Der UN-Gipfelgipfel Vereinte Nationen wollen bis 2030 Hunger und Armut besiegen

Hunderte Millionen Menschen auf der Welt sehen ihre Kinder dahinsiechen, weil es schlicht nicht genug zu essen gibt. Damit soll es in 15 Jahren vorbei sein. Das haben sich zumindest die Vereinten Nationen vorgenommen.

Arbeiter in Bangladesch Quelle: Laif

Seit es Menschen gibt, gibt es Hunger. Seit es Menschen gibt, gibt es Armut. Seit es Menschen gibt, gibt es Diskriminierung. Was die Welt in Tausenden Generationen an Elend angehäuft hat, soll nun binnen einer halben Generation beseitigt werden. Die Vereinten Nationen haben sich nicht weniger vorgenommen, als in 15 Jahren Hunger und extreme Armut auf der Welt zu besiegen. Etwa 160 Staats- und Regierungschefs, inklusive des Papstes, wollen das am Wochenende auf dem größten Gipfeltreffen der Geschichte besiegeln - aber niemand weiß, ob das ambitionierte Ziel nicht zu ambitioniert ist.

Nachhaltigkeitsziele, auf Englisch kurz SDGs (Sustainable Development Goals), heißt das Zauberwort - und diese SDGs sind die Fortsetzung der MDGs (Millennium Development Goals), der Jahrtausendziele. Vor 15 Jahren hatten Politiker aus aller Welt unter anderem vereinbart, bis 2015 die Zahl der Hungernden und der Ärmsten - die von weniger als 1,50 Dollar am Tag leben - zu halbieren, allen Kindern eine Grundschulbildung zu geben und Kinder- und Müttersterblichkeit drastisch zu senken.

Die Millenniums-Entwicklungsziele der Vereinten Nationen für das Jahr 2015

Und tatsächlich: Viele dieser Jahrtausendziele wurden erreicht oder zumindest fast erreicht. Deshalb soll mit den SDGs jetzt nachgelegt werden.

In den nächsten 15 Jahren sollen Hunger und „die Armut überall auf der Welt und in jeder ihrer Formen“ beseitigt werden. Weiter sollen alle Menschen sauberes Wasser und Zugang zu einer vernünftigen Toilette bekommen. Eine Benachteiligung von Frauen und Mädchen soll es nicht mehr geben, und jeder Mensch werde verlässliche, umweltschonende Energie nutzen können. „Ungleichheiten“ zwischen den Staaten sollen abgebaut und weltweit Wachstum geschaffen werden. Industrialisierung ja, aber „in nachhaltiger Form“. Wie viel sind 15 Jahre? Das ist die Kanzlerschaft von Angela Merkel plus fünf Jahre. Das ist die Hälfte der Laufzeit der „Lindenstraße“. In der Zeit sollen die größten Probleme der Menschheit einfach so weggefegt werden?

