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Deutsche InvestorenHinein ins Abenteuer Afrika

Vorbei sind die Zeiten, da Krisen, Kriege und krumme Geschäfte den Kontinent beherrschten. Südlich der Sahara baut China die Infrastruktur auf, dank mobiler Kommunikation und stabileren politischen Verhältnissen mausern sich viele Märkte zu Hotspots für Investoren. Zwar bleiben Risiken – aber die ängstliche deutsche Wirtschaft sollte jetzt in Afrika investieren, ehe der Kontinent ganz in Chinas Hand ist.Florian Willershausen 20.01.2014 - 00:00 Uhr

Rang 51: Brasilien

Die hohen Wachstumszahlen, die Brasilien in den vergangenen Jahren vorgelegt hat, sind Geschichte. Wuchs die Volkswirtschaft an der Copacabana 2010 noch um 7,53 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, lag die Wachstumsrate 2012 gerade noch bei 1,0 Prozent. Unter 60 ausgewählten Ländern, die die Schweizer Wirtschaftshochschule IMD („International Institute for Management Development“) nach ihrer Wettbewerbsfähigkeit miteinander verglichen hat, kommt Brasilien auf Rang 51 von 60. Das Land hinkt demnach vor allem im Bereich Bildung (Rang 56), dem technologischen Ausbau (Rang 57) und bei der Produktivität (Rang 58) hinterher. Gut sieht auf dem Arbeitsmarkt aus (Rang 6).

Foto: dpa

Rang 52: Slowenien

Das einstige Euro-Musterland steckt inzwischen tief in der Krise. Der marode Bankensektor muss dringend restrukturiert werden, die öffentlichen Finanzen drohen aus dem Ruder zu laufen. Der Arbeitsmarkt präsentiert sich schwach (Rang 54), in den Führungsetagen der Unternehmen fehlt es laut der IMD-Studie an Know-How (Rang 58). Gut schneidet Slowenien bei der Preisgestaltung ab. Das Land produziert günstig und kann in diesem Punkt international gut mithalten (Rang 7).

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Rang 53: Südafrika

Anders als in weiten Teilen Europas ist die Staatsverschuldung in Südafrika kein großes Problem. Das Land war Ende 2011 nur mit 38,6 Prozent des BIPs verschuldet. Auch die Steuerpolitik (Rang 8) ist eine Stärke des Ausrichters der Fußball-WM 2010. Doch: Auf dem Arbeitsmarkt sieht es alles andere als rosig aus. Viele Menschen sind arbeitslos (Rang 59), die Hürden, in Beschäftigung zu kommen, sind hoch (Rang 55). Auch in den Bereichen Bildung (Rang 54) und technischer Infrastruktur (Rang 58) hinkt das Land hinterher.

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Rang 54: Griechenland

Griechenland gehört weiterhin zu den Sorgenkindern Europas, konnte sich aber binnen eines Jahres in der IMD-Vergleichsstudie von Rang 58 auf 54 verbessern. Griechenland muss auch 2013 weiterhin daran arbeiten, seinen aufgeblasenen Verwaltungsapparat zu verkleinern und den Finanzsektor wieder auf die Beine zu bringen. Auch in puncto Korruptionsbekämpfung und Steuersystem hat das Land noch einiges an Arbeit vor sich.

Dementsprechend rangiert Griechenland, gerade was die Gesamtsituation der heimischen Wirtschaft angeht, auf Platz 60 von 60 Staaten. Auch beim BIP-Wachstum und der Kreditwürdigkeit gibt es nur Platz 60. Allerdings hat sich in Griechenland seit dem letzten Ranking auch einiges verbessert: So konnte das Land sein Image, die Anpassungsfähigkeit der Regierungspolitik und die Staatfinanzen verbessern, sowie die Bürokratie verringern. Unternehmen schätzen an Griechenland besonders die gut ausgebildeten Arbeitskräfte sowie das allgemein hohe Bildungsniveau.

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Rang 55: Rumänien

Im Vorjahr schaffte es Rumänien auf Rang 53 – im 2013-Ranking des IMD fällt das Land weiter zurück. Es reicht nur noch zu Platz 55. Die guten Nachrichten vorneweg: Von 21,35 Millionen Einwohnern haben 10,15 Millionen einen Job, die Arbeitslosenquote beträgt 6,8 Prozent. Und: Die rumänischen Unternehmen produzieren recht günstig. Beim Preisniveau landen die Osteuropäer auf Rang 9. Aber: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Rumäniens liegt bei nur 169,4 Milliarden Euro - im internationalen Vergleich macht das Platz 48 von 60. Beim BIP pro Kopf schafft es das Land mit 16.062 Euro auf Rang 46.

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Rang 56: Jordanien

Frauen nehmen in Jordanien nur sehr selten eine Tätigkeit wahr (Rang 60), auch das Straßen- und Schienennetz des Landes ist im schlechten Zustand (Rang 60). Die Arbeitslosenquote ist hoch (Rang 54) und internationale Investoren gibt es kaum (Rang 48). Nur in einer einzigen Vergleichskategorie landet Jordanien in den Top 20: Die Besteuerung von Unternehmen und Bürgern fällt moderat aus (Rang 15).

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Rang 57: Bulgarien

Bulgarien ist das Armenhaus Europas. Auch, weil die Wirtschaft schwächelt. In der IMD-Studie landet Bulgarien nur auf Platz 57 (Platz 54 im Jahr 2012). Damit ist das osteuropäische Land die wirtschaftlich schwächste Nation der Europäischen Union.

