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Deutsche Energiewende Merkel stört Frankreichs Politik

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Zwar herrscht in Frankreich ein weitreichender Pro-Atom-Konsens. Doch die Unruhe wächst. Nicht nur Frankreichs Grüne stellen den Atomstrom infrage. Auch die Sozialisten fordern nun das Ende einer Energiepolitik, die fast ausschließlich auf Kernkraft setzt. Erneut ins Gerede gekommen ist ein Reaktor im südwestfranzösischen Blayais, der 1999 infolge einer Überschwemmung kurz vor einem GAU stand, und besonders groß ist der Widerstand gegen die älteste Anlage des Landes im elsässischen Fessenheim, die mitten in einem erdbebengefährdeten Gebiet steht – und das nur 1,5 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt.

Der Chef der nationalen Nuklearsicherheitsbehörde, André-Claude Lacoste, will einen schweren Atomunfall in Frankreich nicht ausschließen und empfiehlt der EDF, den im Bau befindlichen Europäischen Druckwasser-Reaktor (EPR) im normannischen Flamanville vorerst zu stoppen. Damit drohen die Baukosten für den Reaktor, der mit fünf Milliarden Euro schon jetzt doppelt so teuer ist wie ursprünglich veranschlagt, vollends aus dem Ruder zu laufen. Teure Nacharbeiten drohen der EDF auch bei Altanlagen. In den beiden vergangenen Wintern drohte wegen der vielen nicht funktionsfähigen Anlagen in einigen Regionen des Landes sogar ein Zusammenbruch des Stromnetzes. Ausgerechnet Deutschland, das wegen des Moratoriums jetzt selbst auf Importe angewiesen ist, musste mit Strom-Lieferungen aushelfen.

Hohe Kosten für die EDF

Kritik entzündet sich auch an der Endlagerung. Ein Teil der Nuklearabfälle wird in Sibirien unter freiem Himmel gelagert. Im lothringischen Bure gibt es zwar einen Erprobungsstollen, doch über dessen Eignung wird frühestens 2013 entschieden. Außerdem streitet die EDF mit dem Stollen-Betreiber über die Kosten, die derzeit auf 35 Milliarden Euro veranschlagt werden – 80 Prozent davon müsste die EDF übernehmen.

Der Siemens-Konzern, der den EPR zusammen mit Areva entwickelt hatte, dürfte im Nachhinein dankbar dafür sein, von Sarkozy aus dem französischen Nuklearkonzern gedrängt worden zu sein. Frankreichs Präsident wollte nicht, dass ausgerechnet die Deutschen, die selbst aus der Atomenergie aussteigen wollen, von den Erfolgen Arevas und der Renaissance der Atomkraft profitieren. Siemens trat daraufhin den Rückzug an – das war vielleicht eine weise Entscheidung.

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