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Donald Trump So steht es um den „großartigsten Golfplatz der Welt“

Donald Trump wollte in Schottland „den großartigsten Golfplatz“ der Welt bauen und tausende von Jobs schaffen. Verwirklicht hat er nur einen Bruchteil des versprochenen Projekts. Quelle: dpa

Donald Trump wollte in Schottland einen Golfplatz der Superlative bauen und Tausende Jobs schaffen. Verwirklicht hat Trump nur einen Bruchteil des versprochenen Projekts und dabei für jede Menge Ärger gesorgt.

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David Milnes mexikanische Flagge sieht mitgenommen aus. Sie hängt an einem Fahnenmast auf dem Dach seines Hauses. Die schroffen Nordseewinde haben sie in der Mitte durchgerissen. „Ich muss die mal austauschen“, sagt Milne und mustert sie skeptisch. Er habe auch schon Ersatz besorgt, gibt er zu. Nur die Zeit und Muße, eigens deswegen aufs Dach zu steigen, habe er noch nicht gehabt.

Die ramponierte Flagge ist der sichtbarste Hinweis auf einen Nachbarschaftsstreit, der David Milne und seine Frau Moira auf Jahre hin beschäftigt hat und der in Schottland für viel Aufsehen gesorgt hat. Sie ist als Zeichen von Solidarität gedacht. Denn der Nachbar, mit dem die Milnes großen Ärger hatten, ist derselbe Mann, der auch mit Mexiko regelmäßig Streit sucht: Donald J. Trump.

Das Haus der Milnes, ein funktionaler, gelb-brauner Flachdachbau, thront auf einem Hügel über der dramatischen Küstenlandschaft rund 15 Kilometer nördlich von Aberdeen im Nordosten Schottlands. Direkt darunter liegen die „Trump International Golf Links“, laut ihrem Namensgeber „der großartigste Golfplatz“ der Welt. Da die Grundstücke der Milnes und einiger anderer Anwohner teilweise oder ganz auf dem Gelände von Trumps Anwesen liegen, hat Trump jahrelang versucht, sie dazu zu bewegen, sie ihm zu verkaufen. Als das nicht klappte, ging Trump in die Offensive. Dabei ging er derartig rabiat gegen seine Nachbarn vor, wie er es derzeit als Präsident mit ganzen Ländern tut.

Donald Trump im April 2006 mit Plänen für ein neues Clubhaus nahe Menie Estate, Balmedie. Zwei Golfplätze mit je 18 Löchern sollten auf dem Anwesen entstehen, dazu ein Luxushotel mit 450 Zimmern, ein Konferenzzentrum, ein Heilbad, drei Dutzend Golfvillen, 950 Ferienhäuser, Unterkünfte für 400 Angestellte und ein neues Wohnviertel, das aus 500 Häusern bestehen sollte. Quelle: AP

Hochtrabende Pläne

2006 hat Trump das Menie Estate gekauft, ein Anwesen aus dem 14. Jahrhundert, zu dem fast sechs Quadratkilometer Land gehören. Das Gelände wurde damals vor allem für Jagden genutzt. Das Projekt, von dem Trump damals sprach, hätte monumentaler kaum sein können: Zwei Golfplätze mit je 18 Löchern wollte er auf dem Gelände bauen, dazu ein Luxushotel mit 450 Zimmern, ein Konferenzzentrum, ein Heilbad, drei Dutzend Golfvillen, 950 Ferienhäuser, Unterkünfte für 400 Angestellte und ein neues Wohnviertel, das aus 500 Häusern bestehen sollte. Trump versprach der wirtschaftlich angeschlagenen Region Investitionen in Höhe von einer Milliarde Pfund und Tausende von Arbeitsplätzen.

