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Druck von Erdogan? Türkische Notenbank senkt Leitzins erneut – Lira unter Druck

Präsident Erdogan sieht hohe Zinsen als Plage. Quelle: REUTERS

Die Türkei ist von Inflation gebeutelt. Dennoch senkt die Notenbank in Ankara den Leitzins erneut und setzt so die Lira unter Druck. Präsident Erdogan ist ein erklärter Gegner hoher Zinsen.

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Trotz hoher Inflation hat die türkische Notenbank den Leitzins erneut gesenkt. Sie kam damit einer Forderung von Präsident Recep Tayyip Erdogan nach niedrigeren Zinsen nach. Die Notenbank in Ankara teilte am Donnerstag mit, den Leitzins von 16 Prozent auf 15 Prozent zu reduzieren. Das dürfte erneut zu erheblichem Druck auf die Lira führen, die zuletzt zu Dollar und Euro immer wieder Rekordtiefs verzeichnet hatte.

Der Leitzins liegt nun noch deutlicher unter der Inflationsrate von offiziell knapp 20 Prozent. Erdogan ist ein erklärter Gegner hoher Zinsen und entgegen der gängigen Lehre der Meinung, dass hohe Zinsen Inflation verursachen, statt sie zu bekämpfen. Erst am Mittwoch hatte er von einer „Zins-Plage“ gesprochen und sich deutlich für niedrige Zinsen ausgesprochen. Kritiker werteten das als Versuch, weiter Druck auf die Notenbank auszuüben, auch wenn Erdogan betonte, dass diese unabhängig sei.

Erdogan hatte zuletzt gleich drei Notenbanker entlassen, mit deren Geldpolitik er nicht einverstanden war. Der aktuelle Notenbankchef Sahap Kavcioglu ist seit März im Amt, nachdem Vorgänger Naci Agbal wegen Zinserhöhungen entlassen wurde. Kavcioglu ist mittlerweile der vierte Notenbankchef seit 2019. Alle seine Vorgänger waren letztlich in Ungnade gefallen, weil sie den von Erdogan präferierten Kurs einer lockeren Geldpolitik nicht mitgetragen haben.

Mehr zum Thema: „Inflation wird 2022 das marktbestimmende Thema“: Rebecca Chesworth ist Senior Strategist beim Investmentriesen State Street. Ein Gespräch über inflationsbedingte Anlagechancen, ihre favorisierten Branchen für das kommende Jahr und wo Anleger vorsichtig sein sollten.

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