+++Davos Diary+++ Was bleibt vom WEF 2013?

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+++ Donnerstag, 09:55 +++

Henry Kissinger eröffnet mit seiner Analyse zur Lage der Welt den Gipfeltag. Dass er kein Fan von US-Präsident Barack Obama ist, macht er schnell deutlich. "Obama war nicht meine erste Wahl", sagt der Republikaner. Das habe auch außenpolitische Gründe: Der Abzug von US-Truppen aus Afghanistan drohe, vorschnell zu erfolgen.

Henry Kissinger Davos Quelle: dpa

Zunächst müsse garantiert werden, dass Afghanistan selbst in der Lage ist, sich zu verteidigen - und ein partnerschaftliches Verhältnis zu seinen Nachbarn wie Pakistan hat. Hier hätte Obama vermitteln sollen. Im Nahohst-Konflikt plädiert Kissinger für eine Zwei-Staaten-Lösung. Hier müsse Obama mehr auf Israel einwirken. Gleichzeitig müsse international alles dafür getan werden, dass der Iran nicht in den Besitz der Atombombe gelange. (T. Rahmann)

+++Mittwoch 17:15+++

Twitter ist bei Groß-Events wie dem Weltwirtschaftsforum meist hilfreich. Man liest, welche Erfahrungen andere Besucher machen, erfährt, wo die spannendsten Vorträge stattfinden und trifft immer wieder neue, interessante Menschen. Um Tweets, die sich um ein Event drehen, zu kennzeichnen, richten die Veranstalter oft sogenannte Hashtags (#) ein. Der für Davos lautet #WEF. Wird ein solcher Hashtag besonders oft genutzt, registrieren das aber auch Spam-Accounts. Und so müllen Spammer Twitter unter dem Hashtag #WEF mit Links zu Pornoseiten voll. Fast im Sekundentakt. Damit wird das eigentlich nützliche Instrument hier unbrauchbar. Schade. (S. Matthes)

+++Mittwoch 16:42+++

Kurzes Gespräch mit dem Londoner Unternehmer Lucian Tarnowski. Einem der Young Global Leader, die hier in Davos jedes Jahr ausgezeichnet werden. Tarnowski war vor zwei Jahren ein gefeierter Jungunternehmer. Dann merkte er, dass sein Geschäftsmodell nicht funktioniert und hat quasi im laufenden Betrieb ein neues entwickelt. Nun ist Brave New Talent im Netz, ein soziales Netzwerk rund um Unternehmen, Themen und Talente. "Wenn Dinge nicht klappen, muss man halt etwas anderes probieren", sagt er. Das hat er getan. Demnächst zieht er nach San Francisco, "weil sein Unternehmen dort einfach bessere Mitarbeiter findet", sagt er. Das die auch mehr kosten ist nicht so schlimm, sein Unternehmen wird demnächst eine weitere Finanzierungsrunde schließen - Neustart hin oder her. (S. Matthes)

+++Mittwoch 14:51+++

Beim 43. Weltwirtschaftsforum in Davos gibt es für die Besucher ein 114-DinA4-Seiten-dickes Programm. Quelle: dpa

Der renommierte US-Ökonom Barry Eichengreen wagte schon Anfang 2012 eine mutige Prognose: Er behauptete, der Euro sei irreversibel und Griechenland auch noch Ende des Jahres Mitglied der Euro-Zone. Thesen, auf die vor einem Jahr kaum einer einen Cent gesetzt hatte. Doch er sollte Recht behalten. Die Schuldenkrise hat sich (gefühlt) abgeschwächt. Doch Eichengreen warnt im Gespräch mit Wirtschaftswoche Online: "Europa ist noch längst nicht über den Berg. Die Euro-Zone muss endlich einen Bankenunion schaffen." Er wisse, dass diese Forderung insbesondere in Deutschland umstritten sei. Aber es gebe keinen anderen Weg, um die Krise wirksam zu bekämpfen. (T. Rahmann)

+++Mittwoch, 12.12 Uhr+++

Beim Wirtschaftsforum in Davos gibt's allerhand Neues zu erleben. Zum Beispiel, dass überall Männer in Anzügen auf dem Fußboden herumkriechen. Denn hier ist alles bestens organisiert: Shuttle-Busse fahren zu den wichtigsten Veranstaltungen, kostenloses WLAN ist auch an vielen Orten verfügbar. Was aber fehlt, sind Steckdosen, an denen die vielbeschäftigten Weltenführer ihre Kommunikationsgeräte aufladen können. Sobald man also mit suchendem Blick durch die Cafés und Bars kriecht, erhält man überall aufmunternde Worte: "Wir haben auch schon gesucht, nichts zu machen". Aber ich habe nicht aufgegeben und hinter einer Holzverkleidung im Steigenberger-Hotel ein Mischpult gefunden, neben dem die letzte freie letzte Steckerleiste von Davos lag. Die gebe ich nicht mehr her. (S. Matthes)

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