David Milnes Haus liegt auf einem Hügel über der dramatischen Küstenlandschaft rund 15 Kilometer nördlich von Aberdeen im Nordosten Schottlands. Direkt darunter liegen die „Trump International Golf Links“, laut ihrem Namensgeber „der großartigste Golfplatz“ der Welt. Quelle: Sascha Zastiral für WirtschaftsWoche

Die Milnes bekamen 2006 zum ersten Mal mit, dass etwas im Gange war. David Milne sitzt jetzt in einem tiefen schwarzen Ledersessel im großen, gemütlichen Wohnzimmer der Familie. Er ist Mitte 50 und ein stämmiger Typ mit freundlichen Augen. Sein langer, gepflegter, graumelierter Schottenbart würde wohl so manchen Hipster vor Neid erblassen lassen.

Damals, 2006, sei plötzlich ein Mann bei ihnen zu Hause aufgetaucht, der sich als Peter White vorgestellt habe, erzählt Milne. „Er sagte uns, dass er einmal bei einer Jagd auf dem Anwesen gewesen sei, dass er die Landschaft liebe und sich in der Gegend ein Haus kaufen wolle.“ Der ominöse Käufer habe allerdings nur einen sehr niedrigen Preis angeboten, erzählt Milne weiter. So oder so habe er kein Interesse daran gehabt, sein Haus zu verkaufen, fügt er hinzu. Der Käufer habe es noch bei einigen anderen Nachbarn versucht. Ebenfalls ohne Erfolg.

Kurz darauf erfuhren die Anwohner davon, dass Donald Trump das Grundstück gekauft hat. Der damals in Schottland noch weitgehend unbekannte Immobilientycoon und sein Team luden die Anwohner zu einem Treffen ein, um über Trumps Pläne zu sprechen. Bei dem Treffen sahen die Nachbarn den mysteriösen Käufer wieder. Sein voller Name: Neil Peter White Hobday. Trumps Projektmanager.

Trumps Vorhaben löste von Anfang an Entsetzen bei Umweltschützern aus, denn der Bau der Golfplatzes stellte einen enormen Eingriff in die Natur dar. Die Golfplätze sollten zum Teil in eine Landschaft aus Wanderdünen geschlagen werden, die in Schottland einzigartig ist. Quelle: imago images

Zu Beginn hätten er und seine Frau gar nichts gegen die Vorstellung gehabt, das Gelände des Anwesens für ein Tourismusprojekt zu nutzen. „Dann haben wir die ersten Baupläne gesehen, und die waren einfach nur lächerlich“, sagt Milne, der früher einmal aus Bauinspektor für die Lokalverwaltung gearbeitet hat. „Das Projekt hat nicht in die Gegend gepasst, war viel zu groß und unter Umweltgesichtspunkten inakzeptabel.“

Trump erhöhte noch mehrmals den Betrag, den er den Milnes für ihr Haus bot – zuletzt auf 230.000 Pfund. Doch selbst das sei gerade einmal die Hälfte des damaligen Marktwerts gewesen, sagt David Milne. Das sei typisch für Trump, fügt er hinzu. „Trump schätzt nichts, das nicht seinen Namen trägt. Und er respektiert andere Leute nicht. Er denkt: Die sind nichts wert, warum soll ich denen Geld geben. Das ist nur Abschaum. Werdet sie los.“

Doch Trump ließ nicht locker. Auf Filmaufnahmen aus dem Jahr 2010 ist zu sehen, wieso. Sie zeigen den Immobilientycoon bei einem Besuch des Anwesens. Trump sitzt auf dem Beifahrersitz eines Range Rovers. Er deutet nach oben, auf das Haus der Milnes. „Ich möchte dieses Haus loswerden“, sagt Trump. Jemand wendet ein, dass das „für ein bisschen Ärger“ sorgen könnte. „Wen interessiert's, wen interessiert's, weißt du, wen interessiert's“, antwortet Trump. „Wir werden den großartigsten Golfplatz der Welt bauen, und dieses Haus ist hässlich.“

