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Druck auf Siemens-Chef Nahles drängt Kaeser wegen Khashoggi-Fall zu Absage von Saudi-Konferenz

SPD-Chefin Nahles hat Siemens-Chef Kaeser aufgefordert, seine Teilnahme an einer Investorenkonferenz in Saudi-Arabien wegen des Khashoggi-Falls abzusagen.

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Nach wochenlangen Dementis hatte Saudi-Arabien am Samstag eingestanden, dass der „Washington Post“-Kolumnist Khashoggi im Konsulat des Königreichs in Istanbul getötet wurde. Quelle: AP

Frankfurt, Jerusalem Nach dem Verschwinden des regierungskritischen saudi-arabischen Journalisten Jamal Khashoggi wächst der Druck auf Siemens-Chef Joe Kaeser, seine Teilnahme an einer Investorenkonferenz in dem Königreich abzusagen. SPD-Chefin Andrea Nahles rief Kaeser in „Bild am Sonntag“ dazu auf, dem Beispiel anderer Konzernchefs zufolgen und kommende Woche nicht an der Investorenmesse in Riad teilzunehmen: „Ich hoffe, Joe Kaeser überdenkt das nochmal“, sagte sie.

Aus der CDU forderte Außenpolitiker Norbert Röttgen, hochrangige Wirtschaftsführer sollten auf ihre Teilnahme verzichten. „Das gilt aus meiner Sicht beispielsweise für den CEO von Siemens, der ja zugesagt hat“, sagte er der „Welt am Sonntag“. Der Deutschland-Geschäftsführer der Organisation „Reporter ohne Grenzen“, Christian Mihr, sagte den Zeitungen der Funke-Gruppe, Kaeser müsse absagen, wolle er „das saudische Regime nicht in seinem mörderischen Vorgehen bestärken“.

Ein Siemens-Sprecher teilte am Sonntagmittag mit, Kaeser habe sich noch nicht entschieden. Er gehe davon aus, dass die Entscheidung noch am Sonntag fallen werde, könne das aber nicht mit Sicherheit sagen. Die Veranstaltung, bei der Kaeser im hochrangig besetzten Beratungsausschuss sitzt, soll am Dienstag beginnen.

US-Finanzminister Steven Mnuchin will unterdessen nicht über Sanktionen spekulieren. Dafür sei die Zeit noch nicht reif, sagte Mnuchin am Sonntag in Jerusalem. Es müsse eine Untersuchung des Falls geben und mehr Klarheit, was wirklich passiert sei. Saudi-Arabien gehört zu den engsten Verbündeten der USA im Nahen Osten. Das Land ist wegen des Falls international unter Druck geraten. Mnuchin nannte – wie zuvor schon US-Präsident Donald Trump – die Mitteilung des Königreichs einen „guten ersten Schritt, aber nicht genug“.

Trump hat zuletzt Sanktionen gegen Saudi-Arabien nicht ausgeschlossen, aber auch Rüstungsgeschäfte mit dem Land verteidigt. Mnuchin bekräftigte, am Dienstag nicht an einer Investorenkonferenz in Riad teilzunehmen. Er werde aber nach Saudi-Arabien reisen und dort seinen Kollegen treffen. Dabei werde es um Maßnahmen gegen Terrorfinanzierung und die US-Pläne für Sanktionen gegen den Iran gehen.

Nach wochenlangen Dementis hatte Saudi-Arabien am Samstag eingestanden, dass der „Washington Post“-Kolumnist Khashoggi im Konsulat des Königreichs in Istanbul getötet wurde. Er wollte am 2. Oktober in dem Konsulat Dokumente für seine bevorstehende Hochzeit abholen. Seither galt er als vermisst. Nach seiner Leiche wird gesucht.

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