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Edmund Phelps "Die Finanzkrise hat die Wirtschaft verändert"

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Wie hoch ist die Chance, dass es tatsächlich dazu kommt?

Entscheidend ist die Lage auf dem Arbeitsmarkt. Wenn die Notenbank sieht, dass sich die Beschäftigung beschleunigt, wird sie ihre Pläne wieder zu den Akten legen. Bessert sich die Lage am Arbeitsmarkt hingegen nicht, wird sie wohl Staatsanleihen ankaufen.

Anders als die Industrieländer sind die meisten Schwellenländer bisher recht gut durch die Finanzkrise gekommen. Leben wir mittlerweile in einer Weltwirtschaft der zwei Geschwindigkeiten?

Das langsamere Wirtschaftswachstum in den Industrieländern belastet auch die Exportchancen der Schwellenländer. Insofern geht das nicht spurlos an ihnen vorüber. Deshalb ist es entscheidend für den globalen Wachstumstrend, dass es dem Westen gelingt, nach der Krise wieder mehr Innovationen und Investitionen zu erzeugen. Dann wird auch das globale Wachstumstempo anziehen. China und andere Schwellenländer dürften zunehmend in der Lage sein, eigenständige Innovationen zu generieren. Aber wenn ihre Hauptabsatzmärkte in den Industrieländern vor sich hin krebsen, wird ihnen dies schwerer fallen, als wenn die Industrieländer boomen.

China und Deutschland wird vorgeworfen, auf Kosten anderer Länder hohe Exportüberschüsse zu erwirtschaften. Wie berechtigt ist die Kritik?

Es gibt starke Parallelen zwischen China und Deutschland. In beiden Ländern ist die Inlandsnachfrage vergleichsweise schwach. Wäre China bereit, seinen Finanzsektor zu öffnen, würden die Investitionen geradezu explodieren. Die Exportüberschüsse Deutschlands haben ihren Ursprung in zu geringen Investitionen. Der Grund liegt im Mangel an Innovationen. Wäre Deutschland noch das innovationsstarke Land, das es Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts war, würde es sein Kapital nicht ins Ausland exportieren, sondern damit Investitionen im Inland finanzieren.

Was muss Deutschland tun, um das Ungleichgewicht zwischen Ersparnis und Investitionen zu beseitigen?

Die Deutschen müssen ihre gesamte wirtschaftliche Kultur ändern, sie müssen Risiken und Wandel wieder als Chance begreifen. Und sie müssen bereit sein, die Reise ins Ungewisse zu wagen. 

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