Politischer Streit

Eines Tages tauchten Arbeiter vor dem Haus der Milnes auf und errichteten einen Zaun um ihr Grundstück. Anschließend schickte ihnen Trump eine Rechnung über rund 2500 Pfund, die Hälfte der angeblichen Kosten. David Milne zahlte die Rechnung nicht. Kurz darauf schichteten Arbeiter mit Baggern einen meterhohen Erdwall an der Seite des Milne-Grundstücks auf, das zum Landesinneren zeigt. Trumps Mitarbeiter legten in dieser Zeit auch Pläne vor, die angeblich belegen sollten, dass sich ein Teil der Garage der beiden auf Trumps Gelände befinde – ein weiteres Druckmittel. Auf dem Hang vor dem Haus der Milnes pflanzten Trumps Arbeiter Krüppelkiefern, um das Haus auf dem Hang vor den Augen der Golfer zu verbergen. Doch die Bäume hielten dem schroffen Klima nicht stand und mussten bereits ersetzt werden. Und auch die zweite Generation an Krüppelkiefern hängt windschief auf dem Hang.

David Milne revanchierte sich einige Jahre später. Als Trump während des Präsidentschaftswahlkampfes begann, davon zu sprechen, dass er eine Mauer an der Grenze zu Mexiko errichten und Mexiko dafür bezahlen lassen werde, besorgte sich Milne eine mexikanische Flagge und hisste sie auf seinem Dach. Sie ist nun, genauso wie das Haus der Milnes, von weiten Teilen des Golfplatzes aus zu sehen.

Auch auf der politischen Ebene ging es nicht weniger turbulent zu. Der Abschwung in der Ölindustrie hat die Region um Aberdeen hart getroffen. Ein Großprojekt, das Tausende Arbeitsplätze schaffen und Touristen in die Gegend holen könnte, klang daher verlockend.

Die ramponierte Flagge ist der sichtbarste Hinweis auf einen Nachbarschaftsstreit, der David Milne und seine Frau Moira auf Jahre hin beschäftigt hat und der in Schottland für viel Aufsehen gesorgt hat. Sie ist als Zeichen von Solidarität gedacht. Denn der Nachbar, mit dem die Milnes großen Ärger hatten, ist derselbe Mann, der auch mit Mexiko regelmäßig Streit sucht: Donald J. Trump. Quelle: Sascha Zastiral für WirtschaftsWoche

Doch Trumps Vorhaben löste von Anfang an Entsetzen bei Umweltschützern aus. Denn die Golfplätze sollten zum Teil in eine Landschaft aus Wanderdünen geschlagen werden, die in Schottland einzigartig ist. Das Gelände trug den Status „Standort von besonderem wissenschaftlichen Interesse“ und stand unter Schutz. Die Dünen wanderten damals bis zu elf Meter im Jahr und boten eine große Artenvielfalt.

In der Regionalverwaltung, dem Aberdeenshire Council, kam es zu hitzigen Debatten. Nach etlichen Sitzungen, Streits und Protesten lehnte der Rat Trumps Pläne Ende 2007 ab. Die Ratsmitglieder, die einen zu schwerwiegenden Eingriff in die geschützte Landschaft befürchteten, setzten sich durch.

Doch dann geschah etwas höchst Kontroverses: Die schottische Landesregierung in Edinburgh überstimmte die Regionalverwaltung – und erteilte Trump Ende 2008 die Baugenehmigung. Der Erste Minister Schottlands, Alex Salmond, der zugleich als Abgeordneter für Aberdeenshire im schottischen Parlament saß, sorgte persönlich dafür, dass Trump mit den Bauarbeiten beginnen konnte.

