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Deutschland als Vorbild Taiwans Präsident will sich stärker China annähern

Chinas wachsende Macht drängt Taiwan immer weiter zurück. Präsident Ma sieht in einer Annäherung an den verfeindeten Bruderstaat die einzige Chance. Dafür will er aus der deutschen Geschichte lernen.

Taiwan will sich stärker der Wirtschaftsmacht China annähern. Quelle: dpa

Trotz starker Widerstände will Taiwans Präsident Ma Ying-jeou die Annäherung an China weiter vorantreiben. Dafür will er von den Erfahrungen aus den Beziehungen zwischen beiden deutschen Staaten lernen. „Wir setzen uns intensiv mit der deutschen Geschichte auseinander“, sagte Ma Ying-jeou in einem Interview der Nachrichtenagentur dpa und zwei weiteren Journalisten.

Er gehe davon aus, dass noch bis zum Ende seiner Amtszeit in knapp zwei Jahren ein Büro Taiwans in der Volksrepublik und eines Pekings in Taiwan eröffnet werde. „Das ist keine diplomatische Anerkennung“, betonte der Präsident. Bei den Büros handle es sich nicht um Botschaften. Gleichzeitig hoffe er, im November auf ein Treffen mit Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping beim Gipfel der Asien-Pazifik-Staaten (APEC) in Peking. China habe das bislang jedoch abgelehnt.

Seit Ma vor sechs Jahren in das Präsidentenamt gewählt wurde, strebt er eine Entspannung in den Beziehungen zur Volksrepublik an. Unter seiner Führung haben die seit mehr als sechs Jahrzehnten verfeindeten Seiten in den vergangenen Jahren direkte Flug-, Schiffs- und Postverbindungen aufgenommen. Mit einem Rahmenabkommen für den Handel und weiteren Vereinbarungen legte er die Grundlage für einen Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen.

Die größten deutschen Arbeitgeber in China
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Aber der Kurs ist in Taiwan sehr umstritten. Vergangenes Jahr sanken Mas Umfragewerte auf einen Tiefstand von neun Prozent. Der Widerstand eskalierte im März, als Studenten im Protest gegen ein Handelsabkommen mit dem Festland das Parlament stürmten. Erst nach mehr als drei Wochen zogen sie wieder friedlich ab, nachdem ihnen der Parlamentspräsident zugesichert hatte, das Abkommen nochmals genau zu prüfen.

Für Präsident Ma führt trotzdem kein Weg an einer stärkeren Orientierung am großen Nachbarland vorbei. „Sonst werden wir marginalisiert“, sagte er. Die Proteste der Studierenden hätten keine nachhaltige Auswirkung auf Taiwans Politik. Allerdings müsse die weitere Orientierung an der Volksrepublik der Bevölkerung besser erläutert werden.

Für die weitere Annäherung an Peking sucht Ma Anknüpfungspunkte im Umgang von Ost- und West-Deutschland, der im Jahr 1972 zum Grundlagenvertrag führten. „Das war ein sehr guter Schritt“, sagte Ma. Möglicherweise sei eine Vertretung Taiwans in der Volksrepublik ähnlich der im Jahr 1974 eröffneten Ständigen Vertretung der Bundesrepublik bei der DDR möglich.

Die faszinierenden Metropolen Chinas
Chongqing ist eine Millionenstadt in der Volksrepublik China. Sie liegt auf einer wie ein Komma geformte Halbinsel am Zusammenfluss von Jangtsekiang und Jialing. Das Verwaltungsgebiet der Stadt ist annähernd so groß wie die Fläche von Österreich. Mit 28,85 Millionen Einwohnern gehört Chongqing zu einer der größten Megastädte Chinas. Quelle: Reuters
Guangzhou ist eine Stadt im Süden Chinas mit 8,86 Millionen Einwohnern. Sie ist ein bedeutender Industrie- und Handelsstandort, weshalb sie auch die „Fabrik der Welt“ genannt wird. Im Oktober 2010 wurde in Guangzhou der höchste Fernsehturm der Welt (600 m) eröffnet. Quelle: Reuters
Die Küstenstadt Zhuhai gehört zu der chinesischen Provinz Guangdong und hat eine Einwohnerzahl von 1,45 Millionen. Zhuhai trägt in China den Beinamen „Stadt der Romantik“ aufgrund der vielen Buchten und Küsten. Die Stadt ist sehr sauber, der Lebensstandard sehr hoch. Zhuhai ist ein beliebtes Wochenenddomizil für Geschäftsleute aus Hongkong. Quelle: Reuters
Wuhans Einwohnerzahl beträgt 8,33 Millionen. Die Stadt in der Provinz Hubei besteht aus drei zusammengelegten Städten. Das ebene Stadtbild ist von zahlreichen Seen geprägt. Quelle: Reuters
Die Stadt Chengdu hat 10,44 Millionen Einwohner. Sie hat sich zum Wirtschaftszentrum Westchinas entwickelt. 2006 erreichte Chengdu den vierten Platz der lebenswertesten Städte Chinas. Quelle: dapd
Peking ist die Hauptstadt und das politische Zentrum der Volksrepublik China. Dort leben etwa 17,6 Millionen Einwohner. Durch die dreitausendjährige Geschichte Pekings beherbergt die Stadt ein imposantes Kulturerbe. Quelle: dpa
Dongguan hat 8,2 Millionen Einwohner. Sie liegt östlich des Perlflusses an der Mündung in das chinesische Meer. Viele Auslandschinesen in Hongkong stammen aus Dongguan. Quelle: Reuters

Die Beziehungen zwischen den beiden deutschen Staaten ließen sich allerdings nicht direkt auf die Situation auf beiden Seiten der Straße von Taiwan übertragen. „Wir haben das Prinzip „Ein Deutschland, zwei Staaten“ nicht benutzt.“ Das Verhältnis zwischen Peking und Taipeh sei weder das zwischen zwei Staaten, noch das innerhalb eines Staates. „Es ist eine Beziehung, die es so noch nie in der Geschichte gegeben hat“, sagte er.

Seit der Flucht der nationalchinesischen Kuomintang nach Taiwan betrachtet Peking die Inselrepublik als „untrennbaren Teil Chinas“ und droht mit einer gewaltsamen Rückeroberung, falls sich Taiwan formell unabhängig erklären sollte. Taipeh wiederum ist seit 1949 der Regierungssitz der Republik China, die ebenso wie Peking lange den Anspruch erhoben hat, ganz China zu vertreten.

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