Wirklich gut schneidet Bulgarien nur beim Preisniveau ab, da belegt es im internationalen Vergleich Platz vier. In Disziplinen wie Beschäftigungsrate, Arbeitsmarkt, Bildung, Infrastruktur, gesellschaftliche Rahmenbedingungen, Gesundheit und Investments schafft es das osteuropäische Land nicht einmal unter die Top 30.

Foto: dpa

Rang 58: Kroatien

Das Adrialand tritt zum 1. Juli 2013 der Europäischen Union bei und wird Bulgarien als das am wenigsten wettbewerbsfähigste Land der Staatengemeinschaft ablösen. Die Probleme sind vielfältig: Die Arbeitslosenquote liegt bei 23 Prozent, die Auslandsverschuldung bei mehr als 100 Prozent vom BIP. In den Führungsetagen fehlt es an Know-How und die Infrastruktur ist an vielen Punkten marode. Nicht einmal jeder Zehnte Arbeitsgeber (7,8 Prozent) bescheinigt dem Land, ein wirtschaftsfreundliches Umfeld zu stellen.

Foto: AP

Rang 59: Argentinien

Die Südamerikaner verlieren im Vergleich zur 2012-Studie vier Plätze und rutschen auf den 59. und damit vorletzten Rang der IMD-Studie. Die beste Platzierung in den 20 Vergleichskategorien ist ein 40. Platz bei der Beschäftigung. In Sachen Infrastruktur (Rang 58), öffentliche Finanzen (Rang 57), Internationale Wirtschaftsbeziehungen (Rang 60) und Unternehmensführung (Rang 52) ist das Land nicht wettbewerbsfähig.

Foto: dapd

Rang 60: Venezuela

Der inzwischen verstorbene Ex-Präsident Hugo Chavez hat Venezuela heruntergewirtschaftet. Im Vergleichsranking zur Wettbewerbsfähigkeit der IMD fiel das Land von 2009 (Rang 57) bis 2013 auf den allerletzten Platz. In gleich sieben Kategorien reicht es nur zum vorletzten bzw. letzten Platz:  Infrastruktur (Rang 59), technische Infrastruktur (Rang 59), Produktivität (Rang 60), soziales Gefüge (Rang 60), Wirtschaftspolitik (Rang 60), Preisniveau (Rang 60) und Verwaltung (Rang 60) sind schlicht nicht wettbewerbsfähig.

Foto: dpa

Rums, ein Achsbruch! Das war’s wohl mit der Reise in Ugandas Hinterland. So fühlt es sich zumindest an, als der Asphalt abrupt endet und der Toyota krachend auf der Schotterpiste aufschlägt. Rafael, der Fahrer, verzieht keine Miene, er bringt die alte Karre auf Kurs und gibt Gas. In diesen Augenblicken weiß man nicht, was besser ist: flotte Fortbewegung nachts, wenn Afrika so düster ist, dass man das Ende der Straße fast so spät sieht wie die Passanten am Fahrbahnrand. Oder Dauerstau bei Tag, wenn Verkäufer Handyladegeräte und tote Hühner feilbieten, derweil ein Jeep mit Blaulicht kreuzt, auf dessen Heck Polizei und auf der Tür Ambulanz zu lesen ist.

Afrika, du bist so sonderbar! Nach vier Stunden erreicht der Wagen endlich das Dorf Wobulenzi, irgendwo im Nirgendwo nördlich von Ugandas Hauptstadt Kampala. Abseits des Weges versteckt sich das Solarzentrum der Kirchner Solar Group, eines Mittelständlers aus Alheim in Osthessen, der in Afrikas Mitte Geschäfte macht: Solarkraftwerke made in Germany versorgen Mobilfunkantennen mit Strom, wofür Telekomkonzerne den pfiffigen Unternehmer Lars Kirchner bezahlen. Überschüssige Energie liefert er in die Dörfer, deren Bewohner für Solarstrom Rechnungen bekommen. Die sie neuerdings sogar begleichen, meist per Handy.

Afrika funktioniert, trotz allem. Andernfalls hätte Kirchner nicht ein ganzes Dorf aus Holzhütten mit Strohdächern mitten im Busch gebaut, Zuwege inklusive. Hier bildet der 42-Jährige Installateure aus und lässt Anlagen endmontieren, die er zwischen Kongo und Kilimandscharo errichtet. „Wir werden in den kommenden zwei Jahren in Ostafrika Solaranlagen im Wert von 50 Millionen Euro aufstellen“, sagt Kirchner. Damit will er Umsatzrückgänge kompensieren, die ihm die in Deutschland kräftig gestutzte Förderung erneuerbarer Energien eingebrockt hat. So viel Weitblick ist selten in einer Branche, die über Jahrzehnte an Subventionen hing wie ein Heroinsüchtiger an der Nadel.