Ein dickes, schwarzes Schild neben dem Clubhaus des Golfplatzes. Auf ihm steht in goldenen Lettern eine Widmung, die klingt, als habe sie Trump persönlich diktiert: „Trump International Golf Links, Schottland, wurde von Donald J. Trump konzipiert und gebaut und am 10. Juli 2012 offiziell eröffnet.“ Der Golfplatz sei umgeben „von den größten Dünen der Welt“, heißt es weiter. „Das beispiellose Endergebnis ist nach Meinung Vieler der großartigste Golfplatz der Welt!“ Quelle: Sascha Zastiral für WirtschaftsWoche

Ein dickes, schwarzes Schild neben dem Clubhaus des Golfplatzes erinnert heute an dessen Eröffnung vier Jahre später. Auf ihm steht in goldenen Lettern eine Widmung, die klingt, als habe sie Trump persönlich diktiert: „Trump International Golf Links, Schottland, wurde von Donald J. Trump konzipiert und gebaut und am 10. Juli 2012 offiziell eröffnet.“ Der Golfplatz sei umgeben „von den größten Dünen der Welt“, heißt es weiter. „Das beispiellose Endergebnis ist nach Meinung vieler der großartigste Golfplatz der Welt!“ Es ist ein typischer Trump: Die Dünen sind natürlich weit davon entfernt, „die größten der Welt“ zu sein.

Der Bau der Golfplatzes stellte einen enormen Eingriff in die Natur dar. Arbeiter haben einen großen, beleuchteten Parkplatz wie eine Schneise in die Dünenlandschaft geschlagen. Neben dem Parkplatz liegt das Clubhaus, das wie ein historisches Gebäude aussehen soll. Es beherbergt ein großes Restaurant und einen Golfladen. Die 18 Löcher des Golfplatzes mit ihren künstlich angelegten Rasenflächen gehen nach Norden und Süden von dem Clubhaus ab. Die Dünen, die noch übrig sind, wurden bei den Bauarbeiten stabilisiert und bewegen sich heute nicht mehr. Die Anlage erinnert eher an einen Park als an eine natürliche, lebendige Landschaft.

Außer dem Golfplatz und dem Clubhaus hat Trump bis heute kaum etwas von seinen überschwänglichen Plänen verwirklicht. Anstatt des großen Luxushotels mit seinen 450 Zimmern gibt es heute auf dem Gelände nur 16 Zimmer in einem ehemaligen Landgut. Es trägt den Namen MacLeod House, nach Trumps schottischer Mutter, Mary-Anne MacLeod. Von den geplanten Heilbad, den Golfvillen und den 950 Ferienhäusern fehlt jede Spur. Quelle: Sascha Zastiral für WirtschaftsWoche

Doch außer dem Golfplatz und dem Clubhaus hat Trump bis heute kaum etwas von seinen überschwänglichen Plänen verwirklicht. Anstatt des großen Luxushotels mit seinen 450 Zimmern gibt es heute auf dem Gelände nur 16 Zimmer in einem ehemaligen Landgut. Es trägt den Namen MacLeod House, nach Trumps schottischer Mutter, Mary-Anne MacLeod. Von dem geplanten Heilbad, den Golfvillen und den 950 Ferienhäusern fehlt jede Spur. Auch nach den Arbeitsplätzen, die das Projekt schaffen sollte, sucht man vergeblich. Laut der Trump Organization arbeiten auf dem Gelände heute gerade einmal 150 Menschen – Teilzeitkräfte mitgerechnet. Anstelle der versprochenen Milliardeninvestition hat Trump nach eigenen Angaben gerade einmal 100 Millionen Pfund investiert. Kritiker bezweifeln selbst diese Zahl.

Trump erklärte nach der Eröffnung des Golfplatzes, dass er den Ausbau seines Projekte gestoppt habe, bis klar sei, was aus dem geplanten Windpark vor der Küste von Aberdeen werden würde.

Trumps Kampf gegen die Windmühlen

Die Pläne für den Windpark stammen noch aus den 2000er-Jahren. Im August 2011 reichte die Aberdeen Renewable Energy Group (AREG) gemeinsam mit dem Energiekonzern Vattenfall und dem französischen Anlagenbauunternehmen Technip einen Bauantrag für elf große, fast 200 Meter hohe Windräder ein. Es sollte eine der modernsten Anlagen in Europa werden und genügend Strom für 80.000 Haushalte erzeugen.

