WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Ende des Autofahrverbots für Frauen Saudische Königsfamilie schickt Aktivistinnen ins Gefängnis

Nach jahrzehntelangen Protesten fällt in Saudi-Arabien im Juni das Autofahrverbot für Frauen. Einige der prominentesten Aktivisten werden den historischen Tag möglicherweise im Gefängnis verbringen.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Saudi-Arabien: Königsfamilie schickt Aktivistinnen ins Gefängnis Quelle: dpa

Riad Nur gut einen Monat vor dem Ende des Frauenfahrverbots in Saudi-Arabien hat das Königreich mehrere prominente Frauenrechtler festgenommen. Unter ihnen seien die bekannten Aktivistinnen Ludschain al-Hathlul und Iman al-Nafdschan, teilten die Menschenrechtsorganisationen Human Rights Watch (HRW), Amnesty International und der Golfrat für Menschenrechte übereinstimmend mit. HRW und Amnesty sprachen dabei von insgesamt sieben Festgenommenen.

2014 war Al-Hathlul zwei Monate im Gefängnis, weil sie am Steuer eines Autos versucht hatte, von den Vereinigten Arabischen Emiraten aus ins benachbarte Saudi-Arabien zu fahren. Dem Golfrat für Menschenrechte zufolge kann sie momentan weder mit einem Anwalt noch mit ihrer Familie sprechen. Die Verhaftungen kommen zu einem ungewöhnlichen Zeitpunkt: In gut einem Monat, am 24. Juni, will das Königreich Frauen als letztes Land der Welt das Autofahren erlauben.

Beobachter sehen die Gründe für die Festnahmen in der Sorge Riads vor dem Eindruck, die Proteste der Aktivistinnen hätten zur Aufhebung des Frauenfahrverbots geführt. HRW zufolge wurden Aktivisten, darunter auch einige der jetzt Verhafteten, angewiesen, nicht mit Medien über die historische Entscheidung zu sprechen.

Frauenrechtlerinnen fordern die Aufhebung des Systems der männlichen Schutzherrschaft, das es ihnen unter anderem verbietet, ohne Zustimmung ihres männlichen Vormunds zu heiraten oder zu reisen. Kronprinz Mohammed bin Salman lockerte das Vormundschaftsrecht etwas.

In einem Interview mit dem US-Sender CBS sagte der Kronprinz kürzlich auf die Frage, ob Frauen und Männer gleich seien: „Absolut. Wir sind alle Menschen, und es gibt keinen Unterschied.“ Doch bin Salman, der starke Mann im Land, will Experten zufolge die absolute Kontrolle über die Öffnung des autokratischen Landes behalten.

Unter den Festgenommenen ist nach Informationen von Amnesty auch die Aktivistin Madiha al-Adschrusch. Die heute 64-Jährige hatte 1990 beim ersten Autofahr-Protest im Königreich teilgenommen. Danach war sie zwölf Stunden in Gewahrsam, wie sie der Deutschen Presse-Agentur im Februar erzählte. Bei dem Interview lobte sie die Reformen im Land und sagte, die „dunklen Zeiten“ seien vorbei. Auf die Fahrerlaubnis für Frauen im Juni angesprochen meinte sie: „Natürlich werde ich dann sofort losfahren. Dafür haben ich 27 Jahre gekämpft.“

Für seine Reformen hatte der Thronfolger zuletzt viel Lob auch von Aktivisten erhalten. Doch nun werden - wie in der staatsnahen Zeitung Al-Dschasira - Fotos der Eingesperrten veröffentlicht und diese als „Verräter“ gebrandmarkt. Die staatliche Nachrichtenagentur Spa teilte mit, dass sieben Personen mit Kontakten zu feindlichen ausländischen Mächten festgenommen wurden, weil sie die Regierung unterwandern wollten. Sie hätten der inneren Sicherheit des Landes schaden wollen.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%