Länder mit hoher Arbeitslosigkeit und Inflation
Platz 21: FinnlandEs gibt keinen Grund, in Finnland zu leben. So zumindest sieht es der Kult-Regisseur Aki Kaurismäki ("Le Havre"). Die Inflation ist mit 0,3 Prozent zwar niedrig, aber 11,5 Prozent der Bevölkerung sind arbeitslos. Finnland ist stark exportabhängig, mehr als ein Drittel des BIP werden durch Exporte bestritten. Die schwächelnde Konjunktur in Europa setzte der finnischen Wirtschaft in den vergangenen Jahren zu. Quellen: Businessinsider.com, Reuters, dpa, AP Quelle: AP
Platz 20: ChileGleichauf mit Finnland liegt Chile in Sachen Inflation und Arbeitslosigkeit. Auch hier wird die Wirtschaft stark vom Export bestimmt; er macht rund 33 Prozent des BIP aus. Die Wirtschaft wuchs zuletzt so langsam wie seit vier Jahren nicht mehr. Quelle: dpa
Platz 19: BrasilienDie Arbeitslosigkeit liegt bei nur 4,9 Prozent, aber die Inflation beträgt derzeit 6,5 Prozent. Brasilien ist im zweiten Quartal 2014 trotz der Fußball-WM in eine Rezession gefallen. Das BIP der größten Volkswirtschaft Lateinamerikas lag um 0,6 Prozent unter dem Vorquartal, wie das nationale Statistikamt IBGE mitteilte. Im ersten Quartal war ein Rückgang von 0,2 Prozent verzeichnet worden. Zwei Minusquartale in Folge gelten gemeinhin als Rezession. Brasilien war zuletzt während der internationalen Finanzkrise 2008 in eine Rezession gerutscht. Quelle: dpa
Platz 18: PolenEine Skulptur in Form eines Papierboots treibt an Warschau vorbei. In Polen sind 11,5 Prozent der Bevölkerung ohne Job. Die Inflation liegt derzeit bei 0,3 Prozent. Das Land leidet vor allem unter einem komplizierten Steuersystem und einer maroden Infrastruktur, sowohl bei Straßen als auch bei Schienen. Es wird erwartet, dass Polens Wirtschaft weiter schwächelt, da das Land von Import-Verboten Russlands betroffen ist. Polen ist Europas größter Apfelproduzent mit rund 2,5 Millionen Tonnen im Jahr und sucht nun dringend nach Lösungen, um dramatische Einkommensverluste für die Anbauer zu vermeiden. Quelle: dpa
Platz 17: IrlandDie Inflation ist mit 0,3 Prozent niedrig, 11,5 Prozent der Iren sind arbeitslos. Irland hatte 2010 das größte Defizit mit 32,4 Prozent vom BIP. Inzwischen konnte das Land das Euro-Rettungsprogramm verlassen und seine Neuverschuldung dank überraschend hoher Steuereinnahmen in diesem Jahr stärker drücken als erwartet. Das Defizit werde bei rund vier Prozent des Bruttoinlandsproduktes liegen, sagte Finanzminister Michael Noonan am 3. September in Dublin. 2015 will Irland das EU-Defizitziel von drei Prozent wieder einhalten. Quelle: dpa
Platz 16: PhilippinenDie Preise auf den Philippinen steigen stark: Die Inflation lag zuletzt bei 4,9 Prozent. Zugleich sind 7 Prozent der Philippinos arbeitslos. Das Land kämpft, auch aufgrund wiederkehrender Naturkatastrophen, mit Infrastrukturproblemen. Die Weltbank hat ihre Wachstumsprognose für die Philippinen erst im August gesenkt. Für 2014 rechnet das Institut nun noch mit einem Wachstum von 6,4 Prozent, für 2015 von 6,7 Prozent. Die Weltbank machte für die Senkung die schleppende Wirtschaft im ersten Quartal 2014 nach den Zerstörungen durch den Taifun „Haiyan“ verantwortlich. Zudem seien im zweiten Quartal die Staatsausgaben verlangsamt und die Geldpolitik in den ersten sieben Monaten verschärft worden. Allerdings bleibe das Land weiter eines der am schnellsten wachsenden Länder Ostasiens, hieß es. Quelle: dpa
Platz 15: Russland4,9 Prozent der Bevölkerung haben keinen Job, die Inflation liegt bei 7,5 Prozent. Im Sog der Ukraine-Krise schrumpfte die russische Wirtschaft 2014 stärker. Das BIP verringerte sich im Juli im Vergleich zum Vorjahresmonat um 0,2 Prozent. Damit fiel das Minus doppelt so groß aus wie im Juni. Der Westen hat Sanktionen gegen Russland verhängt. Er wirft der Regierung in Moskau vor, sich nicht wie zugesagt um eine Entspannung der Lage im Osten der Ukraine zu bemühen. Dort kämpfen prorussische Separatisten gegen die ukrainische Armee. Im Zuge der Krise hat die russische Währung Rubel massiv an Wert verloren und sich die Kapitalflucht aus dem Land verstärkt. Quelle: dpa