Donald Trump ging sofort mit allen Mitteln dagegen vor. Die Trump Organization legte Widerspruch gegen den Planungsantrag ein. In einer Anhörung vor dem schottischen Parlament erklärte Trump, Windparks zerstörten die Umwelt und den Tourismus und könnten zu landesweiten Unruhen führen. „Die sind so unattraktiv, so hässlich, so laut und gefährlich, dass Schottland, wenn es das macht, ernsthafte Probleme bekommen wird.“ Die Abgeordneten fragten ihn daraufhin, welche Belege er dafür habe, dass Windkraftanlagen die schottische Wirtschaft beschädigen könnten. „Ich werde als ein Weltklasse-Experte im Tourismus angesehen“, antwortete Trump und fügte, ohne erkennbare Ironie, hinzu: „Ich bin der Beleg.“

Das schottische Parlament zeigte sich unbeeindruckt, und auch die Gerichte wiesen Trumps Versuche, den Windpark zu stoppen, in drei Instanzen zurück. Seit dem Sommer 2018 erzeugt der Windpark Strom.

Trump scheiterte mit seinem Kampf gegen die Windmühlen in drei Instanzen. Seit dem Sommer 2018 erzeugt der Windpark vor der Küste von Aberdeen Strom. Im Vordergrund: Das Clubhaus des Trump International. Quelle: Sascha Zastiral für WirtschaftsWoche

Viele von Trumps einstigen Unterstützern sind heute wütend, weil Trump große Teile seines Projekts nicht verwirklicht hat. Der Vorsitzende des Aberdeenshire Councils etwa, Jim Gifford, rief Trump Ende 2017 dazu auf, sein Versprechen zu erfüllen und die Anlage fertig zu bauen. Der BBC sagte Gifford, dass der Golfplatz in seiner jetzigen Form nicht die wirtschaftlichen Vorzüge bringe, die Trump versprochen habe. Auch Alex Salmond, der als Erster Minister dafür gesorgt hat, dass Trumps Projekt genehmigt wurde, erklärte im vergangenen Jahr, dass er es mittlerweile bereue, Trump damals unterstützt zu haben.

Die geschäftsführende Vizepräsidentin von Trump Golf Scotland, Sarah Malone, wies gegenüber der BBC den Vorwurf zurück, dass Trump seine früheren Versprechen gebrochen habe. „Wir sind noch nicht fertig“, erklärte sie. „Es ist ein mehrstufiges Projekt, und wir sind ja nicht dumm. Das wäre nie über Nacht gebaut worden.“ Auf die Frage, wieso nur ein Teil des versprochenen Geldes investiert worden ist, antwortete Malone: „Selbst, wenn wir nur 10 Millionen Pfund ausgegeben hätten, sollte das gefeiert werden.“ Auf eine mehrmalige Bitte um eine weiterführende Stellungnahme gegenüber der WirtschaftsWoche reagierte Trump Golf Scotland nicht.

Der Rat von Aberdeenshire erklärte auf Anfrage, dass derzeit mehrere Bauanträge durch Trumps Firma vorlägen. In einem davon aus dem vergangenen Jahr gehe es um den Bau von 500 Wohn- und Ferienhäusern und 50 kommerziellen Gebäuden. Die geplanten Unterkünfte seien „als Alternative zu dem Hotel“ gedacht, heißt es in der Antwort des Rates weiter. Zudem liege ein Bauantrag für einen zweiten Golfplatz vor.