Investitionsklima auf dem afrikanischen Kontinent
Von Investitionen ist abzuratenBevölkerung: 77 Mio.BIP/Kopf: 241 $Branchen: BergbauChancen: Enormer Reichtum an Rohstoffen, attraktive MarktgrößeRisiken: Politische Instabilität, Korruption, Bürokratie, fehlende Rechtssicherheit, mangelhafte Infrastruktur
Investitionen sind möglichBevölkerung: 21 Mio.BIP/Kopf: 5950 $Branchen: Öl- und GasindustrieChancen: Rohstoffreichtum, Kaufkraft, politische StabilitätRisiken: Schlechte Infrastruktur, starke Abhängigkeit von Ölpreisen, Fachkräftemangel, extreme Bürokratie
Investitionen sind möglichBevölkerung: 37 Mio.BIP/Kopf: 614 $Branchen: Tourismus, Bergbau, Ölindustrie (im Aufbau)Chancen: RohstoffreichtumRisiken: Korruption, militärische Spannungen mit Nachbarn, Infrastrukturdefizite, soziale Ungleichheit
Investitionen sind möglichBevölkerung: 89 Mio.BIP/Kopf: 533 $Branchen: LandwirtschaftChancen: Marktgröße, politisch relativ stabil, attraktives Lohnniveau, RohstoffreichtumRisiken: Rückfall in sozialistischen Dirigismus, Bürokratie, Korruption, Infrastrukturdefizite
Stabiles InvestitionsklimaBevölkerung: 46 Mio.BIP/Kopf: 690 $Branchen: Landwirtschaft, Bauwirtschaft, Gasindustrie im AufbauChancen: Politisch stabil, relativ gute Regierungsführung, BodenschätzeRisiken: Infrastrukturdefizite, geringer Ausbildungsstand, Abhängigkeit von Entwicklungshilfe
Stabiles InvestitionsklimaBevölkerung: 43 Mio.BIP/Kopf: 1046 $Branchen: Landwirtschaft, Nahrungsmittelindustrie, Telekommunikation, Finanzwesen, IT, Handel, LogistikChancen: Vorhandene Industriestruktur, guter Ausbildungsstand, innovativer DienstleistungssektorRisiken: Korruption, mangelnde Rechtssicherheit, hohe Kriminalität, Abwendung vom Westen
Stabiles InvestitionsklimaBevölkerung: 169 Mio.BIP/Kopf: 1725 $Branchen: Ölindustrie, Bauwirtschaft, Logistik, Konsumgüter, Handel, TelekommunikationChancen: Attraktiver Konsummarkt, hoher Investitionsbedarf, RohstoffreichtumRisiken: Ineffizienz, Korruption, Strommangel, schlechte Sicherheitslage
Stabiles InvestitionsklimaBevölkerung: 26 Mio.BIP/Kopf: 1782 $Branchen: Landwirtschaft, Nahrungsmittel, Bergbau, Öl- und Gasindustrie (im Aufbau)Chancen: Politisch stabil, relativ geringe Korruption, guter AusbildungsstandRisiken: Geringe Kaufkraft, Stromknappheit

Nicht nur Armut und AIDS

Seltener noch ist der Pioniergeist, den einer wie Kirchner beweist: Während deutsche Investoren weiter in die großen und umkämpften Märkte Asiens pilgern, stürzt sich der Hesse freiwillig ins Abenteuer Afrika. Dabei ist Afrika aus deutscher Sicht dieser hoffnungslose Kontinent, den fortwährend Kriege und Krisen schütteln, wo alle arm sind und Aids haben, ein Ort barbarischer Kriminalität, wo ohne Bakschisch gar kein Geschäft gelingt. Klar, dass Kirchner bei solchem Leumund der einzige Deutsche ist, der in Uganda kräftig investiert.

Trotz ernst zu nehmender Risiken – auf Dauer werden sich die bequemen und erfolgsverwöhnten deutschen Unternehmer von Afrika nicht fernhalten können. „Nach einem Jahrzehnt des Aufschwungs und relativer politischer Stabilität empfehlen sich viele Länder im Afrika südlich der Sahara als interessante Zielorte für Investitionen“, sagt Nikolaus Lang von der Beratungsgesellschaft Boston Consulting Group. Auch der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) hat das erkannt, nennt Afrika einen „Chancenkontinent“ und erhebt ihn zu einem Schwerpunkt seiner Aktivität.

Afrika startet jetzt erst richtig durch. Seit 2000 stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) zwischen Süd- und Nordafrika um 90 Prozent auf 1,3 Billionen Dollar. Der Internationale Währungsfonds erwartet, dass bis 2017 die Hälfte der 20 wachstumsstärksten Ökonomien der Welt in Afrika liegen wird. In Bezug auf die Wirtschaftskraft ist der Kontinent ohne das gut entwickelte Südafrika und den arabisch geprägten Norden fast so stark wie Spanien. Was schwach scheint, denn die Region Subsahara-Afrika zählt 49 Staaten. Aber die meist kleinen Länder wachsen nicht zu knapp: Schreibt man die BIP-Zuwächse von aktuell im Schnitt sechs Prozent pro Jahr fort, sagt David Faulkner, Ökonom bei der HSBC in Johannesburg, werde sich die Wirtschaftsleistung der Mitte Afrikas alle zwölf Jahre verdoppeln.

Von einer regelrechten „Wachstumsrevolution“ spricht Faulkner. „Viele glauben, die Zuwächse gingen allein auf starke Öl- und Gasexporte zurück, aber das stimmt nicht mehr.“ Inzwischen stehe der Aufschwung auf solideren Säulen, nämlich politischer Stabilität, steigendem Konsum, ausländischen Investitionen und besserem makroökonomischen Management. Er ist sicher: „Nach Asien wird Afrika die letzte Boomregion der Weltwirtschaft.“ Die Frage ist nur, inwieweit die deutsche Wirtschaft hiervon profitieren kann – denn die Chinesen sind seit Jahren dabei, die Märkte zu erobern. Und das mit formidablen Erfolgen.

