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Energie Duell um die Ostseepipeline

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Der zum Jahreswechsel wieder aufgeflammte russisch-ukrainische Zwist um Gaslieferungen verschärft das Duell der Pipeline-Planer. Vergangene Woche drehte Russland Europa den Gashahn ab: Über die Pipelines durch die Ukraine kam nichts mehr an. Mit Nord Stream ließe sich das Konfliktgebiet Ukraine einfach umgehen.

Für E.On Ruhrgas und Wingas ist die mindestens sieben Milliarden Euro teure Ostsee-Pipeline nur dann sinnvoll, wenn sie auch ihre Anschlussröhren Opal und Norddeutsche Erdgasleitung (NEL) verlegen und kontrollieren. Durch Opal ließe sich nicht nur Ostdeutschland beliefern. Die Leitung soll südwärts bis zur tschechischen Grenze verlaufen, könnte somit auch Tschechien versorgen und von dort aus über die geplante Transitleitung Gazelle Süddeutschland und Teile Frankreichs.

Die Pipeline wäre ein ideales Werkzeug für die russische Energie-Außenpolitik: Ukrainische Transitleitungen zu ersetzen sei Russlands Hauptmotiv für den Bau von Opal und Nord Stream, sagen Brancheninsider. So könnte Gazprom auch südliche Gebiete versorgen, falls Russland durch die Ukraine weniger oder gar kein Gas mehr dorthin leitet.

Käme Opal nicht, bliebe den Nord-Stream-Investoren – neben der nicht von ihnen kontrollierten Nordal – nur die nach Westen führende NEL. Mit dieser allein aber ginge Gazproms Strategie, die Ukraine zu umgehen und in Westeuropa weiträumig direkt an die Endkunden zu verkaufen, nicht auf. Im Westen verdient Gazprom gutes Geld, das es während der globalen Wirtschaftskrise, die auch den Gasabsatz beeinträchtigt, dringend brauchen wird.

Aufnahmeantrag für Opal scheiterte bereits

Die Ostsee-Pipeline hat in Moskau, Berlin und bei den Gas-Monopolisten höchste Priorität. Kenner des Gasmarktes halten verklausulierte Drohungen, Nord Stream nicht zu bauen, deshalb für wenig glaubwürdig. Die Entscheidung, welche Anschlusspipeline am Ende gebaut wird, liegt bei den Genehmigungsbehörden, vor allem bei der Bundesnetzagentur in Bonn. Dort werden voraussichtlich in diesem Jahr Sieger und Verlierer bestimmt.

Ein Ausnahmeantrag für Opal bei der Bundesnetzagentur scheiterte bereits. Denn die Regulierer wollen die Kontrolle über neue deutsche Gaspipelines gerade nicht in den Händen der großen Gaslieferanten sehen, sondern bei unabhängigen Betreibergesellschaften. Also schufen E.On Ruhrgas und Wingas die formal selbstständige und heute als Hauptakteur auftretende Konsortialgesellschaft Opal NEL Transport. Allerdings wird auch dieses Vehikel von der Wingas-Gruppe beherrscht. Sie gehört zu 50 Prozent minus einer Aktie dem staatlich kontrollierten Gaslieferanten und Exportmonopolisten Gazprom und entspricht somit kaum Chefregulierer Matthias Kurths Vorstellungen von einem liberalisierten Gasmarkt.

Concord-Chef von Tschischwitz hat mit den Konsortialpartnern noch eine Rechnung zu begleichen: Die erste Runde verlor der David nämlich gegen die Goliaths. Einst plante Concord Power ein eigenes 1200-Megawatt-Gaskraftwerk am Ostseestrand. Die Hamburger erwarben ein ideal gelegenes Grundstück bei Lubmin und erwirkten die nötigen Baugenehmigungen. Verfeuern wollte von Tschischwitz Gas aus dem deutschen Netz – dazu war ursprünglich Nordal gedacht – und aus der Nord-Stream-Pipeline.

Doch das Vorhaben scheiterte am Widerstand des erhofften Lieferanten Gazprom. Offenbar wollten die Russen das Geschäft lieber selbst machen: Auf die Absage folgte sogleich ein Angebot, Concord das Grundstück abzukaufen. Bittere Ironie für von Tschischwitz: E.On Ruhrgas und Gazprom werden das Kraftwerk nun bauen – das sieht ihre im März 2008 unterzeichnete Absichtserklärung vor.

Geht ihr Plan auf, bleibt also alles hübsch in der Familie: die Gaslagerstätten, der Transport durch die Ostsee, der Weitertransport durch Opal und NEL und nun auch noch die Stromerzeugung in Lubmin. Alles könnte so einfach sein – wäre da nicht der lästige kleine Widersacher aus Hamburg mit seiner unverschämt liberalen und dazu noch genehmigten Leitung.

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