Der Golfplatz macht Verluste

Würde das den wirtschaftlichen Durchbruch bringen? Bei einem Besuch der umstrittenen Golfanlage wird schnell klar, dass es nicht gut läuft. Auf dem großen Parkplatz stehen an diesem Nachmittag im Juni nur einige wenige Autos, die wohl nicht Mitarbeitern der Anlage gehören. Auch im Restaurant ist kaum etwas los. Auf dem Golfplatz selbst sind an diesem Tag nur eine Handvoll Golfer zu sehen. Das Online-Nachrichtenmagazin Business Insider hat kürzlich bei einer Recherche herausgefunden, dass Trumps Golfplatz seit seiner Eröffnung jedes Jahr zwischen rund 800.000 und 1,8 Millionen Pfund verloren hat.

Das Clubhaus des Trump International soll wie in historisches Gebäude aussehen. Es beherbergt ein großes Restaurant und einen Golfladen. Die 18 Löcher des Golfplatzes mit ihren künstlich angelegten Rasenflächen gehen nach Norden und Süden von dem Clubhaus ab. Quelle: Sascha Zastiral für WirtschaftsWoche

Stewart Spence möchte von solcher Kritik nichts hören. Er ist in seinen frühen Siebzigern und sitzt im Foyer des luxuriösen Marcliffe-Hotels in Aberdeen, das ihm gehört, auf einem Sofa. „Ich kann Trump nicht genug dafür danken, dass er den Golfplatz gebaut hat“, sagt Spence. „Das hat so einen großen Unterschied gemacht. Wir hatten hier in Aberdeen einen schweren Abschwung in der Ölindustrie. Jetzt bringen die Golfer das Geld, das wir früher über das Öl bekommen haben.“

Der Golfplatz selbst scheint jedoch nur Verluste zu machen. „Aber er funktioniert für uns“, versichert Spence. Denn jetzt blieben Besucher, die in die Gegend kämen, um Golf zu spielen, eine zusätzliche Nacht. Davon profitierten sowohl die Hotels als auch die Restaurants in der Region. Der Golfplatz bringe „sehr viel mehr Touristen“ in die Region, „als es die Sanddünen je tun würden“, sagt Spence. Das Hotel habe er Trump allerdings bei einem gemeinsamen Abendessen ausgeredet, fügt er dann hinzu. „Ich habe ihm gesagt: Es wird okay sein, es im Sommer zu füllen. Aber nicht im Winter, denn es liegt am Strand.“ Das habe Trump eingesehen.

Auch die Sorgen der Umweltschützer hätten sich als unbegründet erwiesen, glaubt Spence. „Alle Tiere und Vögel, die da je gelebt haben, sind alle noch dort“, sagt der Hotelier. Dann fügt er, wenig plausibel, hinzu: „Und das in einer höheren Zahl als früher. Denn es ist ja ein Golfplatz.“

Wie das Nachrichtenmagazin Business Insider kürzlich bei einer Recherche herausgefunden hat, hat Trumps „großartigster Golfplatz“ der Welt seit seiner Eröffnung jedes Jahr zwischen rund 800.000 und 1,8 Millionen Pfund verloren. Quelle: Sascha Zastiral für WirtschaftsWoche

Experten zeichnen ein weniger rosiges Bild. Scottish Natural Heritage, die Behörde, die für den Erhalt von Schottlands Naturerbe verantwortlich ist, kommt in internen Dokumenten zu dem Schluss, dass Trumps Golfanlage das fragile Dünensystem „teilweise zerstört“ hat. „Der Bau des neuen Golfplatzes (..) hat die natürliche Morphologie der Dünen beeinflusst und natürliche Prozesse gestört“, heißt es in einem Bericht, den die Behörde nach einer Informationsfreiheits-Anfrage öffentlich machen musste. „Die meisten der wichtigen geomorphologischen Merkmale sind verloren gegangen oder zu Fragmenten reduziert worden.“

Die Anfrage eingereicht hat Bob Ward, Politik-Direktor des „Grantham Research Institutes on Climate Change and the Environment“ der London School of Economics. „Diese Dokumente zeigen, dass beträchtlicher Schaden (..) angerichtet worden ist“, sagte Ward der Wochenzeitung The Observer. Es sei nun „sehr unwahrscheinlich“, dass die Landschaft ihren geschützten SSSI-Status behalten werde.