Rang 10: Deutschland
Stehen 2014 mit Italien, Frankreich, Großbritannien und Deutschland noch vier europäische Länder unter denen, mit dem höchsten BIP nach Kaufkraftparität, ist es 2050 nur noch ein einziges: Deutschland.
Aktuell ist Deutschland mit einem BIP von 3,621 Milliarden US-Dollar nach Kaufkraftparität das fünfstärkste Land der Welt. 2050 wartet nur noch Rang neun, obwohl Deutschland bis dahin 6,338 Milliarden US-Dollar nach Kaufkraftparität erwirtschaftet. Andere Länder wachsen um einiges schneller.
Laut PWC könnte Deutschland 2050 allerdings besser dastehen, als bisher geschätzt, da Spielraum für Infrastrukturinvestitionen bestehe, die die deutsche Ökonomie nach vorne bringen könnten. Das größte Problem für Deutschland: 2050 wird das durchschnittliche Bevölkerungswachstum im Vergleich zu 2014 jährlich um 0,4 Prozent sinken. Das langfristige Wirtschaftswachstum Deutschlands dürfte bis 2050 im Schnitt pro Jahr 1,6 Prozent betragen.

Quelle: PWC

Foto: dpa

Rang 9: Nigeria
Aktuell liegt der westafrikanische Staat noch auf Rang 20 – 1,058 Milliarden US-Dollar nach Kaufkraftparität erwirtschaftet er 2014. Nigeria ist neben dem Vietnam das Land, das zwischen 2014 und 2050 am stärksten wachsen wird – laut PWC könnten sie Wirtschaftswachstumsraten von durchschnittlich fünf Prozent pro Jahr in diesem Zeitraum erreichen. Trifft das zu, dürfte Nigeria 2050 als erstes afrikanisches Land eine stärkere Wirtschaftsleistung erbringen als Deutschland. 7,345 Milliarden US-Dollar nach Kaufkraftparität dürfte Nigeria 2050 erwirtschaften.
Ein wichtiger Faktor dabei sind die Rohstoffreserven Nigerias. Diese könnten allerdings auch zum Problem werden. Wenn etwa wie aktuell die Ölpreise fallen, leidet Nigerias Wirtschaft darunter.
Nigerias größtes Potenzial liegt in seiner jungen Bevölkerung und dem stark zunehmenden Teil der Bevölkerung im erwerbstätigen Alter.

Foto: REUTERS

Rang 8: Russland
2014 erwirtschaftet Russland 3,559 Milliarden US-Dollar nach Kaufkraftparität – und liegt damit knapp hinter Deutschland. Bis 2050 wird sich das ändern. Mit einem durchschnittlichen Wirtschaftswachstum von 2,1 Prozent pro Jahr, zieht Russland schon 2030 an Deutschland vorbei.
Wie auch Nigeria profitiert Russland von seinen Bodenschätzen. Die Fokussierung auf Rohstoffe könnte das Wachstum allerdings hemmen – wenn dadurch andere Wirtschaftszweige vernachlässigt werden. Auch die ansteigenden Spannungen zwischen Russland und den USA könnten die positiven Aussichten vergessen machen.

Foto: dpa-tmn

Rang 7: Japan
Gegenwärtig ist Japan das vierstärkste Land der Welt – gemessen in US-Dollar nach Kaufkraftparität erwirtschaftet Japan 4,788 Milliarden im Jahr 2014. Bis 2050 werden allerdings einige Schwellenländer an Japan vorbeiziehen. 7,914 Milliarden US-Dollar nach Kaufkraftparität wird Japan zu diesem Zeitpunkt noch umsetzen.
Wie auch Deutschland hat Japan vor allem mit seiner demographischen Entwicklung zu kämpfen. Das durchschnittliche Bevölkerungswachstum wird pro Jahr um 0,5 Prozent abnehmen, schätzen die Forscher.

Foto: dpa

Rang 6: Mexiko

2014 erwirtschaftet Mexiko 2,143 Milliarden US-Dollar nach Kaufkraftparität und ist damit die elftstärkste Wirtschaftsnation der Welt. Bis 2050 wird sich die Leistung fast vervierfachen – 8,014 Milliarden US-Dollar nach Kaufkraftparität wird Mexiko bis dahin einfahren.

Profitieren kann Mexiko vor allem davon, dass es nah am US-Markt liegt. Daher ziehen viele große Konzerne, die die USA beliefern wollen, Fabriken in Mexiko auf. Ein weiterer Vorteil: Dort sind die Arbeitskräfte noch weitaus günstiger als in den USA. Mit einem durchschnittlichen Bevölkerungswachstum von 0,6 Prozent im Jahr wird Mexiko die Zahl seiner Arbeitskräfte bis 2050 zudem deutlich steigern können.

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Rang 5: Brasilien

Auch Brasilien wird aus Sicht der Forscher weiter aufsteigen. Aktuell liegt es mit einer Wirtschaftsleistung von 3,073 Milliarden US-Dollar nach Kaufkraftparität noch auf Rang sieben – hinter Russland und Deutschland. Bis 2050 wird das Land seine wirtschaftliche Leistung mehr als verdreifachen können und Deutschland und Russland hinter sich lassen.

Das setzt allerdings voraus, dass Brasilien die Marktturbulenzen, die es seit Mitte 2013 heimsuchen, in den Griff kriegt. Zudem ist es wichtig, dass das Land seine Investitionsrate steigern kann.

Foto: AP

Rang 4: Indonesien

Indonesien rangiert aktuell knapp hinter Frankreich auf Rang neun. Bis 2050 wird der weltgrößte Inselstaat seine Wirtschaftsleistung fast verfünffachen und 12,210 Milliarden US-Dollar nach Kaufkraftparität erwirtschaften. Damit stößt Indonesien auf Rang vier vor.

Nach Ansicht der Forscher wird es einen Teil seines Wachstums dadurch generieren, dass China seine Billig-Produktionsstätten bis dahin auslagern wird – unter anderem nach Indonesien. Ein Vorteil liegt auch in der zunehmenden Bevölkerung. Um 0,7 Prozent wächst sie im Schnitt pro Jahr. Von der Top drei ist Indonesien allerdings auch dann noch weit entfernt. Die USA werden 2050 240 Prozent mehr erwirtschaften als Indonesien.

