WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Einigungsprozess Diese Interessen verfolgen Nord- und Südkorea

Kim Jong Un, Machthaber von Nordkorea, und Moon Jae In, Präsident von Südkorea, machen einen gemeinsam Spaziergang. Quelle: dpa

Süd- und Nordkorea wollen eine Ära des Friedens einleiten. Beide bewegen nicht nur militärische, sondern auch wirtschaftliche Interessen. Nordkorea sitzt auf Bodenschätzen, die es isoliert aber nicht bergen kann.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:

Als Kim Jong Un am Freitagmorgen Moon Jae-in auf ein paar Schritte auf nordkoreanischen Boden einlud, war das vor allem eines: Symbolik. Im Hintergrund laufen schon seit mehr als einem Monat Gespräche zwischen Nordkoreas Führer und dem südkoreanischen Präsidenten.

Dabei geht es einerseits um militärische Aspekte – etwa die Frage, wie Frühwarnsysteme zwischen beiden Ländern aufgebaut werden können oder wie eine mögliche militärische Abrüstung aussehen könnte. Mindestens genauso wichtig sind handfeste wirtschaftliche Interessen beider Staaten.

„Kim Jong Un hat Jahre investiert, um ein atomares Abschreckungsszenario aufzubauen, das ihn in die Position versetzt, auf dem internationalen Parkett mitzureden“, sagt Bernt Berger von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP). Kim Jong Un baue schon seit 2013 die nordkoreanische Wirtschaft um – die Politik Byungjin Linie. „Die Atombombe dient als Abschreckung und ermöglicht es, Ressourcen aus dem Militärapparat in die Wirtschaft umzulenken“, sagt Berger. Bis heute ist Nordkorea weltweit das Land mit den höchsten Militärausgaben pro Einwohner – was aber auch vor den Handlungsspielraum für Reformen eingeschränkt. „Die Verteidigung steht nicht mehr an erster Stelle für Nordkorea“, sagt Berger.

Am ausgenscheinlichsten werde dieser Wandel anhand des Dezentralisierungsschubs im Land, den Berger beobachtet. „Es gibt in den einzelnen Provinzen sehr spannende Initiativen“, erzählt er. „In Wonsan wurden Hotelanlagen aufgebaut, Strände verbessert und ein militärischer Flughafen in einen zivilen umgebaut. Dort sollen mittel- bis langfristig internationale Gäste beherbergt werden. Auch für die Zivilbevölkerung gibt es Besserungen: Die soziale Infrastruktur wird ausgebaut, beispielsweise Wasseraufbereitungsanlagen. „Nordkorea kommt zwar von einem sehr niedrigen wirtschaftlichen Niveau“, sagt Berger. „Aber wo die lokalen Machthaber freie Hand haben, werden sie sehr kreativ.“

Der private Wirtschaftssektor in dem kommunistischen Land umfasst mittlerweile laut Schätzungen rund 50 Prozent – was unter Kim Jong Uns Vater und Großvater noch undenkbar erschien. Beide hielten an einer Staatsökonomie fest.

Die Bilder mit Moon festigen Kim Jong Uns Position innerhalb Nordkoreas und erlauben es ihm, den Wandel weiter voranzutreiben. „Auf lange Sicht muss er die Interessen der Eliten im Land befriedigen – und das heißt Zugang zu internationalen Gütern schaffen“, sagt Berger. In Pjöngjang gibt es mittlerweile eine große Mittelschicht, die steigenden Einfluss hat im Land – und Bedürfnisse.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%