Ward sollte Recht behalten: Im Juni 2019 erklärte Scottish Natural Heritage, dass es vermutlich nicht länger einen Grund dafür gebe, den geschätzten Status der Dünen aufrechtzuerhalten. Sally Thomas von Scottish Natural Heritage erklärte, in den Dünen seien nicht länger eine ausreichende Zahl von den „speziellen natürlichen Merkmalen“ vorhanden, die den Ausschlag zu der Vergabe des SSSI-Status gegeben hätten. Das macht es sehr wahrscheinlich, dass die Dünen bald ihren speziellen Status verlieren werden.

Die Vizepräsidentin von Trump International Golf Links Scotland, Sarah Malone, reagierte verärgert. Sie bezeichnete die Ankündigung gegenüber der BBC als „Schande“ und sprach von einer „politisch motivierten Entscheidung“.

Woher stammt das Geld?

Ein wesentlicher Aspekt des kontroversen Projekts liegt dabei bis heute im Dunkeln: Woher stammt das Geld, das Trump so verlustbringend angelegt hat? Der Erwerb des Menie-Anwesens markierte dabei nur den Beginn eines regelrechten Kaufrauschs, zu dem Trump 2006 angesetzt hat. Und der wirft zahlreiche Fragen auf.

Die Washington Post kam in einer aufwendigen Recherche zu dem Schluss, dass Trump zwischen 2006 und 2015, dem Jahr, in dem er seine Präsidentschaftskampagne gestartet hat, für mehr als 400 Millionen Dollar Immobilien erworben hat. Das Ungewöhnliche: Er hat dabei wohl jedes Mal in bar bezahlt.

Das sei aus einer ganzen Reihe von Gründen ungewöhnlich, schreibt die Washington Post weiter: Trump habe in der Vergangenheit immer gerne damit geprahlt, dass er seine Geschäfte mit geliehenem Geld gemacht habe und habe seine Deals in aller Regel mit Krediten finanziert. 2006 habe er plötzlich ohne erkennbaren Grund begonnen, Hunderte Millionen Dollar in Cash auszugeben. Dabei seien solche Bargeld-Transaktionen in der Immobilienbranche eher unüblich, schreibt die Washington Post weiter. Der Bankencrash 2008 habe den Immobiliensektor insgesamt schwer getroffen, ein Konkurs im Jahr danach das Trump-Firmenimperium zusätzlich belastet. Dennoch habe Trump auch danach weiter Zugang zu weitaus mehr Geld gehabt, als zu erwarten gewesen wäre.

Scottish Natural Heritage, die Behörde, die für den Erhalt von Schottlands Naturerbe verantwortlich ist, kommt in internen Dokumenten zu dem Schluss, dass Trumps Golfanlage das fragile Dünensystem „teilweise zerstört“ hat. Quelle: imago images

Eine möglichen Hinweis darauf, woher das Geld stammte, bekam laut eigenen Angaben der Sport-Journalist und Autor James Dodson. Er habe Trumps Sohn Eric bei einem gemeinsamen Golfspiel 2014 gefragt, woher das viele Geld stamme, das die Firma seines Vaters in Golfplätze investiere, sagte Dodson 2017. Eric Trump habe darauf geantwortet: „Wir bekommen alle Mittel, die wir brauchen, aus Russland.“ Es gebe in Russland „ein paar Typen, die Golf wirklich, wirklich lieben, und die sind an unseren Programmen interessiert. Wir gehen die ganze Zeit dorthin.“ Eric Trump bestritt danach, die Aussage getätigt zu haben.

