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Donald Trump So steht es um den „großartigsten Golfplatz der Welt“

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Trumps Kampf gegen die Windmühlen

Die Pläne für den Windpark stammen noch aus den 2000er-Jahren. Im August 2011 reichte die Aberdeen Renewable Energy Group (AREG) gemeinsam mit dem Energiekonzern Vattenfall und dem französischen Anlagenbauunternehmen Technip einen Bauantrag für elf große, fast 200 Meter hohe Windräder ein. Es sollte eine der modernsten Anlagen in Europa werden und genügend Strom für 80.000 Haushalte erzeugen.

Donald Trump ging sofort mit allen Mitteln dagegen vor. Die Trump Organization legte Widerspruch gegen den Planungsantrag ein. In einer Anhörung vor dem schottischen Parlament erklärte Trump, Windparks zerstörten die Umwelt und den Tourismus und könnten zu landesweiten Unruhen führen. „Die sind so unattraktiv, so hässlich, so laut und gefährlich, dass Schottland, wenn es das macht, ernsthafte Probleme bekommen wird.“ Die Abgeordneten fragten ihn daraufhin, welche Belege er dafür habe, dass Windkraftanlagen die schottische Wirtschaft beschädigen könnten. „Ich werde als ein Weltklasse-Experte im Tourismus angesehen“, antwortete Trump und fügte, ohne erkennbare Ironie, hinzu: „Ich bin der Beleg.“

Das schottische Parlament zeigte sich unbeeindruckt, und auch die Gerichte wiesen Trumps Versuche, den Windpark zu stoppen, in drei Instanzen zurück. Seit dem Sommer 2018 erzeugt der Windpark Strom.

Trump scheiterte mit seinem Kampf gegen die Windmühlen in drei Instanzen. Seit dem Sommer 2018 erzeugt der Windpark vor der Küste von Aberdeen Strom. Im Vordergrund: Das Clubhaus des Trump International. Quelle: Sascha Zastiral für WirtschaftsWoche

Viele von Trumps einstigen Unterstützern sind heute wütend, weil Trump große Teile seines Projekts nicht verwirklicht hat. Der Vorsitzende des Aberdeenshire Councils etwa, Jim Gifford, rief Trump Ende 2017 dazu auf, sein Versprechen zu erfüllen und die Anlage fertig zu bauen. Der BBC sagte Gifford, dass der Golfplatz in seiner jetzigen Form nicht die wirtschaftlichen Vorzüge bringe, die Trump versprochen habe. Auch Alex Salmond, der als Erster Minister dafür gesorgt hat, dass Trumps Projekt genehmigt wurde, erklärte im vergangenen Jahr, dass er es mittlerweile bereue, Trump damals unterstützt zu haben.

Die geschäftsführende Vizepräsidentin von Trump Golf Scotland, Sarah Malone, wies gegenüber der BBC den Vorwurf zurück, dass Trump seine früheren Versprechen gebrochen habe. „Wir sind noch nicht fertig“, erklärte sie. „Es ist ein mehrstufiges Projekt, und wir sind ja nicht dumm. Das wäre nie über Nacht gebaut worden.“ Auf die Frage, wieso nur ein Teil des versprochenen Geldes investiert worden ist, antwortete Malone: „Selbst, wenn wir nur 10 Millionen Pfund ausgegeben hätten, sollte das gefeiert werden.“ Auf eine mehrmalige Bitte um eine weiterführende Stellungnahme gegenüber der WirtschaftsWoche reagierte Trump Golf Scotland nicht.

Der Rat von Aberdeenshire erklärte auf Anfrage, dass derzeit mehrere Bauanträge durch Trumps Firma vorlägen. In einem davon aus dem vergangenen Jahr gehe es um den Bau von 500 Wohn- und Ferienhäusern und 50 kommerziellen Gebäuden. Die geplanten Unterkünfte seien „als Alternative zu dem Hotel“ gedacht, heißt es in der Antwort des Rates weiter. Zudem liege ein Bauantrag für einen zweiten Golfplatz vor.

Der Golfplatz macht Verluste

Würde das den wirtschaftlichen Durchbruch bringen? Bei einem Besuch der umstrittenen Golfanlage wird schnell klar, dass es nicht gut läuft. Auf dem großen Parkplatz stehen an diesem Nachmittag im Juni nur einige wenige Autos, die wohl nicht Mitarbeitern der Anlage gehören. Auch im Restaurant ist kaum etwas los. Auf dem Golfplatz selbst sind an diesem Tag nur eine Handvoll Golfer zu sehen. Das Online-Nachrichtenmagazin Business Insider hat kürzlich bei einer Recherche herausgefunden, dass Trumps Golfplatz seit seiner Eröffnung jedes Jahr zwischen rund 800.000 und 1,8 Millionen Pfund verloren hat.