Foto: AP

Rang 3: USA

Aktuell belegen die USA noch den zweiten Platz – knapp hinter China. Sie erwirtschaften 17,416 Milliarden US-Dollar nach Kaufkraftparität. Die USA werden 2050 immer noch einen der wichtigsten Märkte der Welt besitzen. Deswegen wird das Einkommensniveau auch weiterhin eines der höchsten weltweit bleiben.

Dazu gilt: Obwohl der US-Markt nur noch ein geringes Wachstum verzeichnen wird, werden die politische und institutionelle Stärke sowie das geringe Risiko für Investoren weiter Geschäftsleute aus aller Welt anziehen.

Bis 2050 dürften die USA 41,384 Milliarden US-Dollar nach Kaufkraftparität erwirtschaften.

Foto: AP

Rang 2: Indien

2014 erwirtschaftet Indien nicht einmal halb so viel wie die USA – bis 2050 wird das bis dahin wohl bevölkerungsreichste Land der Welt an den Amerikanern vorbeigezogen sein. Mit einer Wirtschaftsleistung von 42,205 Milliarden US-Dollar nach Kaufkraftparität.

Die Ursache für den Sprung nach vorne ist Indiens gigantische Bevölkerung, die mit einer durchschnittlichen Bevölkerungswachstumsrate von 0,7 Prozent pro Jahr von 2014 bis 2050 weiter stark zunehmen wird.

Gemessen am Pro-Kopf-Einkommen dürfte Indien allerdings auch dann noch weit hinter den westlichen Staaten zurückliegen.  

Foto: dapd

Rang 1: China
China hat bereits 2014 die USA als wirtschaftsstärkste Nation der Welt abgelöst. Bis 2050 wird sich der Abstand noch vergrößern. Ganze 61,079 Milliarden US-Dollar nach Kaufkraftparität wird China bis dahin erwirtschaften und damit rund 50 Prozent mehr als die USA.
China wird seine Produktivität weiter ausbauen können und von seiner riesigen Bevölkerung profitieren. Allerdings könnten die Konflikte im Mittleren Osten und die Spannungen mit Japan die langfristigen Wachstumsmöglichkeiten durchaus einschränken. Sollten diese Konflikte gelöst werden, gehen die Forscher davon aus, dass Chinas Wirtschaftsleistung bis 2050 jährlich um 3,4 Prozent zulegt.

Foto: dpa

BIP-Wachstum Tansania (für eine größere Ansicht bitte auf die Grafik klicken)

Foto: WirtschaftsWoche

Tansania ist da ein gutes Beispiel. Dort soll ein chinesisches Unternehmen für elf Milliarden Dollar den Hafen Bagamoyo neu bauen, wo der deutsche Kaiser einst seine Flagge hissen ließ. Nebenan baut China die Wirtschaftszone. Schon übergeben ist das neue Stadion der Großstadt Daressalam, wobei die Regierung in Peking die Hälfte der Kosten trug – mit der Hoffnung auf Folgeprojekte wie den Hafen. „Wir können davon ausgehen, dass sich China viele dieser Bauprojekte mit Rohstoffverträgen versilbern lässt“, sagt Stefan Reith, der das Büro der Konrad-Adenauer-Stiftung leitet. Wie stark der Einfluss Chinas ist, lässt sich an Zahlen ablesen: Der Deutsch-Tansanische Businessclub zählt sechs aktive Mitglieder – der chinesische mehr als 3000.

Roland Moos war schon in Tansania, als China noch unter der Kulturrevolution litt. 1976 war das, der Ingenieur aus Karlsruhe baute damals schon Anlagen zur Wasseraufbereitung – für Hersteller, die es heute längst nicht mehr gibt. 1989 gründete er die Firma Merrywater, die in Tansania Wasseraufbereitungsanlagen plant und installiert – von der kleinen Pumpe im Pool bis zur Entsalzungsanlage für Coca-Cola.

Natürlich war es nicht einfach, einen Betrieb in Tansania aufzubauen, wo bis in die Neunzigerjahre nur zwei Handelsvertreter Lizenzen für den Import deutscher Waren besaßen. Roland Moos, ein inzwischen tief entspannter Mann Anfang 60, klappt sein Notebook auf und zeigt dem Besucher Verkaufszahlen aus zwei Jahrzehnten: „Hier sind mer ein bisserl rumgedümpelt, aber da ging’s steil bergauf.“ Als Merrywater mal einen Verlust auswies, habe das Finanzamt so lange gerechnet, bis Gewinne auftauchten – und Steuern zu zahlen waren. Seit ein paar Jahren kennen seine Graphen aber nur eine Richtung: nach oben.

Kenia: Fruchtsafthersteller Kevian, Richard Kimani: Mit deutscher Technik produziert der Unternehmer Getränke – und beweist, dass Afrika Rohstoffe selbst verarbeiten kann.

Foto: Wirtschaftswoche Print

Womöglich ist Afrikas Unberechenbarkeit der Grund, weshalb Roland Moos fast der einzige Deutsche ist, der in Tansania auf eigenes Risiko investiert: „Die Deutschen wollen von Anfang an Prognosen sehen“, sagt er, vor allem die Konzerne. „Afrika funktioniert anders: Manchmal läuft’s, manchmal nicht.“ Man müsse einen langen Atem haben. Dann führt er durch das Rückgrat seiner Firma, das Lager. Im Hochregal stapeln sich wuchtige Generatoren, Wasserfilter, Rohre und Pumpen, kurz: Millionenbeträge. „Das habe ich im Geiste alles einmal abgeschrieben“, sagt Moos.