Das Magazin New Yorker beschreibt in einer Geschichte aus dem vergangenen Jahr die engen Kontakte in die ehemaligen Sowjetrepubliken, die Trumps Firma unterhält. Bei Geschäften in Kanada, Panama, der Dominikanischen Republik, Aserbaidschan und Georgien habe Trump mit Geschäftsleuten aus der früheren Sowjetunion zusammengearbeitet. All diese Geschäftsabschlüsse seien über Limited Liability Companies abgewickelt worden (LLC, Unternehmen mit beschränkter Haftung). Und die seien besonders anfällig für Geldwäsche-Operationen.

„Obwohl wir nicht sagen können, dass Trump selbst wissentlich an Geldwäsche beteiligt war“, schreibt der New Yorker, „wissen wir mit Sicherheit, dass ein Großteil seines Geschäfts in den letzten zehn Jahren in den für Geldwäsche bekanntesten Branchen erfolgt ist, an Orten, die der Geldwäsche am förderlichsten sind, und dass er mit Menschen zu tun hatte, die die wichtigsten Merkmale von Geldwäschern haben.“

Ging es Trump letzten Endes nur darum, Häuser auf geschütztem Land bauen und mit großem Profit verkaufen zu dürfen? Quelle: dpa

Ging es nur um das Land?

Die Journalistin Suzanne Kelly verfolgt die Entwicklungen um Trumps Golfplatz in Aberdeenshire seit Jahren. Ihre Erkenntnisse hat sie in einem kürzlich veröffentlichen Buch zusammengefasst. Kelly glaubt, dass Trump den Golfplatz in erster Linie gebaut habe, um ihn „als Abschreibungsmöglichkeit“ zu nutzen, also um Gewinne, die er anderswo erwirtschaftet, „wegzurechnen“. Darüber hinaus werde Trump unter Umständen bald die Genehmigung erhalten, die er braucht, um „auf eigentlich geschütztem Land billige Häuser zu bauen.“

Könnte es sein, dass das von Anfang an Trumps eigentliches Ziel war? Die überschwänglichen Ankündigungen, das Versprechen, in einer wirtschaftlich angeschlagenen Region Tausende von Jobs zu schaffen: Ging es Trump letzten Endes nur darum, Häuser auf geschütztem Land bauen und mit großem Profit verkaufen zu dürfen?

Einige von Trumps Aussagen erwecken den Eindruck, dass genau das der Fall ist. Auf seine Verluste machenden Golfplätze in Schottland und Irland angesprochen, sagte Trump in einem Interview mit der Washington Post, dass es sich bei den Projekten nicht um „Golf-Investitionen“ handele. Es seien „Bebauung-Deals“. Über das Menie-Anwesen sagte er: „Ich habe das zu einen sehr geringen Preis gekauft, denn man konnte (mit dem Land) nichts machen. (..) Theoretisch durfte man über die Dünen nicht einmal gehen, ganz zu Schweigen davon, einen Golfplatz zu bauen.“ Nun sei er aber in der Lage, dort „Tausende von Häusern“ zu bauen, fügte Trump hinzu. Und das werde er eines Tages auch tun.

David und Moira Milne sind derzeit vor allem froh darüber, dass sie Trump nur noch in den Nachrichten sehen. Seit dem Beginn seiner Präsidentschaftskandidatur 2015 sei es um den Golfplatz ruhiger geworden. Die beiden genießen die Ruhe.

Wie es weitergehen werde, hänge jetzt davon ab, ob Trump die Bewilligung für den Bau von 550 Häusern erhalten werde, sagt David Milne. „Wenn das durchgeht, dann könnte es wieder Ärger geben. Wenn der Aberdeenshire Council den Antrag ablehnt – und das müsste er eigentlich tun – wird sich Trump wohl zurückziehen.“ Dann würde man wohl eines Tages erfahren, dass der Golfplatz einen neuen Besitzer hat. Seine mexikanische Flagge könnte David Milne dann wieder abhängen.

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