Kritik der EU hervorrief.

Erdogan selber bezichtigt besonders ausländische Medien immer wieder der „Lüge“ - womit er vom „Lügenpresse“-Vorwurf der von der Türkei mit Sorge betrachteten Pegida-Bewegung nicht weit entfernt ist.

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Erdogan hat den Anschlag von Paris klar verurteilt. Ministerpräsident Ahmet Davutoglu nahm am vergangenen Sonntag am Trauermarsch in der französischen Hauptstadt teil. Nach dem Mord an den Machern von „Charlie Hebdo“ dominierten in der politischen Führung der Türkei allerdings nicht flammende Appelle für die Pressefreiheit, sondern Warnungen vor einer zunehmenden Islamfeindlichkeit in Europa. Davutoglu verglich Pegida in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Mittwoch) sogar mit der Terrormiliz Islamischer Staat (IS).

Auch der Vorsitzende der Religionsbehörde Diyanet, Mehmet Görmez, nannte die Morde bei „Charlie Hebdo“ „unter keinen Umständen akzeptabel“. Er kritisierte nach Angaben der Nachrichtenagentur Anadolu allerdings, dass der Tod von „nur zwölf Menschen“ in Paris einen Proteststurm hervorrufe, während beim gewaltsamen Tod von Millionen Menschen in der islamischen Welt Schweigen geherrscht habe. Görmez sagte weiter: „Im Laufe der Zeit hat Islamfeindlichkeit Hass und dann Angst vor allen Muslimen geschaffen.“

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