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Départementswahlen Hollande bricht die Basis weg

Frankreich wählt, und Präsident Hollande muss zittern. Erneut zeichnet sich eine Schlappe für den Sozialisten ab. Die Basis jenseits des Machtzentrums Paris zerbröselt.

Präsident François Hollande beim Wahlgang: Seine Sozialistische Partei muss mit einer weiteren Schlappe rechnen. Quelle: REUTERS

Die Einwohner von Seyne-les-Alpes haben derzeit andere Sorgen als Wahlen. Auch im Rest des Landes war die zweite Runde der Entscheidungen in den Départements vom Airbus-Absturz überlagert. Teils wurde der Wahlkampf zwischen erster und zweiter Runde ausgesetzt. Der Todesflug hat für viele das Horrorgefühl der Pariser Terroranschläge zurückgeholt und politisches Alltagsgezänk in den Hintergrund gedrängt. Gewählt wurde dennoch, auch in Seyne-les-Alpes.

Mitten in diesem Ausnahmezustand waren 1195 Wählerinnen und Wähler in Seyne am Sonntag aufgefordert, die neue Zusammensetzung im Département zu bestimmen. Landesweit wurden Parlamente gewählt für die rund 100 regionalen Verwaltungseinheiten, etwa den deutschen Landkreisen vergleichbar. Die Départements haben im von Paris aus zentralistisch organisierten Frankreich zwar wenige Kompetenzen. Aber die Wahl galt auch als Stimmungstest für das Land.

Woran Frankreich krankt

Eine wichtiger Indikator schien sich auch am Sonntag bereits früh wieder abzuzeichnen: Die Leute gehen nicht zur Wahl. In der ersten Runde einer Woche zuvor hatte es nur jeder zweite in die Wahllokale geschafft. Am Sonntag lag die Beteiligung bis zum Mittag noch unter dem Vergleichswert von sieben Tages zuvor. Im Wahlraum von Seyne sind auf der großen Tafel handschriftlich die mageren Quoten notiert. Für 10.00 Uhr stehen dort „11,55 Prozent“.

Le Pen strebt nach der Macht im Élyséepalast

Auch bei der Wahl ist der Ort außergewöhnlich. Das Kandidatengespann der regierenden Sozialisten lag hier vor einer Woche vorn: 28,2 Prozent. Landesweit sind die Sozialisten des wegen Krise, Schulden, Arbeitslosigkeit unbeliebten Präsident François Hollande (60) inzwischen auf Platz drei abgerutscht. Nach der Schlappe bei den Kommunalwahlen im März 2014 und der EU-Entscheidung zwei Monate später bricht der Linken die Basis in der Fläche weg. Im Wahlkampf überließ Hollande seinem etwas weniger unbeliebten Premierminister Manuel Valls (52) die Vorkämpferrolle.

Den Frust über schlechte Wirtschaftszahlen und unbeliebte Regierung hat ein alter Bekannten für sein Comeback genutzt: Ex-Präsident Nicolas Sarkozy ist zurück. Als Parteichef schaffte er mit der noch immer zerstrittenen konservativen UMP Wahlerfolge, zuletzt auch in den Départements. Als Ziel des 60-Jährigen, 2012 gegen Hollande abgewählt, gilt eine Präsidentschaftskandidatur 2017. In der UMP hätte er dafür wohl eine Mehrheit, in landesweiten Umfragen liegt allerdings ein parteiinterner Kontrahent vorn: der frühere Premierminister Alain Juppé (69) hat seine Kandidatur bereits verkündet.

Der aktuell dritte Machtblock im Land ist auch in Seyne-les-Alpes präsent: Das zweite Kandidatenduo in der Stichwahl der Gemeinde kommt aus den Reihen der rechtsextremen Front National. Die Partei von Marine Le Pen hat zuletzt eine ganze Serie von Wahlerfolgen eingefahren. Sich selbst bezeichnen die Rechtsextremen deswegen bereits als „erste Partei Frankreichs“. Le Pen hat ein Ziel vor Augen, das ihr und der Partei nach dem guten Abschneiden in weniger beachteten Parlamenten deutlich mehr Einfluss sichern würde: die Präsidentenwahl 2017 und die Macht im Élyséepalast.

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