Platz 14: SlowakeiDie Slowakei erlebt derzeit eine Deflation von 0,1 Prozent. Die Arbeitslosigkeit liegt bei 12,7 Prozent. Korruption und ein langsames Gerichtssystem bremsen das Land aus. Am 2. September eröffnete die Slowakei eine Pipeline, über die bis zu 20 Prozent des jährlichen Gasbedarfs der Ukraine gedeckt werden kann. Die EU reagiert damit auf eine Maßnahme des russischen Gazprom-Konzerns, der im Juni wegen eines Preisstreits Lieferkürzungen angekündigt hatte. Gazprom hatte bereits 2006 und 2009 seine Gasexporte in das Nachbarland zeitweise gestoppt. Quelle: dpa
Platz 13: Italien12,7 Prozent der Italiener sind arbeitslos, bei den Jugendlichen sind es sogar 40 Prozent. Die anhaltende Krise in Europa macht dem Land zu schaffen. Die Inflation ist mit 0,1 Prozent ausgesprochen niedrig. Das Land ist gespalten: Im Norden gibt es viele private Unternehmen, die meist hochwertige Produkte herstellen. Der Süden ist geringer entwickelt und landwirtschaftlich geprägt. Staatsschulden und strukturelle Probleme haben die drittgrößte Volkswirtschaft in der Eurozone in die Rezession rutschen lassen - Experten erwarten kein schnelles Comeback. Quelle: dpa
Platz 12: SlowenienDie Arbeitslosigkeit liegt bei 13,9 Prozent. Experten erwarten, dass die slowenische Wirtschaft 2014 um ein Prozent schrumpfen wird. Das Land kämpft mit einer Deflation von 0,9 Prozent. Die global schwächelnde Konjunktur macht dem stark exportabhängigen Land zu schaffen. Anfang Juli hatte die alte Regierung angekündigt, vorerst keinen Staatsbesitz mehr zu verkaufen. Bisher kontrolliert der Staat rund die Hälfte der Wirtschaft und hat seine Hände in vielen Sektoren wie der Bankenbranche, dem Einzelhandel, der Telekommunikation und bei den Medien im Spiel. Quelle: dpa
Platz 11: PortugalAuch hier liegt die Deflation bei 0,9 Prozent, 13,9 Prozent der Portugiesen haben keine Arbeit. Für Portugal ist die milliardenschwere Rettungsaktion der Banco Espirito Santo ein herber Rückschlag beim Bemühen, das Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen. Erst im Mai hatte das verschuldete Land dank des wirtschaftlichen Aufschwungs den milliardenschweren Rettungsschirm von IWF und EU verlassen. Die Hilfen hatten die Regierung drei Jahre lang zu drastischen Einsparungen im Haushalt gezwungen. Portugal war wegen hoher Schulden und einer schwächelnden Wirtschaft in die Krise geraten. Quelle: dpa
Platz 10: KolumbienKinder drängen sich an einer Wasserausgabestelle in La Guajira im Norden des Landes. Dort herrschte seit fast einem Jahr eine schwere Dürre. Das Land hat eine Inflationsrate von 2,9 Prozent und eine Arbeitslosenquote von 10,7 Prozent. Eine marode Infrastruktur, eine labile Sicherheitslage (Kolumbien gilt als der Drogen-Umschlagplatz schlechthin) und weitverbreitete Armut sind die größten Probleme des Landes: 32,7 Prozent der Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze. Quelle: dpa
Platz 9: UkraineEin Mädchen fotografiert die Barrikaden auf dem Maidan in Kiew. Die Ukraine könnte nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds bei einem anhaltenden Krieg im Osten des Landes zusätzliche Notkredite in Milliardenhöhe benötigen. Alleine 19 Milliarden Dollar könnten anfallen, um die Reserven der Zentralbank aufzustocken, falls der Konflikt das gesamte Jahr 2015 weitergehe. Der zwischen prorussischen Separatisten und ukrainischen Regierungstruppen umkämpfte Osten des Landes trägt etwa 16 Prozent zur gesamten Wirtschaftsleistung der Ukraine bei. Bisherigen Prognosen zufolge wird die Wirtschaft in diesem Jahr um 6,5 Prozent schrumpfen. Die Inflation liegt bei 12,6 Prozent, die Arbeitslosigkeit betrug zuletzt 9,3 Prozent. Quelle: dpa
