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Edmund Phelps "Die Finanzkrise hat die Wirtschaft verändert"

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Bruttoinlandsprodukt, Arbeitslosenquote USA

US-Präsident Barack Obama will die Wirtschaft mit zusätzlichen Konjunkturprogrammen flottmachen. Ist das die richtige Strategie?

Ja und nein. Ich hätte es gut gefunden, wenn Obama im Frühjahr 2009 dem Vorbild Singapurs gefolgt wäre und diejenigen Unternehmen unterstützt hätte, die auf Entlassungen verzichteten. In Singapur lag die Arbeitslosenquote im Februar 2009 bei drei Prozent. Die Regierung fürchtete, sie könnte im Gefolge der Finanzkrise auf über neun Prozent steigen, und half den Unternehmen, wenn diese bereit waren, an ihren Beschäftigten festzuhalten. Das Programm hatte großen Erfolg, die Arbeitslosigkeit sank. Leider folgte die US-Regierung dem Beispiel nicht – und verspielte so die Chance, Massenarbeitslosigkeit zu verhindern.

Dafür hat Obama Milliardensummen in staatliche Bauprojekte gepumpt.

Das ist ja das Problem. Nicht jede staatliche Ausgabe stützt die Beschäftigung und den privaten Konsum. Die meisten Bau- und Infrastrukturinvestitionen sind kapitalintensiv. Heutzutage werden Bauarbeiten von modernen Maschinen und Geräten verrichtet, weniger durch menschliche Muskelkraft. Wenn die Regierung Jobs schaffen will, ist es eine schlechte Idee, kapitalintensive Investitionen zu forcieren. Hinzu kommt, dass Amerika in den Jahren vor der Finanzkrise zu viel gebaut und dadurch Überkapazitäten geschaffen hat. Es macht daher keinen Sinn, dass der Staat noch mehr Geld in die Baubranche steckt.

Die Konjunkturprogramme haben zudem die Schulden des Staates in die Höhe getrieben...

...was die Bürger demnächst mit höheren Steuern bezahlen müssen. Schon die Alterung der Bevölkerung zwingt die Regierung, die Steuern zu erhöhen, um all die Rentenansprüche finanzieren zu können. Die Konjunkturprogramme treiben die Schulden und damit die künftige Steuerlast weiter in die Höhe. Die Diskussionen über zusätzliche Stimulierungsmaßnahmen gehen daher in die falsche Richtung. Wir müssen stattdessen alles unternehmen, um die Staatsverschuldung unter Kontrolle zu bringen.

Aus Angst vor einem Rückfall in die Rezession erwägt die US-Notenbank Fed, Staatsanleihen zu kaufen. Eine gute Idee?

Wenn die Fed richtig Geld in die Hand nimmt, dürfte es ihr gelingen, die Kurse der Anleihen nach oben und die Renditen nach unten zu drücken. Das Risiko dabei ist, dass sie überzieht und Inflationserwartungen erzeugt. Das würde den Dollar auf Talfahrt schicken und die Zinsen am Kapitalmarkt – entgegen der Absicht der Fed – in die Höhe treiben. Die Notenbank weiß um dieses Risiko. Trotzdem: Wenn es hart auf hart kommt für die Wirtschaft, würde ich der Fed durchaus empfehlen, das Risiko einzugehen und Anleihen zu kaufen.

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