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Deutsche Investoren Hinein ins Abenteuer Afrika

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Deutsche Unternehmen könnten bei der Industrialisierung helfen

Foto von Richard Kimani

China ist in der Lage, ganze Paketlösungen anzubieten, und liefert gleich die Finanzierungen mit. Die Europäer dagegen verzetteln sich in Risikoprüfungen und verlieren am Ende trotz besserer Qualität an Wettbewerbsfähigkeit. Mittlerweile scheint indes auch die deutsche Wirtschaft bereit, Fuß zu fassen in Afrika: In einer BDI-Umfrage geben 89 Prozent der befragten Unternehmer an, in den kommenden Jahren ihre Aktivitäten auszuweiten.

Wobei sie auf politische Flankierung von Geschäften hoffen, über Hermes-Deckungen oder Doppelbesteuerungsabkommen. „Die deutschen Unternehmen haben erkannt, dass der Kontinent enorme Chancen bietet und sie sich deshalb stärker vor Ort engagieren müssen“, sagt Matthias Wachter, der im BDI für Afrika zuständig ist. Er rechne mit einem deutlichen Zuwachs an Direktinvestitionen in den kommenden Jahren.

Auch wenn China einen Vorsprung hat – in Afrika wollen die Deutschen künftig mitverdienen. „Je größer Afrikas wirtschaftlicher Erfolg, desto stärker wird die Nachfrage nach hochwertigen Produkten, die aus Deutschland kommen“, sagt Stefan Liebing, Vorsitzender des Afrikavereins der deutschen Wirtschaft, der die Interessen von 600 Unternehmen in Afrika vertritt. Er vergleicht den Kontinent mit China vor 20 bis 30 Jahren. „Damals waren in China nur wenige deutsche Investoren vor Ort“, sagt er. „Aber die, die schon da waren, sind heute am besten im Geschäft.“ Jetzt müsse die deutsche Wirtschaft investieren, denn er ist überzeugt: „Afrika hebt ab.“

Auch in Nairobi, Kenia. Die Präsenz glasverspiegelter Hochhäuser mag manch einem schon als Beweis genügen, dass das Land in Ostafrika mit am weitesten entwickelt ist. Die hügelige Stadt mit mehr als drei Millionen Einwohnern wirkt wirr, aber geschäftig, auch wenn im Industriepark von Lunga-Lunga eine Frau mitten auf der Verkehrsinsel in der Mittagssonne döst. Wer wissen will, zu welcher Wertschöpfung die lokale Industrie wirklich imstande ist, sollte Richard Kimani besuchen, den Fruchtsaftkönig von Nairobi.

BIP Kenia

Eigentlich hat Kimani keine Zeit. Er fliegt heute Nachmittag nach London und muss den Besucher in seiner alten Fabrik gegenüber eines Friedhofs in Nairobis Nordosten empfangen. Viel lieber würde er die neue Anlage außerhalb der Stadt vorführen, wo in Stoßzeiten 600 Mitarbeiter Fruchtsäfte und Konzentrate produzieren. „Dort haben wir die modernste Saftfabrik ganz Afrikas gebaut“, schwärmt Kimani. Hier, am beengten Standort in der Stadt, gebe es nur Tetrapaks und Ketchup. Sagt’s und öffnet eine Ketchupflasche, um dem Besucher eine Kostprobe auf die Fingerkuppe zu spritzen. Schmeckt süßer als sonst.

Zu Hause in Kenia hat sein Unternehmen Kevian den Fruchtsaftmarkt unter Kontrolle. Täglich verarbeiten die Fabriken rund 200 Tonnen Früchte aus der Region zu Säften; rund 30 000 lokale Farmer liefern ihm zu. Großabnehmer ist neben den meist südafrikanischen Supermarktketten auch Kenyan Airways. Dieses Jahr will Richard Kimani nach Deutschland liefern, wo Saftgroßhändler Rudolf Wild aus Eppelheim bei Heidelberg als Abnehmer bereitsteht.

Solche Erfolgsstorys lieben die wenigen Deutschen in Kenia. Bei Kevian ist mit der Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG) eine deutsche Bank an Bord. Andere Financiers halten sich aus Afrika eher fern. Ausrüster wie Krones dagegen liefern moderne Anlagen und verdienen so nicht nur Geld, sondern werben für Deutschland: Hiesige Unternehmen können Kenia bei der Industrialisierung helfen, die beim Fruchtsaft beginnt und mit der Veredlung der jüngst entdeckten Öl- und Gasvorkommen endet. Mehr als bei Chinas Infrastrukturprojekten brächte das Beschäftigung und Steuern, denn die Wertschöpfung der Produkte bliebe im Inland. Schade nur, dass der deutsche Mittelstand Afrika als zu kleinteilig und zu riskant betrachtet.

Kenia allerdings empfängt die Europäer im Moment auch nicht mit offenen Armen. In Nairobi munkelt man, China habe den im April 2013 gewählten Präsidenten Uhuru Kenyatta im Wahlkampf unterstützt. Dieser revanchiere sich mit einer betont China-freundlichen Politik einschließlich der Bevorzugung bei Infrastrukturprojekten wie dem anstehenden Bau von Eisenbahnen und Pipelines. Schwerer dürfte allerdings wiegen, dass Kenyatta auf Drängen der EU vor dem Internationalen Strafgerichtshof wegen Anstiftung zum Mord angeklagt ist. Nach der verlorenen Präsidentschaftswahl 2007 soll er Volksgruppen gegeneinander aufgehetzt haben; bei Protesten kamen rund 1000 Menschen um.

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