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Deutsche Investoren Hinein ins Abenteuer Afrika

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Kaum Angst vor Korruption, dafür vor Bürokratie

Foto von Roland Moos

Im Corruption Perception Index, dem Ranking zur wahrgenommenen Korruption von Transparency International, steht Afrika desolat da: Im oberen Drittel der halbwegs sauberen Länder rangieren nur Minimärkte wie Botswana oder Ruanda, während die größeren und damit attraktiveren Länder wie Kenia und Nigeria im unteren Drittel auf den Plätzen 136 und 144 landen. Andererseits steht Russland kaum besser da als Kenia, doch dort sind 6000 statt 60 deutsche Unternehmen registriert.

Überhaupt, sagt Paul Gabriel von der Risiko-Beratungsgesellschaft Control Risks, sei Korruption handhabbar: Jeder Investor müsse verstehen, wie Korruption in einem Land ablaufe, Investitionen sollte er aber deshalb nicht ausschließen. Dies lasse sich nämlich als Risikofaktor „einpreisen“, so der Experte. Damit meint er nicht, dass Unternehmer Schmiergeldforderungen nachkommen sollen, ganz im Gegenteil: „Wenn die Zöllner korrupt sind, dann müssen Sie längere Wartezeiten bei der Wareneinfuhr in Kauf nehmen“, nennt Gabriel ein Beispiel. Was auch der Grund ist, warum Roland Moos in Daressalam solchen Wert auf ein großes Lager legt, obwohl es viel Kapital bindet.

BIP von Uganda

Investoren fürchten Bürokratie in Afrika mehr als Korruption, wie die BDI-Umfrage zeigt. Wobei dies meist zusammenhängt. Manche Unternehmen beschäftigen Mitarbeiter, die den ganzen Tag in Behördenfluren auf Dokumente warten – und zusehen, wie andere Unternehmen Papiere gegen Schmiergeld sofort erhalten. Am Ende des Tages bekommen auch die Deutschen ihre Dokumente, und die Weste bleibt weiß.

Sicher gibt es Branchen und Länder, in denen ohne Korruption nichts geht. Nigerias Bauunternehmen Julius Berger, an der der Mannheimer Konzern Bilfinger eine Minderheit hält, ist in Afrika sehr angesehen, hierzulande aber wegen Schmiergeldzahlungen in Verruf. Seit in Frankfurt die Staatsanwaltschaft ermittelt, hält sich der Konzern von staatlichen Ausschreibungen in Afrika meist fern. Bilfinger-Chef Roland Koch würde die Anteile am liebsten ganz loswerden. Schon aus Imagegründen.

Man sollte nicht zu viel grübeln, sondern sich einlassen auf Afrika. So sieht das Lars Kirchner, der Elektrotechniker aus Hessen. Der hat gut reden, denn der Zufall trieb ihn nach Afrika. Es muss um die Jahrtausendwende gewesen sein, als sich Kirchner mit einem Afrikaner anfreundete, der Kunde bei ihm war. Damals montierte der Hesse Telefonanlagen, erst später machte ihn der Solaranlagenboom zum Mittelständler.

In Arbeit
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Irgendwann ließ sich Kirchner nach Uganda einladen, wo sein Freund lebte, ins Dorf Wobulenzi. „Das war die Zeit, da wir richtig gutes Geld verdient haben“, sagt Kirchner. „Ich suchte nach einem Geschäftsmodell für die Zeit nach den Subventionen.“ Kirchner fand es in Afrika: Sonne satt, ständige Stromknappheit – Afrika ist wie gemacht für den Solarunternehmer. Mittlerweile hat er vier Überseecontainer aufgestellt, in denen die Technik lagert. Darauf ist ein Solargenerator befestigt, der die Mobilfunkmasten mit Energie versorgt. Überschüssiger Strom fließt in die Nachbardörfer.

Heute ist ein besonderer Tag für Kirchner. Stolz wie Oskar weiht er das neue Ausbildungszentrum ein. 80 treue Kunden hat er zum Feiern in den Busch geflogen, meist Häuslebauer aus dem Hessischen, denen Kirchner seine Solaranlagen aufs Dach gestellt hat. Da Kirchner nicht nur für sich, sondern für die gesamte Region Elektriker oder Kaufleute ausbildet, hat er eine Finanzierung der DEG erhalten. „Anfangs wollte ich mit denen nicht zusammenarbeiten“, sagt Kirchner, „Ich investiere nur noch in Projekte, weil sie sich lohnen. Und nicht, weil sie gefördert werden.“ Dass man in Afrika gutes Geld verdienen kann, davon ist Kirchner überzeugt. „Aber wer hier den schnellen Reibach machen will, dem muss ich von Afrika abraten.“

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