Platz 8: UruguayWuchs das Land noch mit einer jährlichen Rate von acht Prozent zwischen 2004 und 2008, hat die globale Finanzkrise hier ein Ende gemacht. Uruguay ist als ein sehr liberales Land bekannt, in dem Marihuana und gleichgeschlechtliche Ehen legal sind. Doch die Löhne sind niedrig und die Arbeitslosenquote liegt bei 6,9 Prozent - die Inflation schlägt mit 9,1 Prozent zu Buche. Quelle: AP
Platz 7: KroatienHier haben 17,8 Prozent der Bevölkerung keinen Job - die Jugendarbeitslosigkeit lag zuletzt sogar bei über 40 Prozent. Kroatien befindet sich in einer Deflation von 0,1 Prozent. 2013 trat das Land der Europäischen Union bei - nun steht die Regierung umso stärker unter Druck, die hohen Staatsschulden abzubauen. Auch Kroatien wird voraussichtlich unter den russischen Importverboten für Lebensmittel leiden. Quelle: dpa
Platz 6: Türkei8,8 Prozent Arbeitslose, 9,3 Prozent Inflation, hinzu kommen Korruption und Proteste gegen die Regierung. Die neue türkische Regierung hat schwere Aufgaben vor sich. Sie will das Land Hand nun in Hand mit der Zentralbank auf Wachstum trimmen. Diese hatte sich Anfang des Jahres mit einer kräftigen geldpolitischen Straffung gegen den Kursverfall der heimischen Währung Lira gestemmt. Später senkten die Währungshüter um Notenbankchef Erdem Basci den Schlüsselzins in mehreren Schritten auf nunmehr 8,25 Prozent - ein Niveau, das die Regierung für zu hoch hält. Die türkische Wirtschaft war 2013 um vier Prozent gewachsen. Dieses Jahr soll sie nach den Plänen der Regierung trotz Kapitalflucht im gleichem Tempo zulegen. Quelle: dpa
Platz 5: ÄgyptenSeitdem Hosni Mubarak nach fast 30 Jahren Amtszeit im Jahr 2011 gestürzt wurde, ist in Ägypten keine Ruhe mehr eingekehrt. Eine vom Militär eingesetzte Richterkommission ermittelte im Anschluss den Tod von mindestens 846 Menschen. Muslimbruder Mohammed Mursi kam 2012 an die Macht, wurde aber ebenfalls gestürzt. Die Muslimbruderschaft ist inzwischen verboten. Im Mai 2014 folgte nun Armeechef Abdul Fattah al-Sisi. 13,3 Prozent der Bevölkerung sind arbeitslos, die Inflation liegt bei 10,6 Prozent. Quelle: dpa
Platz 4: SpanienSpaniens Wirtschaft kämpft noch immer mit der Finanzkrise und erholt sich nur langsam. Derzeit liegt eine Deflation von 0,3 Prozent vor, 24,5 Prozent der Spanier haben keinen Job. Unter den Jugendlichen sind es sogar 50 Prozent. Quelle: dpa
Platz 3: GriechenlandDerzeit herrscht eine Deflation von 0,7 Prozent, die Arbeitslosigkeit liegt bei 27,8 Prozent. Wie in Spanien ist auch hier jeder zweite Jugendliche ohne Job. Nach den Worten von Regierungschef Antonis Samaras sollen in den kommenden Monaten 145.000 neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Sie sollen mit Hilfe von EU-Mitteln und dem für 2014 erwarteten zaghaften Wirtschaftswachstum entstehen. In den nächsten Monaten sollen 600 Millionen Euro EU-Subventionen für neue Jobs - vornehmlich Ausbildungsplätze - nach Griechenland fließen. Das schuldengeplagte Land musste vor vier Jahren von seinen Euro-Partnern und dem Internationalen Währungsfonds gerettet werden. Im Gegenzug musste das Land eine Reihe von Sparmaßnahmen und wirtschaftliche Reformen anordnen. Es wird erwartet, dass Griechenland in diesem Jahr aus einer sechsjährigen Rezession kommt. Quelle: dpa
Platz 2: SüdafrikaJeder Vierte hat keine Arbeit (25,5 Prozent), die Inflation liegt bei 6,3 Prozent. Viele Probleme wie die grassierende Korruption bekommt die Regierung einfach nicht in den Griff. Hinzu kommt, dass mehr als sechs Millionen Menschen in Südafrika mit HIV infiziert sind. Quelle: dpa

„Ohne Frage sind diese Ziele ambitioniert“, sagt Microsoft-Gründer und Philanthrop Bill Gates der dpa. „Die Hürden sind hoch. Aber wie wir in den letzten 15 Jahren gesehen haben, gibt es eine gute Chance auf Erfolg.“ Der Schub der MDGs müsse für die SDGs genutzt werden: „Noch nie in der Geschichte der Menschheit ist der Lebensstandard so vieler Menschen so sehr gestiegen wie seit 2000“, argumentiert Gates. „Die SDGs zeigen uns nun die Welt, wie wir sie immer wollten.“

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