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Deutsche Investoren Hinein ins Abenteuer Afrika

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Nivea für Afrika

Afrika-Fonds für Privatanleger

Die Folgen spüren Manager des Westens im Alltag, selbst wenn sie aus Indien kommen. Yogesh Shroff, der neue Landeschef von Beiersdorf, musste ein halbes Jahr auf die Arbeitsgenehmigung warten, bis er im Herbst offiziell das Afrikawerk des Hamburger Kosmetikherstellers übernehmen konnte. „Es scheint, dass der neue Präsident eher Richtung China schaut“, sagt der Inder so nett, wie das nur Inder formulieren. Ansonsten überrasche ihn Kenia: „Ich hätte nicht erwartet, auf welch hohem Ausbildungsstand die Kenianer sind.“

Beiersdorf ist seit Anfang der Achtzigerjahre in Kenia am Markt. Ursprünglich war das kleine Investment eher ein philanthropisches Projekt; inzwischen stützt der Familienkonzern seine starke Stellung in der Region auf die Präsenz vor Ort. Heute produzieren 90 Mitarbeiter 60 Produkte exklusiv für Ostafrika. Die 1800 Tonnen Creme, die das Werk Nairobi im Jahr herstellt, mag Hamburg in zwei, drei Tagen schaffen. Doch „unsere Absatzmärkte wachsen hier so sehr, dass wir der Nachfrage oft kaum hinterherkommen“, sagt Shroff. Noch sei Kenia der größte Markt, aber Uganda und Ruanda zögen an. In Äthiopien rechnet er sich Chancen aus, wenn die sozialistische Regierung den Rücktransfer der Gewinne zulasse. Im Hof lässt er ein neues Lager bauen, damit er in der Haupthalle weitere Zentrifugen aufstellen kann.

Kenia spielt gern die Lokomotive für das Wachstum in Ostafrika. In Nairobi hat sich ein kaufkräftiger Mittelstand entwickelt, den eine innovative IT-Industrie und die boomende Mobilfunkbranche tragen. Im Nahrungsmittelsektor hat Unilever erst vor Kurzem bekannt gegeben, seine Teefabrik für 150 Millionen Euro auszubauen. IT-Riese IBM eröffnete im Herbst ein Entwicklungszentrum und brach damit eine Lanze für das Bildungsniveau des Landes. Auf deutscher Seite indes ist Beiersdorf einziger Investor mit Produktion.

Demokratischer denn je

Was auch damit zusammenhängt, dass sich negative Afrikabilder tief in die Köpfe der Europäer gebrannt haben. Tatsächlich bekämpfen sich im Südsudan zwei Volksgruppen und werfen das Ölland ökonomisch um Jahre zurück. Was Erinnerungen an den Völkermord in Ruanda weckt, wo in den Neunzigerjahren eine Million Menschen umkamen – und den Blick auf die Tatsache verstellt, das just in jenem Ruanda heute ein vorbildliches Investitionsklima herrscht, mit schlanker Bürokratie und aktiver Standortförderung.

Klar, auch im rohstoffreichen Kongo brodelt es und in Zentralafrika; Somalia gilt als gescheiterter Staat, in dem Terroristen und Piraten das Sagen haben. Dennoch ist der Kontinent, abgesehen von diesen Unruheherden, friedlich und stabil wie nie – man nimmt es nur kaum wahr im Westen. Nach dem Index von Freedom House, der die Zahl der Demokratien misst, waren nach dem Ende des Kalten Krieges drei Viertel der Länder Subsahara-Afrikas nicht demokratisch – heute ist es nur mehr ein Drittel.

Freilich machen die Afrikaner auch heute nicht mit vorbildlicher Regierungsführung von sich reden. Korruption und Bürokratie schütteln die meisten Länder, Schmiergelder sind Teil des Geschäftsgebarens – erst recht, wenn es um staatliche Ausschreibungen geht. Aus westlicher Sicht zieht sich die Korruption wie ein Krebsgeschwür über den Kontinent. Die Afrikanische Union hat errechnet, dass die Region jedes Jahr 148 Milliarden Dollar durch Schmiergeldzahlungen verliert, wobei ein Teil der geflossenen Gelder über den Konsum reinvestiert wird.

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