Das Clubhaus des Trump International soll wie in historisches Gebäude aussehen. Es beherbergt ein großes Restaurant und einen Golfladen. Die 18 Löcher des Golfplatzes mit ihren künstlich angelegten Rasenflächen gehen nach Norden und Süden von dem Clubhaus ab. Quelle: Sascha Zastiral für WirtschaftsWoche

Stewart Spence möchte von solcher Kritik nichts hören. Er ist in seinen frühen Siebzigern und sitzt im Foyer des luxuriösen Marcliffe-Hotels in Aberdeen, das ihm gehört, auf einem Sofa. „Ich kann Trump nicht genug dafür danken, dass er den Golfplatz gebaut hat“, sagt Spence. „Das hat so einen großen Unterschied gemacht. Wir hatten hier in Aberdeen einen schweren Abschwung in der Ölindustrie. Jetzt bringen die Golfer das Geld, das wir früher über das Öl bekommen haben.“

Der Golfplatz selbst scheint jedoch nur Verluste zu machen. „Aber er funktioniert für uns“, versichert Spence. Denn jetzt blieben Besucher, die in die Gegend kämen, um Golf zu spielen, eine zusätzliche Nacht. Davon profitierten sowohl die Hotels als auch die Restaurants in der Region. Der Golfplatz bringe „sehr viel mehr Touristen“ in die Region, „als es die Sanddünen je tun würden“, sagt Spence. Das Hotel habe er Trump allerdings bei einem gemeinsamen Abendessen ausgeredet, fügt er dann hinzu. „Ich habe ihm gesagt: Es wird okay sein, es im Sommer zu füllen. Aber nicht im Winter, denn es liegt am Strand.“ Das habe Trump eingesehen.

Auch die Sorgen der Umweltschützer hätten sich als unbegründet erwiesen, glaubt Spence. „Alle Tiere und Vögel, die da je gelebt haben, sind alle noch dort“, sagt der Hotelier. Dann fügt er, wenig plausibel, hinzu: „Und das in einer höheren Zahl als früher. Denn es ist ja ein Golfplatz.“

Wie das Nachrichtenmagazin Business Insider kürzlich bei einer Recherche herausgefunden hat, hat Trumps „großartigster Golfplatz“ der Welt seit seiner Eröffnung jedes Jahr zwischen rund 800.000 und 1,8 Millionen Pfund verloren. Quelle: Sascha Zastiral für WirtschaftsWoche

Experten zeichnen ein weniger rosiges Bild. Scottish Natural Heritage, die Behörde, die für den Erhalt von Schottlands Naturerbe verantwortlich ist, kommt in internen Dokumenten zu dem Schluss, dass Trumps Golfanlage das fragile Dünensystem „teilweise zerstört“ hat. „Der Bau des neuen Golfplatzes (..) hat die natürliche Morphologie der Dünen beeinflusst und natürliche Prozesse gestört“, heißt es in einem Bericht, den die Behörde nach einer Informationsfreiheits-Anfrage öffentlich machen musste. „Die meisten der wichtigen geomorphologischen Merkmale sind verloren gegangen oder zu Fragmenten reduziert worden.“

Die Anfrage eingereicht hat Bob Ward, Politik-Direktor des „Grantham Research Institutes on Climate Change and the Environment“ der London School of Economics. „Diese Dokumente zeigen, dass beträchtlicher Schaden (..) angerichtet worden ist“, sagte Ward der Wochenzeitung The Observer. Es sei nun „sehr unwahrscheinlich“, dass die Landschaft ihren geschützten SSSI-Status behalten werde.

Ward sollte Recht behalten: Im Juni 2019 erklärte Scottish Natural Heritage, dass es vermutlich nicht länger einen Grund dafür gebe, den geschätzten Status der Dünen aufrechtzuerhalten. Sally Thomas von Scottish Natural Heritage erklärte, in den Dünen seien nicht länger eine ausreichende Zahl von den „speziellen natürlichen Merkmalen“ vorhanden, die den Ausschlag zu der Vergabe des SSSI-Status gegeben hätten. Das macht es sehr wahrscheinlich, dass die Dünen bald ihren speziellen Status verlieren werden.

Die Vizepräsidentin von Trump International Golf Links Scotland, Sarah Malone, reagierte verärgert. Sie bezeichnete die Ankündigung gegenüber der BBC als „Schande“ und sprach von einer „politisch motivierten Entscheidung“.

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