Das Risiko der Enteignung ist nie wegzudenken, ein Regierungswechsel kann zu Chaos und Blutvergießen führen. In Daressalam aber ist nie etwas passiert – die Friedfertigkeit der Tansanier hat den Unternehmer selbst überrascht. Moos ist heute Tansanias größter Anbieter von Premiumanlagen zur Wasseraufbereitung. Als er abends seinen Jeep durch Daressalam lenkt, geht der Zeigefinger ständig hoch: da, die russische Botschaft, ein guter Kunde, und dieses Hotel dort auch.

Der Erfolg von Roland Moos mag mitunter auch daran liegen, dass er im Markt präsent ist, statt bloß seine Kataloge nach Daressalam zu schicken. So sieht das jedenfalls Dino Stengel: „Die deutschen Unternehmen brauchen sich nicht zu wundern, dass sie in Afrika keine Geschäfte machen, denn sie sind nicht vor Ort.“ In Afrika hänge ein Geschäft an Beziehungen zum Kunden. Nur so könne man gegen die Chinesen Boden gutmachen. Stengel ist in Tansania Chef des Bremer Handelshauses Achelis, das für Carl Zeiss Medizintechnik oder für Bomag aus Boppard Baumaschinen vertreibt.

„Das Tolle an Tansania ist, dass es hier fast nichts gibt“, sagt Stengel. Was für ihn bedeute, dass er in Tansania alles Mögliche verkaufen könne. Zumal im Land Goldgräberstimmung herrscht, seit im Süden Öl gefunden wurde. Außer dem Hafen will die Regierung auch eine neue Eisenbahnlinie bauen sowie Straßen und Kraftwerke. Die Wirtschaft wächst mit rund sieben Prozent kräftiger als Kenia, die politische Lage ist stabil. Und es ist nicht so, dass bei Bauwerken nur Chinesen zum Zuge kämen. Norwegens Energiekonzern Statoil und die britische BG Group planen eine Anlage zur Gasverflüssigung für zehn Milliarden Dollar. „Deutsche Unternehmen können im Windschatten dieser Konzerne gute Geschäfte machen, aber sie haben Angst“, sagt Stengel. Er fragt sich bloß, wovor?

BIP-Wachstum Kenia (für eine größere Ansicht bitte auf die Grafik klicken)

Foto: WirtschaftsWoche

China ist in der Lage, ganze Paketlösungen anzubieten, und liefert gleich die Finanzierungen mit. Die Europäer dagegen verzetteln sich in Risikoprüfungen und verlieren am Ende trotz besserer Qualität an Wettbewerbsfähigkeit. Mittlerweile scheint indes auch die deutsche Wirtschaft bereit, Fuß zu fassen in Afrika: In einer BDI-Umfrage geben 89 Prozent der befragten Unternehmer an, in den kommenden Jahren ihre Aktivitäten auszuweiten.

Wobei sie auf politische Flankierung von Geschäften hoffen, über Hermes-Deckungen oder Doppelbesteuerungsabkommen. „Die deutschen Unternehmen haben erkannt, dass der Kontinent enorme Chancen bietet und sie sich deshalb stärker vor Ort engagieren müssen“, sagt Matthias Wachter, der im BDI für Afrika zuständig ist. Er rechne mit einem deutlichen Zuwachs an Direktinvestitionen in den kommenden Jahren.

Auch wenn China einen Vorsprung hat – in Afrika wollen die Deutschen künftig mitverdienen. „Je größer Afrikas wirtschaftlicher Erfolg, desto stärker wird die Nachfrage nach hochwertigen Produkten, die aus Deutschland kommen“, sagt Stefan Liebing, Vorsitzender des Afrikavereins der deutschen Wirtschaft, der die Interessen von 600 Unternehmen in Afrika vertritt. Er vergleicht den Kontinent mit China vor 20 bis 30 Jahren. „Damals waren in China nur wenige deutsche Investoren vor Ort“, sagt er. „Aber die, die schon da waren, sind heute am besten im Geschäft.“ Jetzt müsse die deutsche Wirtschaft investieren, denn er ist überzeugt: „Afrika hebt ab.“

Auch in Nairobi, Kenia. Die Präsenz glasverspiegelter Hochhäuser mag manch einem schon als Beweis genügen, dass das Land in Ostafrika mit am weitesten entwickelt ist. Die hügelige Stadt mit mehr als drei Millionen Einwohnern wirkt wirr, aber geschäftig, auch wenn im Industriepark von Lunga-Lunga eine Frau mitten auf der Verkehrsinsel in der Mittagssonne döst. Wer wissen will, zu welcher Wertschöpfung die lokale Industrie wirklich imstande ist, sollte Richard Kimani besuchen, den Fruchtsaftkönig von Nairobi.

Tansania: Filteranlagenhersteller Merrywater, Roland Moos: Der Karlsruher ist seit 1989 in Tansania am Markt – und hat sich an das Auf und Ab im Afrikageschäft eingestellt

Foto: Wirtschaftswoche Print

Eigentlich hat Kimani keine Zeit. Er fliegt heute Nachmittag nach London und muss den Besucher in seiner alten Fabrik gegenüber eines Friedhofs in Nairobis Nordosten empfangen. Viel lieber würde er die neue Anlage außerhalb der Stadt vorführen, wo in Stoßzeiten 600 Mitarbeiter Fruchtsäfte und Konzentrate produzieren. „Dort haben wir die modernste Saftfabrik ganz Afrikas gebaut“, schwärmt Kimani. Hier, am beengten Standort in der Stadt, gebe es nur Tetrapaks und Ketchup. Sagt’s und öffnet eine Ketchupflasche, um dem Besucher eine Kostprobe auf die Fingerkuppe zu spritzen. Schmeckt süßer als sonst.

