Deutsch-Russisches Forum "Vulgärer Ethno-Faschismus"

Wladimir Jakunin, Chef der russischen Staatsbahn, hat den Westen scharf kritisiert - ausgerechnet auf einer Veranstaltung des Deutsch-Russischen Forums. Dessen Leiter ist der SPD-Politiker Matthias Platzeck

Der Chef der russischen Staatsbahn, Wladimir Jakunin, spricht auf der Europa-Konferenz des Deutsch-Russischen Forums in Berlin. Quelle: dpa

Der Chef der russischen Staatsbahn, Wladimir Jakunin, hat den Westen bei einem Besuch in Berlin scharf attackiert. Die USA sprächen vom Kampf für die Demokratie, wollten aber anderen ihre Werte aufzwingen, sagte der Putin-Vertraute beim Deutsch-Russischen Forum in Berlin.

Das Wohlergehen Europas hänge in großem Maß davon ab, ob der Westen auf Dialog setze oder nach der Pfeife der USA tanze, sagte Jakunin weiter. Die Sichtweise, alles Gute komme aus dem Westen, alles Böse aus dem Osten, sei gefährlich. „In den USA wissen viele Senatoren nicht mal, wo die Krim liegt.“

Im Westen sei ein „vulgärer Ethno-Faschismus“ wieder in Mode, so Jakunin weiter.

Damit spielte er auf den Sieg der österreichischen Transvestiekünstlerin Conchita Wurst beim Eurovision Song Contest an. Dieser war in Russland teils heftig kritisiert worden war. „Die antike Definition der Demokratie hatte nichts mit bärtigen Frauen zu tun, sondern die Demokratie ist die Herrschaft des Volkes.“ Außerdem verteidigte er das umstrittene russische Gesetz zum Schutz Jugendlicher vor Homosexualität.

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Pikantes Detail: Der Mitveranstalter der Tagung und Leiter des Deutsch-Russischen Forums ist der SPD-Politiker Matthias Platzeck. Er wies Jakunins abwertende Aussagen zu gleichgeschlechtlichen Beziehungen zurück. Das russische Homosexuellen-Gesetz nage an den Grundlagen des menschlichen Zusammenhalts. Russland solle im Ukraine-Konflikt auch Selbstkritik üben, um einen Neustart der Beziehungen zu ermöglichen.

Jakunin ist seit 2005 Chef der russischen Staatsbahn. Er kennt den russischen Präsidenten Wladimir Putin seit Jahrzehnten und gilt als dessen Vertrauter. Die USA hatten ihn im März auf ihre Sanktionsliste gesetzt.

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