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Denkfabrik Václav Klaus: Der Euro ist gescheitert

Der tschechische Staatspräsident Václav Klaus über die Probleme der Währungsunion – und weshalb osteuropäische Länder gut daran tun, an ihrem eigenen Geld festzuhalten.

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Die Europäische Währungsunion hat versagt. Selbst als langjähriger Kritiker dieses Projekts kann ich mich darüber nicht freuen, denn am Ende werden wir alle zu den Verlierern gehören. Damit meine ich nicht nur die Länder, die auf ihre jahrzehnte- oder sogar jahrhundertelang existierenden eigenen Währungen verzichtet haben, um in den Genuss angeblich unbestreitbarer Vorteile wie einer Beschleunigung des Wirtschaftswachstums und einer Verminderung der Inflation zu kommen. Zu diesen Versprechen gehörte auch, die Währungszone werde ihre Mitgliedsländer – mehr, als es in der Vergangenheit der Fall war – vor externen wirtschaftlichen Störungen schützen.

Nichts davon ist eingetreten. Nach der Entstehung der Euro-Zone hat sich das Wirtschaftswachstum in den Mitgliedsländern im Vergleich zu den vorhergehenden Jahrzehnten verlangsamt. Gleichzeitig nahm der Abstand zwischen dem Wirtschaftswachstum der Euro-Länder und dem anderer bedeutsamer Wirtschaftszentren der Welt, wie den USA, China und weiteren Schwellen- und Entwicklungsländern, zu. Auch die mittel- und osteuropäischen Länder, die nicht Mitglieder der Euro-Zone geworden sind, entwickelten ein höheres Wachstumstempo.

Daten der Europäischen Zentralbank zufolge betrug das durchschnittliche jährliche Wachstum der Euro-Länder in den Siebzigerjahren 3,4 Prozent, in den Achtzigerjahren 2,4 Prozent, in den Neunzigerjahren 2,2 Prozent – jedoch im Jahrzehnt des Euro, also von 2001 bis 2009, lediglich 1,1 Prozent. Etwas Derartiges ist nirgendwo in der Welt zu finden.

Die erwartete Annäherung der Inflationsraten unter den Euro-Ländern blieb zudem aus. Stattdessen bildeten sich eine Gruppe mit einer geringen und eine zweite – dazu zählen Griechenland, Spanien, Portugal, Irland – mit einer höheren Inflationsrate. Auch die Handelsbilanzen drifteten auseinander, und es ist kein Zufall, dass die Länder mit langfristig hohen Handelsbilanzdefiziten mit den Ländern identisch sind, die mit die höchsten Inflationsraten aufweisen. Der Euro hat hier keinerlei Ausgleich gebracht.

Die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise hat all diese Probleme bloßgelegt und zugespitzt, keinesfalls jedoch verursacht. Für mich ist dies keine Überraschung. Die Euro-Zone ist nach den elementaren Lehrsätzen der Wirtschaftstheorie kein „optimaler Währungsraum“. Ihr Entstehen verdankt sie einer primär politischen Entscheidung. Wenn jedoch die Währungszone keine optimale Währungszone darstellt, dann kann es eben nicht anders sein, als dass die Kosten für deren Schaffung und Erhaltung die Erträge übersteigen, die deren Funktionieren mit sich bringt.

Zum Start der Euro-Zone spiegelten die Kurse, zu denen die Währungen der Mitgliedsländer in Euro umgerechnet wurden, mehr oder weniger die damalige Realität wider. Zehn Jahre später aber hatten sich die Volkswirtschaften der einzelnen Euro-Länder auseinanderentwickelt – und wurden von der Zwangsjacke einer einheitlichen Währung immer stärker einengt. Jetzt, in der Krise, wurden die Unterschiede – und damit das Ausbleiben der versprochenen ökonomischen Vorteile – offensichtlich.

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