Zu Hause in Kenia hat sein Unternehmen Kevian den Fruchtsaftmarkt unter Kontrolle. Täglich verarbeiten die Fabriken rund 200 Tonnen Früchte aus der Region zu Säften; rund 30 000 lokale Farmer liefern ihm zu. Großabnehmer ist neben den meist südafrikanischen Supermarktketten auch Kenyan Airways. Dieses Jahr will Richard Kimani nach Deutschland liefern, wo Saftgroßhändler Rudolf Wild aus Eppelheim bei Heidelberg als Abnehmer bereitsteht.

Solche Erfolgsstorys lieben die wenigen Deutschen in Kenia. Bei Kevian ist mit der Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG) eine deutsche Bank an Bord. Andere Financiers halten sich aus Afrika eher fern. Ausrüster wie Krones dagegen liefern moderne Anlagen und verdienen so nicht nur Geld, sondern werben für Deutschland: Hiesige Unternehmen können Kenia bei der Industrialisierung helfen, die beim Fruchtsaft beginnt und mit der Veredlung der jüngst entdeckten Öl- und Gasvorkommen endet. Mehr als bei Chinas Infrastrukturprojekten brächte das Beschäftigung und Steuern, denn die Wertschöpfung der Produkte bliebe im Inland. Schade nur, dass der deutsche Mittelstand Afrika als zu kleinteilig und zu riskant betrachtet.

Kenia allerdings empfängt die Europäer im Moment auch nicht mit offenen Armen. In Nairobi munkelt man, China habe den im April 2013 gewählten Präsidenten Uhuru Kenyatta im Wahlkampf unterstützt. Dieser revanchiere sich mit einer betont China-freundlichen Politik einschließlich der Bevorzugung bei Infrastrukturprojekten wie dem anstehenden Bau von Eisenbahnen und Pipelines. Schwerer dürfte allerdings wiegen, dass Kenyatta auf Drängen der EU vor dem Internationalen Strafgerichtshof wegen Anstiftung zum Mord angeklagt ist. Nach der verlorenen Präsidentschaftswahl 2007 soll er Volksgruppen gegeneinander aufgehetzt haben; bei Protesten kamen rund 1000 Menschen um.

BIP-Wachstum Uganda (für eine größere Ansicht bitte auf die Grafik klicken)

Foto: WirtschaftsWoche

Die Folgen spüren Manager des Westens im Alltag, selbst wenn sie aus Indien kommen. Yogesh Shroff, der neue Landeschef von Beiersdorf, musste ein halbes Jahr auf die Arbeitsgenehmigung warten, bis er im Herbst offiziell das Afrikawerk des Hamburger Kosmetikherstellers übernehmen konnte. „Es scheint, dass der neue Präsident eher Richtung China schaut“, sagt der Inder so nett, wie das nur Inder formulieren. Ansonsten überrasche ihn Kenia: „Ich hätte nicht erwartet, auf welch hohem Ausbildungsstand die Kenianer sind.“

Beiersdorf ist seit Anfang der Achtzigerjahre in Kenia am Markt. Ursprünglich war das kleine Investment eher ein philanthropisches Projekt; inzwischen stützt der Familienkonzern seine starke Stellung in der Region auf die Präsenz vor Ort. Heute produzieren 90 Mitarbeiter 60 Produkte exklusiv für Ostafrika. Die 1800 Tonnen Creme, die das Werk Nairobi im Jahr herstellt, mag Hamburg in zwei, drei Tagen schaffen. Doch „unsere Absatzmärkte wachsen hier so sehr, dass wir der Nachfrage oft kaum hinterherkommen“, sagt Shroff. Noch sei Kenia der größte Markt, aber Uganda und Ruanda zögen an. In Äthiopien rechnet er sich Chancen aus, wenn die sozialistische Regierung den Rücktransfer der Gewinne zulasse. Im Hof lässt er ein neues Lager bauen, damit er in der Haupthalle weitere Zentrifugen aufstellen kann.

Kenia spielt gern die Lokomotive für das Wachstum in Ostafrika. In Nairobi hat sich ein kaufkräftiger Mittelstand entwickelt, den eine innovative IT-Industrie und die boomende Mobilfunkbranche tragen. Im Nahrungsmittelsektor hat Unilever erst vor Kurzem bekannt gegeben, seine Teefabrik für 150 Millionen Euro auszubauen. IT-Riese IBM eröffnete im Herbst ein Entwicklungszentrum und brach damit eine Lanze für das Bildungsniveau des Landes. Auf deutscher Seite indes ist Beiersdorf einziger Investor mit Produktion.

Demokratischer denn je

Was auch damit zusammenhängt, dass sich negative Afrikabilder tief in die Köpfe der Europäer gebrannt haben. Tatsächlich bekämpfen sich im Südsudan zwei Volksgruppen und werfen das Ölland ökonomisch um Jahre zurück. Was Erinnerungen an den Völkermord in Ruanda weckt, wo in den Neunzigerjahren eine Million Menschen umkamen – und den Blick auf die Tatsache verstellt, das just in jenem Ruanda heute ein vorbildliches Investitionsklima herrscht, mit schlanker Bürokratie und aktiver Standortförderung.

