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Donald Trump in Davos Simply the best?

Ich, einfach großartig: Donald Trump in Davos. Quelle: ddp images

Ich, einfach großartig: Der US-Präsident gibt beim Weltwirtschaftsgipfel eine irritierende Mischung aus Wahlkämpfer, Handelsvertreter und Arbeiterführer. Trumps Ego-Ökonomie hält die multilaterale Welthandelsordnung offensichtlich für überkommen.

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Als Donald Trump an diesem Dienstagmittag seine gut 30 Minuten lange Rede auf dem Weltwirtschaftsforum beendet hat, erntet er bestenfalls halbgaren Schlussapplaus. Was für ein Kontrast zu dem, was der US-Präsident zuvor präsentierte: Denn Rede kann man das eigentlich kaum mehr nennen. Selbst für Trumps Verhältnisse einer vor Superlativen, Eigenlob und Anti-Differenzierung ohnehin berstenden Rhetorik ist dieser Auftritt bemerkenswert.

Das von ihm erschaffene „Amerika“ skizziert Trump nicht einfach, er knallt und inszeniert es in Times-Square-großen Neon-Versalien geradezu in die Davoser Alpen – sehr her, was ich vermag. Eine Statistik nach der nächsten rollt durch den Saal, Wachstum, Jobs, Einkommen, Bildung, Aktienmärkte, Innovation, Fabriken – und jede seiner Zahlen markiert, feiert, glorifiziert (angeblich) historische Höchststände und Bestmarken.

Die USA erscheinen einem bei dieser Vorstellung, als habe die US-Regierung mal eben Singapur mit Schweden gekreuzt und per Steuersenkung, Deregulierung und Neuverschuldung eine Wohlstands-„Maschine“ (Trump) geschaffen, die für alle und jeden funktioniert. „Der amerikanische Traum ist zurück“, sagt er. Eben simply the best.
Der US-Präsident gibt beim Weltwirtschaftsgipfel eine irritierende Mischung aus Wahlkämpfer, Handelsvertreter und Arbeiterführer. Irritierend vor allem deswegen, weil Trump nahezu jede Sensibilität vermissen lässt.

Sollte Davos sich (auch noch) als Zauberberg einer Weltordnung verstehen, auf dem Kooperation, Multilateralismus und Freihandel hochgehalten werden, dann ist seine Rede eine nur halbherzig verklausulierte Kriegserklärung. In der Vorstellung des US-Präsidenten ist – ganz vulgärliberal – an alle gedacht, wenn jeder nur an sich denkt; Ökonomie nur als anderes Wort für Egomanie; und die Welthandelsordnung nur dazu da, bilateral zugerichtet zu werden. Dass der Stärkere in dieser Welt seine Stärken ausspielt, um sich und seinen Bürgern einen (kurzfristigen) Vorteil zu verschaffen, ist nicht etwa Ausdruck mangelnder Weitsicht, sondern schlicht wirtschaftspolitische Staatsräson. It’s the nation, stupid.

Trump inszeniert sich in der Schweiz keinen Deut anders als zuhause. An niemand anderes als die Wählerschaft auf der anderen Seite des Atlantiks ist die Ansprache schließlich zu allererst gerichtet: Hier spricht klassisch populistisch der einzig wahre Volksvertreter. Hier plädiert der Anwalt der Arbeiter, denen das jahrzehntelang regierende Establishment nicht nur keine Hilfe bot, sondern angeblich tatenlos ausbluten ließ. Fesseln und binden, so viel wird klar, will sich Trump von niemandem, weder von Klimaschutzaktivisten noch von „radikalen Sozialisten“ oder „Pessimisten“.

Ich, ich, und dann lange nichts. Es war, nach 2018, Donald Trumps zweite Rede in Davos. Welche er 2021 oder 2022 nach einer möglichen Wiederwahl halten könnte, mit welchen Inhalten, man mag es sich heute gar nicht ausmalen.

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