Klar, auch im rohstoffreichen Kongo brodelt es und in Zentralafrika; Somalia gilt als gescheiterter Staat, in dem Terroristen und Piraten das Sagen haben. Dennoch ist der Kontinent, abgesehen von diesen Unruheherden, friedlich und stabil wie nie – man nimmt es nur kaum wahr im Westen. Nach dem Index von Freedom House, der die Zahl der Demokratien misst, waren nach dem Ende des Kalten Krieges drei Viertel der Länder Subsahara-Afrikas nicht demokratisch – heute ist es nur mehr ein Drittel.

Freilich machen die Afrikaner auch heute nicht mit vorbildlicher Regierungsführung von sich reden. Korruption und Bürokratie schütteln die meisten Länder, Schmiergelder sind Teil des Geschäftsgebarens – erst recht, wenn es um staatliche Ausschreibungen geht. Aus westlicher Sicht zieht sich die Korruption wie ein Krebsgeschwür über den Kontinent. Die Afrikanische Union hat errechnet, dass die Region jedes Jahr 148 Milliarden Dollar durch Schmiergeldzahlungen verliert, wobei ein Teil der geflossenen Gelder über den Konsum reinvestiert wird.

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Im Corruption Perception Index, dem Ranking zur wahrgenommenen Korruption von Transparency International, steht Afrika desolat da: Im oberen Drittel der halbwegs sauberen Länder rangieren nur Minimärkte wie Botswana oder Ruanda, während die größeren und damit attraktiveren Länder wie Kenia und Nigeria im unteren Drittel auf den Plätzen 136 und 144 landen. Andererseits steht Russland kaum besser da als Kenia, doch dort sind 6000 statt 60 deutsche Unternehmen registriert.

Überhaupt, sagt Paul Gabriel von der Risiko-Beratungsgesellschaft Control Risks, sei Korruption handhabbar: Jeder Investor müsse verstehen, wie Korruption in einem Land ablaufe, Investitionen sollte er aber deshalb nicht ausschließen. Dies lasse sich nämlich als Risikofaktor „einpreisen“, so der Experte. Damit meint er nicht, dass Unternehmer Schmiergeldforderungen nachkommen sollen, ganz im Gegenteil: „Wenn die Zöllner korrupt sind, dann müssen Sie längere Wartezeiten bei der Wareneinfuhr in Kauf nehmen“, nennt Gabriel ein Beispiel. Was auch der Grund ist, warum Roland Moos in Daressalam solchen Wert auf ein großes Lager legt, obwohl es viel Kapital bindet.

Investoren fürchten Bürokratie in Afrika mehr als Korruption, wie die BDI-Umfrage zeigt. Wobei dies meist zusammenhängt. Manche Unternehmen beschäftigen Mitarbeiter, die den ganzen Tag in Behördenfluren auf Dokumente warten – und zusehen, wie andere Unternehmen Papiere gegen Schmiergeld sofort erhalten. Am Ende des Tages bekommen auch die Deutschen ihre Dokumente, und die Weste bleibt weiß.

Sicher gibt es Branchen und Länder, in denen ohne Korruption nichts geht. Nigerias Bauunternehmen Julius Berger, an der der Mannheimer Konzern Bilfinger eine Minderheit hält, ist in Afrika sehr angesehen, hierzulande aber wegen Schmiergeldzahlungen in Verruf. Seit in Frankfurt die Staatsanwaltschaft ermittelt, hält sich der Konzern von staatlichen Ausschreibungen in Afrika meist fern. Bilfinger-Chef Roland Koch würde die Anteile am liebsten ganz loswerden. Schon aus Imagegründen.

Man sollte nicht zu viel grübeln, sondern sich einlassen auf Afrika. So sieht das Lars Kirchner, der Elektrotechniker aus Hessen. Der hat gut reden, denn der Zufall trieb ihn nach Afrika. Es muss um die Jahrtausendwende gewesen sein, als sich Kirchner mit einem Afrikaner anfreundete, der Kunde bei ihm war. Damals montierte der Hesse Telefonanlagen, erst später machte ihn der Solaranlagenboom zum Mittelständler.

Irgendwann ließ sich Kirchner nach Uganda einladen, wo sein Freund lebte, ins Dorf Wobulenzi. „Das war die Zeit, da wir richtig gutes Geld verdient haben“, sagt Kirchner. „Ich suchte nach einem Geschäftsmodell für die Zeit nach den Subventionen.“ Kirchner fand es in Afrika: Sonne satt, ständige Stromknappheit – Afrika ist wie gemacht für den Solarunternehmer. Mittlerweile hat er vier Überseecontainer aufgestellt, in denen die Technik lagert. Darauf ist ein Solargenerator befestigt, der die Mobilfunkmasten mit Energie versorgt. Überschüssiger Strom fließt in die Nachbardörfer.

Heute ist ein besonderer Tag für Kirchner. Stolz wie Oskar weiht er das neue Ausbildungszentrum ein. 80 treue Kunden hat er zum Feiern in den Busch geflogen, meist Häuslebauer aus dem Hessischen, denen Kirchner seine Solaranlagen aufs Dach gestellt hat. Da Kirchner nicht nur für sich, sondern für die gesamte Region Elektriker oder Kaufleute ausbildet, hat er eine Finanzierung der DEG erhalten. „Anfangs wollte ich mit denen nicht zusammenarbeiten“, sagt Kirchner, „Ich investiere nur noch in Projekte, weil sie sich lohnen. Und nicht, weil sie gefördert werden.“ Dass man in Afrika gutes Geld verdienen kann, davon ist Kirchner überzeugt. „Aber wer hier den schnellen Reibach machen will, dem muss ich von Afrika abraten.“

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